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Htl Dornbirn

Open Library: Wer ein Buch nimmt, stellt eines rein

Eine sogenannte „Open Library“ gibt es seit vergangenem Dezember an der HTL Dornbirn. Lanciert wurde diese im Rahmen des Projekts „Lebensraum Schule“.

Dunja Gachowetz

Drei orange Sitzmöbel, die sogenannten Lese- und Tratsch-Sofas, stehen in der Aula der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) in Dornbirn. Zu deren linken und rechten Seite sind mit Bücher gefüllte Regale positioniert. Die Jugendlichen können diese zu jeder Zeit entnehmen und in der Schule lesen. Ohne dass ein Leihzettel ausgefüllt werden muss oder die Schülerinnen und Schüler warten müssen, bis sich die Türen zur Schulbibliothek öffnen. Denn die sogenannte „Open Library“ hat keine Öffnungszeiten. „Einzige Bedingung ist, dass die Jugendlichen die Bücher, bevor sie das Gebäude verlassen, wieder zurück in das Regal stellen. Sie können das Buch aber auch mit nach Hause nehmen. Dann müssen sie jedoch ein anderes Werk anstatt des Entlehnten hineinstellen“, erklärt Markus Mittelberger. Er ist Lehrer in der Bildungseinrichtung und zeichnet für das Projekt verantwortlich.

Die Idee zu so einer Open Library, zu deutsch Offene Bibliothek, hatte er aufgrund eines Zeitungsberichts. „Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Land es war. Aber es ging auf jeden Fall darum, dass in einem Ort eine Bibliothek gebaut worden ist. Am Ende hatten die Verantwortlichen jedoch kein Geld mehr, um Lesestoff zu kaufen. Daher wurden die Bürger um Bücherspenden gebeten“, berichtet Mittelberger. Aber auch die von manchen Erwachsenen getätigte Aussage, dass Schüler zu wenig lesen, war ausschlaggebend für die Etablierung einer solchen Bücherei in der Bildungseinrichtung. „Die Hemmschwelle, ein Buch auszuleihen, ist für die Jugendlichen somit geringer“, ist der Projekt-Verantwortliche überzeugt.

Derzeit noch viele Krimis

Die Schulverantwortlichen musste Mittelberger nach eigenen Angaben nicht lange von diesem Projekt überzeugen. Der Direktor unterstütze solche Vorhaben gerne. „Was natürlich immer ein Problem ist, das ist die Finanzierung. Daher sind wir sehr froh darüber, dass uns Thomas Steiner von Ländlebuch 200 Bücher gespendet hat. Und für jede weitere Spende sind wir natürlich auch sehr dankbar“, sagt der Projektverantwortliche. Abgegeben werden könne jedes Buch, Vorgaben gibt es keine. „Derzeit haben wir sehr viele Krimis. Das müssen wir noch etwas ausgleichen. Wir hoffen aber, dass es bald eine gute Durchmischung gibt, da auch jeder, der ein Buch mit nach Hause nimmt, ein neues in die Regale stellen muss. Und das sollen keine alten Kinderbücher sein. Sonst sinkt das Niveau der Bibliothek rasant ab“, erklärt der Lehrer.

Ganz entspricht die Offene Bibliothek an der Schule in der Messestadt noch nicht einer Open Library. „Eigentlich hat eine Open Library einen Online-Katalog. In diesem kann jeder zu einem gerade gelesenen Buch Kommentare einfügen, wie ihm dieses gefallen hat. Doch soweit sind wir noch nicht. Aber eine schuleigene Online-Plattform ist zumindest gedanklich schon im Entstehen. Wir haben ja einen Informatik-Zweig. Vielleicht kann man da etwas entwickeln“, meint Mittelberger.

Seit vergangenem Dezember gibt es nun das Projekt an der HTL Dornbirn. Und alle Bücher sind noch da. Wie funktioniert das, wenn es keine Kontrolle gibt. Markus Mittelberger sagt dazu: „Es ist eine Vertrauenssache. Ich finde auch, dass nicht immer alles kontrolliert werden muss.“

Wohlfühlräume schaffen

Derzeit sind auch Planungen am Laufen, einen Leseraum zu schaffen, in den sich die Schülerinnen und Schüler zurückziehen können. „In der Aula ist es halt doch recht laut. Das sagen auch viele der Jugendlichen, dass hier viel Betrieb ist und man nicht in Ruhe lesen kann. Wir wollen in der Schule sogenannte Wohlfühlräume schaffen. Das hat aber nichts mit Kuschelpädagogik zu tun“, sagt der Projektverantwortliche. Aber nicht nur die Open Library ist im Rahmen des Projekts „Lebensraum Schule“ umgesetzt worden, sondern auch andere Vorhaben wurden verwirklicht. So wurden die Klassenräume farblich aufgepeppt und mit Grünpflanzen bestückt. In der Eingangshalle wurden Trennwände aufgestellt, um beispielsweise den Kantinenbereich von der Open Library abzutrennen. Aber auch der Innenhof der Schule wurde auf Vordermann gebracht. „Dieser war ganz verwildert. Während unserer Umweltwoche im vergangenen Jahr haben die Schüler den Innenhof von allem Gestrüpp und Wildwuchs befreit. Wir haben einen Kräutergarten angelegt, Erdbeeren, Johannisbeeren und einen Zwetschkenbaum gepflanzt“, erzählt Mittelberger. Inzwischen wird der Hof vom neuen Schulwart, der auch Landschaftspfleger war, regelmäßig betreut. Der Pädagoge weiß aber auch, dass es immer eine Zeit dauert, bis neue Maßnahmen oder Projekte angenommen werden. „In ein paar Monaten wollen wir die Jugendlichen dazu befragen, wie sie die Open Library beurteilen und was noch verbessert werden könnte“, sagt Mittelberger. Einen Wunsch haben die Schülerinnen und Schüler bereits geäußert. Sie hätten gerne, dass auch Zeitungen und Zeitschriften in der Open Library aufliegen würden.

■ Mehr Informationen über die Open Library an der HTL Dornbirn erhalten Interessierte bei Markus Mittelberger unter der E-Mail-Adresse Markus.mittelberger@htldornbirn.at

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