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Motorenlärm statt Wasser-Rauschen

Das „Emergency Response Team Air“ des Bundesheers hat am Donnerstag in Hittisau für den Ernstfall geprobt. Dabei galt es, einen abgestürzten Helikopter zu sichern sowie zwei Verletzte zu bergen und zu versorgen.

Michael Steinlechner und Klaus Hartinger (Fotos)

Ruhig ist es normalerweise am Rande des kleinen Wäldchens im Ortsteil Bolgenach in Hittisau. Das Rauschen des nahen Ließenbaches ist zu hören – ab und zu das Motorengeräusch eines Autos in der Ferne. Doch am Donnerstagmorgen wird die Idylle jäh gestört. Drei Hubschrauber – zwei S70 Black Hawk und eine Agusta Bell 212 landen – in einer der wenigen noch mit Schnee bedeckten Wiesen.

An Bord der Luftfahrzeuge befinden sich die 22 Mitglieder des „Emergency Response Team Air“ (Erta) des österreichischen Bundesheeres. Diese sind speziell dafür ausgebildet, bei Unfällen mit militärischen, aber auch zivilen Maschinen als Erst-Helfer zu fungieren. In Hittisau proben die Männer den Ernstfall. Denn nahe ihres Landeplatzes steht ein weiterer kleinerer Helikopter, der „abgestürzt“ ist. Der Pilot und ein Techniker sind schwer verletzt und müssen geborgen werden. Es besteht Brandgefahr. Zudem müssen die Waffen des Hubschraubers des Typs OH-58 gesichert werden.

„Grünes Licht“

Als erstes Erta-Mitglied steigt Kommandant Major Thomas Bernert aus einem der beiden „Black Hawks“. Er trägt die Verantwortung für den gesamten Einsatz. Daher überprüft er gleich die Absturzstelle. Wenn keine Gefahr für die Retter besteht, gibt er „grünes Licht“. Die übrigen Soldaten verlassen nun die Hubschrauber und widmen sich sofort ihren Aufgaben.

„Jeder weiß genau, was er zu tun hat“, erklärt Erta-Presseoffizier Major Gerhard Oberreiter. Die achtköpfige Wachtruppe sichert die Umgebung und hält Schaulustige vom Unfallort fern. Zusätzlich stehen vier Militärpolizisten bereit, die Platzverbote aussprechen dürfen oder den verunglückten Piloten vernehmen. Fünf weitere Spezialisten sind für die Bergung und Versorgung der Verletzten, die Sicherung der Waffen des abgestürzten Hubschraubers sowie für das Löschen von Feuern zuständig. Zudem gehören zwei ABC-Spezialisten zur Mannschaft. Ein weiterer Soldat fotografiert und filmt. Das aufgenommene Material wird später den Medien zur Verfügung gestellt, dient aber auch zur Analyse des Einsatzes beziehungsweise zur Sicherung von Beweismaterial.

Unterstützt werden die militärischen Rettungskräfte von zivilen Hilfsorganisationen wie etwa der freiwilligen Feuerwehr oder dem Roten Kreuz. „Diese dürfen jedoch erst an den Einsatzort, wenn der Erta-Kommandant sein Okay gegeben hat. Denn gerade von den Waffen des Hubschraubers geht eine große Gefahr aus. Diese müssen erst von den Spezialisten des Bundesheeres gesichert werden“, erklärt der Presseoffizier. Vor allem in Fällen, in denen die zivilen Retter vor denen des Militärs vor Ort seien, müsse dies beachtet werden. Oberreiter kümmert sich als Pressesprecher der Truppe am Unglücksort um die Journalisten. Versorgt diese mit Informationen und entscheidet, welche Fotos oder Videos des Militärs zur Veröffentlichung freigegeben werden. Genauso wie alle anderen Erta-Mitglieder verrichtet er normalerweise seinen Dienst in einer anderen Abteilung. So ist Oberreiter im „Hauptberuf“ Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Militärkommando Oberösterreich. Nur in Notfällen beziehungsweise bei Übungen oder anderen Einsätzen kommt die Rettungstruppe zusammen. Derzeit sind die 22 Mann am Flugplatz Hohenems stationiert. Im Rahmen der Luftraumsicherungsoperation „Dädalus 14“, bei dem bewaffnete Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz sind, sollen sie im Falle eines Absturzes für Rettung aus der Luft sorgen.

Bundesheer-Notarzt

Beim „Einsatz“ in Hittisau verläuft die Zusammenarbeit mit den lokalen Einsatzkräften beinahe reibungslos. Es herrscht lediglich kurz Verwirrung bezüglich des richtigen Standortes des Löschfahrzeugs der freiwilligen Feuerwehr. Doch nach einem kurzen Gespräch zwischen dem Einsatzleiter der Florianijünger und dem Erta-Kommandanten sind alle Unklarheiten beseitigt. Die Retter beginnen mit ihrer Arbeit. Während die Florianijünger mit Schaum und Wasser den havarierten Hubschrauber sichern, versorgen Sanitäter des Roten Kreuzes die beiden Verletzten. Sie unterstützen dabei den Notarzt des Bundesheeres, der kurz zuvor mit einem Helikopter eingeflogen worden ist.

Nach knapp einer halben Stunde ist die Übung beendet. Die verunglückten Hubschrauber-Insassen werden in die Spitäler Feldkirch und Bregenz gebracht. Die Feuerwehrleute verstauen ihre Gerätschaften wieder in den Fahrzeugen. Bei der gemeinsamen Abschlussbesprechung zieht Kommandant Bernert Bilanz. Dann kehrt wieder Ruhe ein auf der schneebedeckten Wiese in Hittisau. Und nur das Rauschen des Baches ist zu hören.

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