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Buchhandlung Ananas

„Es ist wichtig, Kinder zu führen“

Seit über 20 Jahren gibt es die Kinder- und Jugendbuchhandlung Ananas von Eva Maria Volgger – ein Lebenswerk, das die ehemalige Lehrerin mit Herzblut und Leidenschaft betreibt.

Brigitte kompatscher

Die Ananas ist eine Frucht, die nicht gleich zugänglich ist. Vielmehr muss man zuerst die Schale öffnen, um zum saftigen Fruchtfleisch, zum Innersten, zu gelangen. Und es ist eine Frucht, aus der einiges hervorsprießen kann – symbolisiert durch die grünen Blätter. Es ist dieses Bild, das Eva Maria Volgger (60) beschreibt, wenn man sie nach den Gründen für den Namen ihrer Kinder- und Jugendbuchhandlung in Dornbirn fragt, den sie ganz bewusst gewählt hat, wie sie erzählt. Die Schale der Frucht steht für die Texte, die man sich erst erarbeiten muss, um dann zum Wesentlichen vorzudringen.

Nische notwendig

Eva Maria Volgger, die aus Tirol stammt, ist eigentlich Volks- und Hauptschullehrerin und hat auch als solche gearbeitet, zuerst in Tirol, später in Dornbirn. „Sehr gerne“, wie sie betont. Zehn Jahre war sie dann bei ihren Kindern, Zwillingsmädchen, zuhause und „nach so einer Zeit reift man und sieht die Welt anders“, sagt sie. Aus ihren Erfahrungen als Lehrerin wusste sie, dass Kinder mit offenen Augen und Ohren dabei sind, wenn man ihnen was erzählt, wenn man sie ernst nimmt. Dieses Wissen und ihre Affinität zu Texten, Büchern und jungen Menschen bildeten die Grundlage für die Gründung ihrer Kinder- und Jugendbuchhandlung Ananas. „Ich habe mir damals überlegt, dass eine Nische notwendig ist, weil es in Vorarlberg schon sehr viele Buchhandlungen gibt“, erläutert sie. Die Risikobereitschaft für die Selbstständigkeit hat die Tirolerin, die aus einer Unternehmerfamilie stammt, vielleicht ein bisschen mitbekommen. „Aber ich wollte etwas Neues und der Unternehmergeist liegt mir.“

Gemeinsam mit einer Partnerin, die dann ein Jahr später wieder ausgestiegen ist, hat Volgger 1993 den Laden zunächst in Lauterach an der Bundesstraße eröffnet. Und er sei eigentlich gleich ganz gut gelaufen, erinnert sie sich, zumal auch schon Kundschaften aus Dornbirn dabei waren. Weitergemacht hat sie damals vor allem deswegen, weil sie überzeugt war, dass es das braucht. „Dadurch, dass ich die Schulsituation kenne, weiß ich, wie wichtig es ist, Kinder zu führen“, erklärt sie, Kindern Mut zu machen, den eigenen Willen von Kindern zu stärken, ihr Selbstbewusstsein. Alles Aspekte, die in und mit Texten erarbeitet werden können.

Bedingungslose Qualität

Dieser pädagogische Ansatz ist ganz stark mit Volggers Arbeit als Buchhändlerin verknüpft, daher setzt sie auch seit Anbeginn auf bedingungslose Qualität und damit auch auf Kinder- und Jugendbücher, die man nicht überall bekommt.

1995/96 ist sie mit ihrem Geschäft dann an den Marktplatz umgesiedelt, dorthin, wo sie schon immer hinwollte, ins Zent­rum von Dornbirn. Volggers Sortiment in ihrem liebevoll eingerichteten Laden umfasst Bücher für Menschen von 0 bis etwa 19, 20 Jahren. Ein Angebot, das einzigartig in ganz Österreich sei, da andere Kinder- und Jugendbuchhandlungen auch Spielsachen und ähnliches verkaufen würden, erzählt sie. Und für diese Einzigartigkeit, die Vielfalt und Qualität des Angebots, wurde die Dornbirner Buchhändlerin 2009 in Leipzig auch als kreativste Kinderbuchhandlung Österreichs ausgezeichnet. „Darüber habe ich mich schon sehr gefreut.“

