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NEUE-serie – Teil 52

Abenteuerliche Wanderung in Hittisau

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt interessante Wege und Stege im Ländle. Auch Geschichten kann sie dazu erzählen. Heute empfiehlt sie eine Wanderung im Vorderen Bregenzerwald in Hittisau.

Beim Dorfbrunnen in Hittis­au, im Herzen der flächenmäßig größten Gemeinde des Vorderen Bregenzerwaldes, beginnt die Wanderung. Vor dem Abmarsch lohnt sich ein Blick auf die Übersichtstafel direkt bei der Pfarrkirche Hl. Drei Könige. Daneben bietet eine der vielen Säulen die Sage vom klugen Hirtenbüblein in drei Sprachen. Im Rahmen eines von der Europäischen Union initiierten Projekts wurden von Hittisauer Schülern Sagen, die sich um das Dorf ranken, gesammelt, überarbeitet und nun begegnen diese einem auf Schritt und Tritt, auf Wegen und Plätzen, in Häusern und Gehöften und veranschaulichen Geschichte.

Der Wanderer nimmt nun den Weg in Richtung Känzele-Aussicht am denkmalgeschützten Kriegerdenkmal und an der Pfarrkirche Hl. Drei Könige vorbei. Leicht ansteigend die Straße hinauf und hinaus aus dem Dorf. Reich verzierte Holzhäuser zeigen eindrücklich, dass die Bregenzerwälder eine selten schöne Holzkultur pflegen. Geschwind über die Straße wartet kurz ein steiler Anstieg und schon schlängelt sich der Straßenweg an einem Gehöft vorbei und geht in einen hangquerenden Wiesenweg über. Das Känzele ist schon in Sicht.

Beeindruckende Ausblicke

Bei Häleisen angekommen, muss gar nicht lange überlegt werden, der kurze Anstieg zum Känzele hinauf wird mit beeindruckenden Ausblicken belohnt: ein schmuckes Dorf in einem weiten, offenen Tal liegend und von einer schneeweißen Bergspitzenpracht umkränzt.

Wieder abgestiegen, führt der Weg weiter zur Fatimakapelle und Kommabrücke. Den Hang hinab, über die Straße und gleich rechts ab entlang eines Bächleins und schon ist die Fatimakapelle im Weiler Bad erreicht. Hertha Glück berichtet: „Zuerst wollte ich die Kapelle gar nicht betreten, denn der Hund musste draußen alleine bleiben, aber ich wurde belohnt. Schon wenn man die schwere Holztüre öffnet, überrascht die Marien­statue in einer Grotte, lässt innehalten und staunen. Das Tuffgestein stammt aus der Engenlochschlucht, die ja noch begangen wird. Zum Glück fiel mir dann noch beim Hinausgehen die Geschichte, in gestochener Handschrift festgehalten, auf und ich staunte noch mehr: Denn diese Kapelle wurde aufgrund eines Versprechens von Herbert Mennels Vater in fleißigem Tun mit vielen Menschen errichtet und 1950 eingeweiht. Herbert Mennel war mit seinen Geschwistern beim Stauden schwenden (roden, schwinden machen) und wurde von einer zurückgebliebenen Eierhandgranate aus dem Zweiten Weltkrieg schwer verletzt. Die Ärzte hatten ihn schon aufgegeben, aber der Glaube ließ ihn gesund werden und mit dem Kapellenbau das Versprechen einlösen.“

Interessante Holzbrücke

Nur ein paar Schritte weiter und die nächste Sehenswürdigkeit ist erreicht. Die älteste gedeckte Holzbrücke Vorarlbergs überspannt die Bolgenach. Geschickt und sehr gelungen wurden die alten Holzteile der Vorgängerbrücke (1458 erbaut) mit in die neue Konstruktion integriert. Diese Anerkennung an das erste Bauwerk und die Sagentafel, die von einem Drachen erzählt, der hier sein Unwesen getrieben haben soll, wird Geschichte hautnah erlebt.

