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Breite überregionale Front gegen ­Fracking

Mit Kollegen aus Deutschland und der Schweiz wehren sich die Vorarlberger Grünen gegen Fracking am Bodensee – nicht nur sie.

Eigentlich wollten die Grünen bei der gestrigen Pressekonferenz in Bregenz über die gemeinsame Schule reden. Aber nachdem die EU-Kommission nun voraussichtlich den Weg für Fracking freimacht oder ihn zumindest nicht verschließt, wurde kurzfristig eine seit Längerem vorbereitete überregionale Initiative gegen diese umstrittene Form der Gasförderung präsentiert. Nicht zum ersten Mal, wie Grünen-Chef Johannes Rauch erläuterte.

Bereits 2012, als die ersten Berichte über Probebohrungen und mögliche Versuche in der Bodenseeregion aufgetaucht seien, habe man sehr früh mit den Grünen in Baden-Württemberg, Bayern und der Schweiz eine überregionale Petition lanciert und versucht, Bewusstsein für die Problematik zu entwickeln, erzählt er.

„Maßlos überschätzt“

Bei der aus den USA kommenden Technologie wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und chemischen Substanzen mit hohem Druck in den Boden gepresst, um das im Schiefer gebundene Gas aus dem Gestein zu lösen. Allerdings seien derartige Gasvorkommen in den USA „maßlos überschätzt und hochgerechnet worden, um Investoren zu gewinnen“, sagt Rauch, und es sei mittlerweile klar, dass der Boom nicht länger als bis maximal 2020 anhalten werde. Dann seien die Vorkommen erschöpft.

Diese Kurzfristigkeit beziehungsweise Überschätzung des wirklichen Potenzials von Schiefergas verbunden mit der Gefährlichkeit für das Grundwasser sind einige der Kritikpunkte der grenzüberschreitenden Aktion. Diese richtet sich an eine EU-Kommission mit „Energiekommissar Günther Öttinger an der Spitze, die Fracking in der EU umsetzen will“, und die jeweiligen Staatschefs der drei Länder. Mit dem EU-Argument, dass eine Verweigerung von Fracking zu Arbeitsplatzverlusten und einer Deindustrialisierung Europas führen würde, kann Rauch nichts anfangen: „Selbst in den USA ist klar, dass das maximal eine Brückentechnologie sein kann.“

Mit der nun lancierten Unterschriftenaktion gehe es darum, den überregionalen Widerstand gegen „die Salonfähigkeit und die Durchsetzung von Fracking zu intensivieren“, sagt der Grüne. Denn „das kann Vorarlberg unmöglich allein leisten, sondern das muss auf europäischer Ebene passieren“, zeigt sich Rauch realistisch. Die Forderungen auf der mit „Hände weg vom Bodensee – Stop Fracking!“ betitelten Petition seien relativ klar und einfach: Da geht es etwa um eine Verhinderung des „hinter verschlossenen Türen verhandelten“ Freihandelsabkommens zwischen den USA und der EU, den Grundwasserschutz, nachdem 5 Millionen Menschen ihr Trinkwasser aus der Region beziehen würden, die Verhinderung von Landschaftszerstörung durch Fracking, aber auch um die Forderung nach einer Reform des deutschen Bundesberggesetzes, für das derzeit Berlin zuständig sei, sagt Rauch.

Thema im Wahlkampf

Bei der Petition allein soll es aber nicht bleiben. Fracking werde auch eines der zentralen Themen zumindest der österreichischen Grünen im Wahlkampf für die Europawahl sein, kündigte der Klubobmann an. Und dann erinnerte er noch an die Tradition, in der der Widerstand gegen Fracking in Vorarl­berg stehe, an die Anti-AKW- und die Anti-Gen-Bewegung. „Es gibt in Vorarlberg eine lange Linie des Widerstands gegen Derartiges“, beschwört Rauch die diesbezügliche Vergangenheit.

Neben der Grünen-Petition, die seit gestern online ist, gibt es im Land noch zwei weitere Unterschriftenlisten gegen Fracking, eine davon vom Vorarl­berger Landtag initiiert, der sich ebenfalls geeint gegen diese Technologie ausspricht (siehe auch rechte Randspalte). Er appelliert an EU sowie die österreichische und deutsche Bundesregierung und Kantone des Bodenseeeinzugsgebiets, sich gegen Fracking einzusetzen.

Zur aktuellen Situation in der Region: Laut apa gibt es bei Konstanz, Saulgau-Wangen und Biberach, also im Nahbereich des Bodensees, Konzessionsfelder zur Suche nach Schiefergas. Operative Arbeiten seien derzeit nicht geplant, hätten die deutschen Behörden versichert. Kürzlich sei die Sucherlaubnis jedoch auf zwei weitere Jahre verlängert worden. In der Schweiz hat eine Gesellschaft hingegen mit Ende des Jahres ihre Suchkonzession verloren.

Brigitte Kompatscher

n Grüne-Petition und Informationen: www.stoppt-fracking.com

n Landtag-Petition: www.vorarlberg.at/landtag

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