Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Fantastische Schnee-Tour ab Bezau

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt interessante Wege und Stege im Ländle. Auch Geschichten kann sie dazu erzählen. Heute empfiehlt sie eine Wanderung ab Bezau im Hinteren Bregenzerwald.

Die Marktgemeinde Bezau im Hinteren Bregenzerwald ist eingebettet in einen bewundernswerten Bergkranz. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die idyllische Gemeinde durch die geografisch günstige Lage in der Talschaft zum Hauptort des Bregenzerwaldes entwickelt. Auch heute noch sind Notariat und Gericht in Bezau beheimatet. Und genau dort beginnt die Wanderung in Richtung ­Bez­egg.

Der Turm

Der Weg schlängelt sich zwischen dem Kloster Kolpinghaus und der imposanten St.-Jodok-Pfarrkirche durch, vorbei am Geburtshaus des Hofbildhauers Franz-Josef Muxel. Die Straße wird dann überquert und der Wanderer hält sich links am Dorfbach bis zur nächsten Straße. Bei Kriechere verhilft die Brücke auf die andere Bachseite. An der rechten Seite überrascht ein gemauertes Gebäude und die Infotafel weist auf den „Turm“ hin, ein ehemaliges Gerichtsgebäude mit Gefängnis, heute bewohnt und gut instand gehalten.

Ein Schmuckstück reiht sich an das andere in diesem knapp 2000-Seelen-Dorf und lässt Kulturherzen höher schlagen. Ein steiler Anstieg zu den vierzehn Kreuzwegstationen fordert ganz schön. Auf der Anhöhe lohnt sich ein Verschnaufen und ein Rundumblick. Hoch aufragend grüßt die Kanisfluh über Bezau. Nun schluckt der Winterwald die Zivilisation und lange Zeit geht es mit Schneeknirschen unter den Schuhen weiter. Eine schneebedeckte Landschaft mit einzelnen Gehöften, heute Vorsäßhütten für das Vieh im Spätfrühling vor der Alpbeweidung, ist an der ehemaligen Verkehrsverbindung nach Andelsbuch zu sehen. Bei der XI. Kreuzwegstation verläuft die Gemeindegrenze zwischen Bezau und Andelsbuch. Der Weg führt weiter in Richtung Andelsbuch/Wilbringer/Klausberg. Die XIV. Kreuzwegstation endet links bei der Gedenkkapelle an alle Vorsäße in der Umgebung und der Familie Mätzler.

Bezeggsul

Der Wanderer hält sich dem Wegweiser Stausee Bezegg/Bersbuch entsprechend geradeaus und erreicht in Bezegg ein weiteres historisches Denkmal: die Bezeggsul (Bezegg-Säule), eine neugotische Gedenksäule. Diese ist 1871 auf der Passhöhe von 780 Metern zwischen Andelsbuch und Bezau errichtet worden und erinnert an das Rathaus, das da seit dem Mittelalter und bis zum Jahr 1807 gestanden hat. Es war ein auf Pfählen erbauter Saal mit angebautem Schopf (Toilette), der nur über eine Leiter Zugang hatte. Die Gerichtspersonen und Abgeordneten wurden durch Entfernen der Leiter so lange eingesperrt, bis sie zu einer Einigung gekommen waren. Die Verpflegung bestand nur aus einem Eimer Wasser und die Verhandlungen mussten innerhalb eines Tages abgeschlossen sein. 1807 wurde das Landgericht Bezau von Krumbacher Frauen gestürmt, die damit gegen die Einberufung der Ehemänner und Söhne in die bayerische Armee protestierten.

Der Wanderer schreitet weiter aus und verliert Schritt für Schritt an Höhe, um den Stausee zu erreichen. Ein Bach begleitet die Wanderung und erfreut mit so manchem Eiszapfen auf grünem Moos – ein prächtiges Farbenspiel. Am Waldsaum öffnet sich das Tal und gibt den Blick frei auf Andelsbuch, dahinter Egg. Mit dem Stausee Bezegg/Unterbezegg ist der tiefste Punkt (610 Meter) der Wanderung und zugleich auch Entscheidungspunkt erreicht, denn Hertha Glück merkt an: „Bei kniehohem Schnee würde ich nur mit Gamaschen und guter Winterausrüstung den beschriebenen Rückweg antreten, denn der Weg ist größtenteils nicht präpariert, aber wunderschön. Ansonsten sollte man vernünftig sein, ab hier einfach nach Andelsbuch gehen und mit dem Bus zurück nach Bezau fahren.“

Gut ausgerüstet

Gut ausgerüstet geht es aber weiter, vorbei am architektonisch interessanten Kraftwerksanlage-Gebäude und wieder hinauf in den Wald. Bei Hod links ab nach Melisberg-Rundweg/Klausberg/Bezegg. Achtung, in der Kurve links weiter entlang der weiß-rot-weißen Beschilderung und nach links zum Vorsäß Berg.

Wieder entlang einem schönen Häuschen, den Hang queren und eingestiegen in den Hohlweg durch den Wald. Entlang am Waldrand. Ab und an öffnet sich der Wald und gibt Blicke aufs Tal frei. Die offene Wiese gibt dem Wanderer schon ein Rätsel auf, wo geht es weiter, denn die weiß-rot-weißen Zeichen lassen sich suchen. Auf der Anhöhe verläuft ein längerer Weg geradeaus und führt zum Vorsäß Heugut und mit 840 Höhenmetern ist der höchste Punkt der Wanderung erreicht. Laut Wegweiser wird links ab in einer Dreiviertelstunde Bezau erreicht. Ein sicherer Forstweg führt abwärts und wieder grüßt von Weitem die Kanisfluh. Man hält sich geradeaus nach Bezegg/Bersbuch/Andelsbuch/Bezau, um auch an das Ziel zu gelangen.

Ist die Gedenkkapelle erreicht, endet der Pfad im schon bekannten Rückweg zum Ausgangspunkt. Auch rückwärts rollen sich die Nummern der Kreuzwegstationen ab und vielleicht auch die Gedanken, ein Meditationsweg, bevor den Wanderer wieder der Trubel umfängt.

Besonderes: mittelschwere Tour, viele Sehenswürdigkeiten

Gehzeit: In drei bis dreieinhalb Stunden 360 Höhenmeter im Auf- und im Abstieg.

Charakter der Wege: Straße, Forstwege, planierter Winterweg

Natur und Kultur: Marktgemeinde Bezau, Hochmoore Grebauer und Stonger Moos, Höhlenpark, Vorsäß Schönebach und Sonderdach, Bezeggsul, Turmhaus, St. Jodok Pfarrkirche, Heimatmuseum, Leonhardkapelle Ellenbogen, Sebastian-, Dreifaltigkeitskapelle

Anziehen: knöchelhohe Wanderschuhe (Profilsohle), Gamaschen, wetterfeste Kleidung, Wanderstöcke empfohlen

Einkehrmöglichkeiten: Bezau

Start und Ende: Notariat, Gericht, Postamt Bezau

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.