Am Fuße des Hochhäderichs entstand am Ende der Eiszeit ein See. Die Bolgenach bahnte sich ihren Weg durch den Felsen, der die „Staumauer“ des Sees bildete. So entstand die Kommaschlucht. Die Macht und Kraft des Wassers begleitet nun den Wanderer an der Bolgenach entlang zur Engenlochschlucht und auch hindurch. Während die Füße sicher auf dem Wiesenweg auftreten, können die großen Bauerngehöfte in der typischen Bregenzerwälder Bauweise betrachtet werden. Rechts über die Brücke wird die Wanderseite an der Bolgenach gewechselt. Gleich wieder links und nun darf munter in Richtung Engenlochschlucht ausgeschritten werden.

Beim Dachsbau geht es links über eine kleine Holzbrücke und flach durch den Wald. Bei der Hängebrücke steht eine kleine nachgebaute Säge und die Aufforderung als Schleusenmann diese in Betrieb zu setzen. Das kann man ruhig wagen, es funktioniert.

Endlich beginnt das wahre Abenteuer, der schmale Steg im abwechslungsreichen Auf und Ab mit Halteseilen und kleinen Brücken durch die Engenlochschlucht. Vorab wird sogar auf das Betreten auf eigene Gefahr hingewiesen und es empfiehlt sich auch, die Kinder an der Hand zu führen.

Naturschauspiel

Hochaufragende Felsen werden umwandert oder unterwandert. Die Bolgenach rauscht wild durchs Tobel und bearbeitet immer noch das Gestein und hinterlässt Gumpen, in denen sogar früher gebadet wurde. Ein wildromantisches Kunstwerk an Wasserkraft und seltenes Naturschauspiel, einfach sehenswert.

Am Ende der Schlucht nimmt der Wanderer den Rückweg vorab über Stock und Stein, dann den schönen hangquerenden Wiesenweg mit der Infotafel über die Entstehung dieser Ausbuchtung und zu guter Letzt auf der Straße in Richtung Hittisau. Die Geschichtenerzählerin sagt: „Die Engenlochschlucht wirkt wie eine Zeitmaschine in die Welt der Vorahnen.“

Auch der Rückweg gestaltet sich mit den alten Häusern, dem Geburtshaus des Geschichtsforschers Ritter von Bergmann und die sanft hügelige Landschaft mit dem Blick auf den Hittisberg für Wanderfreunde interessant. Noch Geschichtliches über dieses idyllische Dorf angefügt: Bereits im Jahr 1249 wird das Dorf erstmals urkundlich als „hittinsowe“ erwähnt. Auf einer Hochebene zwischen den Flüssen Subersach und Bolgenach in 800 Metern Seehöhe breitet sich das Dorf mit seinen Wiesen, Weiden und Weilern aus.

Der attraktive Kern mit der mächtigen Pfarrkirche, der zweitgrößten Vorarlbergs und einer historischen Orgel, lädt zum Flanieren durchs Dorf und zum längeren Bleiben ein.

Information

Besonderes: Auf dieser Wanderung wechseln sich Aussichten übers Land und Einsichten übers Volk in Hittisau ab.

Anforderung und Gehzeit: In gemütlichen zwei Stunden werden 138 Höhenmeter im Aufstieg und wieder 138 im Abstieg gut überwunden.

Charakter der Wege: Straße, Wiesen- und Forstwege, gut gesicherter Felsensteig. Wichtig: bei Eisglätte, Sturm, viel Schnee, Steinschlaggefahr ist die Engenlochschlucht zu gefährlich.

Natur und Kultur: Sagentafeln, Wasserwanderweg, Pfarrkirche Hl. Drei Könige, Fatimakapelle, Kommabrücke, Engenlochschlucht, Ritter-von-Bergmann-Geburtshaus, Frauenmuseum Hittisau, Alpensennereimuseum, Naturpark Nagelfluhkette.

Anziehen und mitnehmen: Knöchelhohe Wanderschuhe (Profilsohle), wetterfeste Kleidung, Wanderstöcke empfohlen.

Einkehrmöglichkeiten: Hittisau.

Start und Ende: Dorfbrunnen Hittisau

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