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Jägerlatein

Ein Land wird plötzlich schwulenfreundlich

Man kann mir viel vorwerfen, aber sicherlich nicht Homophobie (Schwulen-Feindlichkeit). Von mir aus können Männer und Frauen ihre gleichgeschlechtlichen Partner heiraten, sich wieder scheiden lassen, ihre Rechnungen und Alimente teilen, Kinder adoptieren, wenn’s dann irgendwann technisch möglich ist, auch austragen, und alle die anderen Dinge tun, die schon das Leben von heterosexuellen Paaren recht schwierig machen. Ansonsten: Schwule haben alles in allem mehr Stil, mehr Sinn für Kunst und Kultur, sind witziger und machen vor allem bessere Musik. Was Privates betrifft, interessiert mich das so viel wie bei Hetero- oder Asexuellen, nämlich gar nicht.

Dass manche Politiker oder Kulturen anderer Meinung sind, halte ich zwar für falsch und rückständig, nehme es aber auch zur Kenntnis und gehe dafür nicht gleich auf die Straße – schließlich bräuchte ich keine Wohnung mehr, wenn ich für jede Ungerechtigkeit oder Diskriminierung auf die Straße ginge. Konkret geht es um Putins Russland, in dem ein Gesetz gegen „Homosexuellen-Propaganda“ verabschiedet wurde, in dem positive Äußerungen zu Homosexualität in Anwesenheit von Minderjährigen sowie in Medien unter Strafe gestellt werden. Nein, das gefällt mir nicht, aber genauso wenig gefällt mir die Scheinheiligkeit, mit dem jetzt Hinz und Kunz aus ihren Löchern kriechen, sich plötzlich als Retter der Schwulen und Lesben aufspielen und den Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi fordern.

Von manchen hat man es erwartet, etwa von Eva Glawischnig, selbst ernannte Jeanne d’Arc jeder Minderheit, die ihr ins Konzept passt; bei anderen ist man überrascht. Hermann Maier, nicht nur wegen seinen Lokaltouren mit Kollege Schifferer und seinem freundlichen Auftreten bei Niederlagen wohl der Prototyp eines Machos, will aus diesem Grund ebenfalls nicht nach Sotschi reisen. Na dann.

Selbst ein kompletter Rückzug wurde in manchen Ländern diskutiert; die Sportler haben eh nur vier oder acht Jahre auf diesen Event hintrainiert. Kann man machen; aber dann möchte ich dies bei Sportereignissen in fast allen Ländern der Welt mit Ausnahme der EU, Kanada und Australien, in denen fleißig staatlich getötet wird (USA, Japan), Frauen gar nix dürfen (arabische und schwarzafrikanische Länder), ein irrwitziges Kastensystem herrscht (Indien) oder Menschenrechte nicht existieren (China) etc. etc. auch so gehandhabt wissen.

Und noch was: Schwule (zumindest diejenigen in meinem Freundeskreis) schmunzeln nur oder tippen sich ob dieser Debatte vielleicht auf die Stirn. Mir ebenfalls bekannte Heteros, die sonst über „Schwuchtel-Witze“ am Stammtisch gerne mal wiehern, schwingen die Fäuste ob des bösen Mannes und des garstigen Systems dort im Osten. Da stimmt irgendwas nicht.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@russmedia.com

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