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Jägerlatein

Andere Länder, andere Unsitten

Andere Länder, andere Sitten“ heißt es und sicher ist das für Erlebnisreisende und für Fans von Dokumentationen gut so und bringt für jene gelegentlich etwas exotischen Zauber in den mitteleuropäischen Alltag. Aber so putzig der Umgang von Hindus mit Rindern, Kokablätter kauende Indio-Abkömmlinge in den Hochanden oder Gerichte wie „Schlange in Sojasauce“ in Südchina für Ethnologen oder Abenteuer-Urlauber auch sein mögen, so indiskutabel sind gewisse Anschauungen und Praktiken in anderen, ansonsten der Globalisierung durchaus aufgeschlossenen Ländern.

Besonders drastisch ist diese Spanne zwischen Moderne und Tradition in den Vereinigten Arabischen Emiraten, einem reichen Land mit den siebtgrößten Ölreserven der Welt und deren größter Stadt Dubai. Die Metropole besitzt mit dem fast einen Kilometer hohen „Burj Khalifa“ nicht nur das höchste Gebäude der Welt und mit über einer Million Autos (bei 1,8 Millionen Einwohnern) die höchste Kfz-pro-Kopf-Zahl Asiens, sondern auch ein recht eigenwilliges Rechtsverständnis.

So werden etwa die 4 Millionen „Arbeitsimmigranten“, wie das moderne Sklaventum in den Emiraten genannt wird, anders behandelt als dort geborene Menschen und auch Frauen, egal ob Einheimische oder Touristinnen, müssen mit gänzlich anderen Wertmaßstäben rechnen als hierzulande.

So zeigte etwa unlängst eine österreichische Urlauberin eine Vergewaltigung an. Aber anstatt auf juristischem Weg diese Behauptung zu beweisen oder zu widerlegen, wurde der Frau der Pass abgenommen und ihr mit Strafverfolgung wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr gedroht, was ihr dort ein Jahr Gefängnis bescheren könnte. Ach ja, eine Alternative steht ebenfalls im Raum: Berichten zufolge wurde der Österreicherin geraten, den mutmaßlichen Täter zu heiraten (!), um juristische Schritte zu vermeiden (!!).

Bei aller Toleranz für die Gebräuche in wärmeren Ländern kommt mir da das Kotzen. Nicht nur wegen des absurden Rechtsverständnisses in manchen Regionen, sondern auch über die Reaktion des „Westens“. Während der Iran (das einzige Land der Gegend mit Frauenwahlrecht) von der ökonomischen Landkarte wegsanktioniert wird, kriecht man Ölstaaten, in denen Frauen nicht mal Auto fah­ren dürfen, seit Jahren in den Allerwertesten, fährt Formel 1, hält dort bald die Fußball-WM (ein glatter Unsinn) ab und hofiert Scheichs, wo es nur geht – Hauptsache, unsere Autos laufen munter weiter und der Kunststoff- und Pharmaindustrie geht ihr wichtigster Rohstoff nicht aus. Jetzt will und kann ich das mit anderen Problemen etwa in Russland, China oder – dramatischer – Syrien nicht vergleichen. Tatsache ist aber, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Und das sollen die EU und die USA dem Opfer mal erklären.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln. raimund.jaeger@russmedia.com

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