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„Sie dürfen sich jetzt aber nicht als Mörder fühlen“

Bedingte Haft- und unbedingte Geldstrafe für Traktorlenker: Von seinem Anhänger gerutschter Heuballen verletzte eine Autofahrerin tödlich.

Seff Dünser

Sie dürfen sich jetzt aber nicht als Mörder fühlen“, sagte Richter Martin Mitteregger zum Angeklagten. Der Unfallfahrer sei in Internetforen und von anonymen Anrufern zu Unrecht als Mörder bezichtigt worden. Der Beschuldigte habe keine vorsätzliche Tötung begangen, sondern eine fahrlässige, merkte der Richter an.

Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen und Gefährdung der körperlichen Sicherheit wurde der geständige 45-Jährige schuldig gesprochen. Der unbescholtene Landwirt kam mit einer bedingten Haftstrafe von sechs Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 1440 Euro davon – 360 Tagessätze zu je vier Euro. Das Urteil, das der Angeklagte annahm, ist nicht rechtskräftig. Die mögliche Höchststrafe hätte drei Jahre Gefängnis betragen.

Ein Heuballen hatte am 13. September 2013 die Windschutzscheibe des entgegenkommenden Autos einer 25-Jährigen Lenkerin eingedrückt und die vierfache Mutter tödlich verletzt. Zwölf Heuballen waren auf der Walgaustraße in Göfis in einer Rechtskurve vom Anhänger des angeklagten Traktorfahrers gerutscht. Ein Heuballen wog, so Unfall-Gutachter Christian Wolf, im Schnitt 280 Kilogramm.

Unzureichend gesichert

Dem Traktorlenker wurde angelastet, er habe die 6,7 Tonnen schwere Ladung auf dem desolaten Anhänger unzureichend gesichert – nur mit zwei Spanngurten in Längsrichtung. Zudem ist der Unterländer laut Urteil mit einer für die schwere Ladung relativ überhöhten Geschwindigkeit von mindestens 39 km/h auf der mit Tempo 50 begrenzten Straße gefahren.

Der angeklagte Familienvater befindet sich seit dem Unfall in psychiatrisch-psychologischer Behandlung. Er müsse „versuchen, sich den Fehler selbst zu verzeihen“, sagte der einfühlsame Strafrichter. Sonst werde es für ihn noch schwieriger, mit seiner Schuld zu leben.

Der Brief, den ihm die Opferfamilie zurückgeschrieben habe, sei für ihn „ein Lichtblick“, sagte der während der Verhandlung mehrmals weinende Angeklagte. Denn sie habe ihm keinen Vorwurf gemacht, keinen Hass zum Ausdruck gebracht, sondern ihm stattdessen alles Gute gewünscht.

Großartige Geste

Diese Geste ist für Verteidiger Dieter Helbok „das Großartigste“, was er in seiner Karriere als Rechtsanwalt erlebt habe. Das sei der betroffenen Familie aus dem Walgau „hoch anzurechnen“, sagte Richter Mitteregger. Sie habe damit „ein Wohlwollen“ gezeigt, „das man fast nicht für möglich hält“.

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