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Förderung für kleine und mittlere Betriebe

Vorarlberg ist in wirtschaftlichen Belangen kaum zu stoppen. Landesstatthalter Karl-Heinz Rüdisser zu Wirtschaftslage, Innovationsfreude und Förderungen.

Stichpunkt neues Wirtschaftsförderungsprogramm: Was sind die wichtigsten Punkte?

Karl-Heinz Rüdisser: Es sind drei Schwerpunkte gesetzt: Förderung der Investitionen, Unterstützung des Bereiches Forschung und Entwicklung sowie die Tourismus- und Regionalförderung.

Was bedeutet Förderung von Investitionen?

Rüdisser: Investitionen braucht es, um die Wettbewerbsfähigkeit Vorarlbergs als Standort zu sichern. Maßgeblicher Grund für die hohe wirtschaftliche Dynamik im Land ist es, dass der Anteil der Sachgüterproduktion deutlich höher ist als in den anderen Bundesländern. Eine der Stärken ist, dass die Industriebetriebe auf dem neuesten Stand der Technik sind. Das und der Strukturmix ist auch die Basis für den Erfolg auf dem Exportsektor. Fast verdreifacht hat sich seit dem EU-Eintritt die Exportleistung – von 2,8 Milliarden Euro auf 8,4 Milliarden Euro. Um die Wettbewerbsvorteile zu sichern, bedarf es ständiger Investitionen. Und dies stellt insbesondere die mittelständischen und Kleinstbetriebe vor große Herausforderungen.

Wie hoch ist die Förderung und welche Unternehmen werden unterstützt? Was ist neu?

Rüdisser: Nach den neuen Regelungen können Klein- und Mittelbetriebe mit bis zu 75.000 Euro pro Investition unterstützt werden. Also etwa auch die Automatisierung eines Tischlereiunternehmens. Oder aber die Internationalisierungsförderung: Mit deren Hilfe werden die Risiken für kleinere Unternehmen bei der Bearbeitung neuer Märkte verringert. Neu ist ebenso, dass Jungunternehmer höhere Zuschüsse erhalten, wenn sie den ersten Mitarbeiter, die erste Mitarbeiterin im Alter von 45 beziehungsweise 50 Jahren einstellen. Bislang galt dies nur für die Beschäftigung junger Menschen. Für beständigen Erfolg immer wichtiger ist die Kooperationsbereitschaft. Auch dies wird gefördert. Ein Beispiel sind da die verschiedenen Unternehmen der Verpackungswirtschaft, die sich hinsichtlich einer qualitativen Ausbildung des Berufsnachwuchses zusammengeschlossen haben.

Neu und unternehmensfördernd ist die GmbH light, die im Vorjahr auf die Beine gestellt worden ist und nun wieder verschwinden soll. Was sagen Sie dazu?

Rüdisser: Diese GmbH light ist aus meiner Sicht ein wichtiges Instrument in der Wirtschaft. Und es ist schlecht, einen solchen Impuls zu setzen und diesen ohne erkennbare Gründe nach nicht einmal einem Jahr wieder zurückzunehmen. Die Wirtschaft benötigt zum Gedeihen stabile Rahmenbedingungen, da ist diese Rücknahme-Diskussion kein gutes Signal. Denn die GmbH light kann eine positive Entwicklung im Sinne der Unternehmensgründer bringen. Ständig wechselnde rechtliche Rahmenbedingungen schaden dem Wirtschaftsstandort. Aber – die Entscheidung liegt in der Kompetenz des Bundes, die Landespolitik kann nur intervenieren. Mit welchem Erfolg – das bleibt offen.

Im zweiten Schwerpunkt des neuen Programms geht es um die Unterstützung von Forschung und Entwicklung. Was soll sich da tun?

Rüdisser: Stark ausgeprägt ist die Innovationsfreude der Vorarlberger. Stellt man die Patenteanzahl in Relation zu den unselbstständig Beschäftigten, dann liegt Vorarlberg nicht nur österreich-, sondern sogar europaweit im Spitzenfeld. Bedingt ist dies durch das Fehlen einer universitären Forschungsstätte. In der Folge werden in Vorarlberg 80 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in den Unternehmen selbst erbracht. Das ist einmalig in Österreich. Hilfreich ist da der Aufbau und die Förderung von Strukturen – wie beispielsweise v-research und Fachhochschule –, die sich als Partner und Forschungsdienstleister für die heimische Wirtschaft etabliert haben. Betriebliche Forschungs- und Entwicklungsprojekte wurden auch bisher durch Bund und Land mit bis zu 60 Prozent gefördert. Neu ist, dass nun auch kleinere Projekte auf dieser Ebene sowie der Technologietransfer unterstützt werden. Das heißt etwa: Hilfe für kleine Unternehmen, wenn diese die Zusammenarbeit mit Forschungsstätten anstreben, um bestimmte Probleme zu lösen. Mit der Förderung soll ein Teil des Risikos für diese Betriebe abgefedert werden.

Wie hoch sind die Bürokratiehürden, die kleine Betriebe zu nehmen haben, um an die Förderungen zu kommen?

Rüdisser: Dazu gibt es die Standortgesellschaft, deren Mitarbeiter die Antragstellung für Förderungen der Betriebe unterstützen. Es ist ein guter Draht zu den Fördergesellschaften des Bundes vorhanden. Dementsprechend können die Mitarbeiter bei Schwerpunktsetzung und Formulierungsfragen beratend tätig werden. Die Erfolgsquote ist deutlich höher, wenn die Akzente richtig gesetzt werden.

Der dritte Schwerpunkt ist der Tourismus. Was wird sich da tun?

Rüdisser: Die Tourismusbranche hat sich gut entwickelt in den zurückliegenden Jahren. Wichtig ist es, den hohen Standard zu halten. Gefördert werden Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität in Beherbergungs- und Gastrobetrieben. Gut ist, dass in diesen Bereichen eine hohe Investitionsbereitschaft herrscht. Dadurch ist es gelungen, die Zahl der Nächtigungen binnen zehn Jahren um fast eine Million zu steigern. Auch die Sommersaison-Angebote werden gut angenommen. Wichtig ist, den immer kurzfris­tiger eingehenden Buchungen zu entsprechen. Für das Ziel, bis 2020 die Tourismusregion Nummer eins in punkto Gastlichkeit, Regionalität und Nachhaltigkeit in Europa zu sein, ist noch einiges zu tun. Land, Wirtschaftskammer und Vorarlberg Tourismus müssen da an einem Strang ziehen und tun dies auch.

Interview:

Heidrun Joachim

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