Volggers große Stärke liegt in ihrer Leidenschaft für ihr Tun einerseits und in ihrer Kompetenz andererseits. Eltern oder Großeltern etwa, die Bücher für ihre Kinder suchen, bekommen bei ihr qualifizierten Rat und Hilfe und eben Bücher, die sie nicht überall bekommen. Prinzipiell steht ihr Geschäftsmodell auf drei Beinen: Da ist einerseits die Laufkundschaft, auch viel Stammkundschaft, die einzelne Bücher kauft. Weiters stattet Volgger Schulbüchereien und öffentliche Bibliotheken aus und sie verkauft als approbierte Buchhändlerin Schulbücher. Wobei sich letzteres vor allem auf wenige Wochen vor Schulbeginn konzentriert und dann äußerst genau und zuverlässig erledigt werden muss. Hier arbeitet Volgger mit Studenten zusammen. In der Buchhandlung hat sie eine Teilzeitmitarbeiterin.

Zweimal im Jahr gibt die Buchhändlerin einen Katalog mit empfehlenswerten Neuerscheinungen heraus, den sie an Schulen und Büchereien verschickt. Unterteilt nach Alter und Themengebieten finden sich darin spannende, interessante und gute neue Bücher für Kinder und Jugendliche. Auf die Frage, wie viel ihrer Bücher sie selber liest, sagt Volgger: „Schon sehr viel, aber das ist das Um und Auf.“

300 Verlage

Bei der Auswahl ihres Sortiments, das sie aus rund 300 Verlagen bezieht, schaut sie auf inhaltliche und sprachliche Qualität, aber auch auf jene der Illustrationen. Ihr Ziel ist es, etwas anderes als andere anzubieten. „Denn dafür kommen die Kunden auch her.“ Altersmäßig beginnt Volggers Sortiment mit Pappbüchern für die ganz Kleinen, in denen die Welt vorgestellt wird. Es folgen Bilderbücher für Kinder, die einem Text folgen können, Handlungen nachvollziehen und hier passieren schon die ersten kleinen Abenteuer. Die Kinderbücher können die Kinder dann selber lesen. Thematisch spielt es sich von Abenteurgeschichten über Detektivgeschichten zu Tiergeschichten und anderem ab. Wobei einerseits Klischees bedient würden, aber auch psychologische Momente vorhanden seien, erläutert Volgger. Und bei den Jugendbüchern, wo es einige Richtungen gebe, sei besonders der Fantasy-Bereich stark, allerdings parallel zu psychologischen Jugendthemen. Und bei den fantastischen Büchern erlebe derzeit vor allem der dystopische Bereich eine starke Nachfrage, Geschichten von untergehenden Gesellschaften mit wenig Freiraum für das Individuum.

Dass Kinder und Jugendliche heutzutage weniger lesen, kann die ehemalige Lehrerin nicht bestätigen, wenngleich zu ihr natürlich eher jene kommen würden, die es sowieso tun. „Aber die Qualität hat sich geändert.“ Dass bemängelt wird, dass die Fähigkeit zu sinn­erfassendem Lesen abnimmt, kann sie sich damit erklären, dass Satz- und Textstrukturen nicht mehr gepflegt werden. Dass auch durch die neuen Medien etwa Sätze kürzer werden und Jugendliche sich schwerer tun würden, konzentriert zu bleiben. Und daher müsse man Kinder und Jugendliche wieder zu längeren, dichteren, intensiveren Texten hinführen, „weil das einige Zeit versäumt wurde“ – und da drängt sich wieder das Bild der namengebenden Ananas auf.

Volgger selbst liest neben den Büchern aus ihrem Geschäft auch viel pädagogische und psychologische Literatur, erzählt sie. „Um jeden Tag zu lernen und neue Dinge anbieten zu können.“ In einem Beruf, den sie mit viel Herzblut und Leidenschaft macht, mit dem Wissen um „die Wichtigkeit, dass Kindern gute Dinge angeboten werden“. Denn „wir haben Verantwortung“.

Buchhandlung ananas

Gegründet: 1993.

Inhaberin: Eva Maria Volgger, eine Teilzeit-
mitarbeiterin.

Adresse: Marktplatz 10, Dornbirn.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 9 bis 12 und 14 bis 18 Uhr. Samstag, 9 bis 12 Uhr.

Kontakt: Telefon 05572/ 27185 und E-Mail: ananas.buecher@aon.at

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