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Der Wächter über die Finanzen

Egon Pehr (75) ist Hofschatzmeister der Bregenzer Faschingsgesellschaft, ehemaliger Bregenzer Stadtrat und selbsternannter „Vereinsmeier“.

Sonja Schlingensiepen

Ich bin von Natur aus ein Vereinsmeier“, sagt Egon Pehr und lacht. Der 75-Jährige war Gründungsobmann des Boxclubs Bregenz, Präsident des Vorarlberger Boxclubs, Obmann der städtischen Sportgemeinschaft und ebenso des Kameradschaftsbunds Bregenz Stadt.

Vor gut zehn Jahren – sein Sohn Alexander war gerade Präsident der Bregenzer Faschingsgesellschaft geworden – übernahm er auch einen neuen Posten und wurde Hofschatzmeister. In dieser Funktion trifft Pehr die finanziellen Entscheidungen – natürlich in Absprache mit dem Präsidenten und den Vorstandsmitgliedern.

„Wie jeder Kassier bin ich sehr bemüht, dass ein gewisser Sicherungsbetrag als Rücklage vorhanden ist.“ Nach einer kurzen Pause ergänzt er: „Naja, ich bin schon etwas sparsam, manchmal auch zum Leidwesen der anderen Vereinsmitglieder. Aber damit ist auch gesichert, dass der Verein eine Krise überstehen kann, sollte der Gildenball mal nicht nach Wunsch laufen.“

Nicht nur die Finanzpolitik des ehemaligen Bregenzer Stadtrats (1978–1990) erinnert ein bisschen an die von Alt-Landeshauptmann Herbert Sausgruber. Auch seine wohlgewählten Worte, der Witz zwischen den Zeilen oder der elegante Kleidungsstil: ein blütenweißes Hemd, Trachtenanzug mit Gilet und dazu passend eine grüne Trachtenkrawatte. „Mit Herbert Sausgruber bin ich verwandt. Wir haben eine gemeinsame Großmutter“, verrät Pehr dann später. Der Alt-Politiker, der noch mit Bürgermeister Karl Tizian (1950–1970) Sitzungen zur „Lage der Nation“ abgehalten hatte, könnte die eine oder andere Anekdote dazu erzählen. „Aber das gehört hier nicht her“, winkt er bescheiden ab.

Ein großer Faschingsnarr war Pehr eigentlich nie, den Gildenball hat er aber immer gerne und regelmäßig besucht. „Die Veranstaltung ist ja nicht nur in Bregenz bekannt. Ich würde sogar sagen, dass der Gildenball einer der interessantesten Bälle in Westösterreich ist. Die Beliebtheit dokumentiert sich in der Begehrlichkeit, Eintrittskarten zu erhalten“, meint der Hofschatzmeister.

Schon lange ausverkauft

Bereits seit Dezember sind alle Karten für den beliebten Ball, der heute Abend im Festspielhaus über die Bühne geht, restlos ausverkauft. Die ersten Kartenbestellungen für das darauffolgende Jahr gibt es immer bereits am Ballabend. Fast aussichtslos ist es, einen Tisch zu bekommen. Wenn jemand mal einen Tisch hat, wird er diesen nicht mehr abgeben. Denn wer will schon auf die Möglichkeit verzichten, Gäste oder Geschäftspartner an seinen Tisch zu bitten?

„Am heutigen Abend wird die BigBand Fink und Steinbach auftreten, zu fortgeschrittener Stunde ein Diskjockey“, weiß Pehr. Beliebt neben den Showeinlagen sind die Kür der Ehrensenatsräte und natürlich die Tombola. „Hier gibt es Dinge zu gewinnen, die man nicht kaufen kann“, erklärt der Hofschatzmeister. Eine Wanderung mit dem Landeshauptmann, eine Radtour oder Besichtigungen von Unternehmen und Einrichtungen mit verschiedenen Persönlichkeiten.

Der verbleibende Überschuss, den die Verantwortlichen des Bregenzer Faschingsvereins erwirtschaftet haben, wird für soziale Zwecke gespendet. Ginge es nach dem Hofschatzmeister könnte dies ruhig der eine oder andere Euro mehr sein. „Die Künstler treten nicht umsonst auf, die Miete im Festspielhaus ist nicht billig. Am Ende ist es so, dass mit den Eintrittskarten die Unkosten knapp abgedeckt sind.“

Beamter kein Banker

Ob Pehr früher Banker war? Der Pensionist lacht. „Nein, Beamter. Ich war Leiter der Abteilung II und zuständig für die Polizei, das Melde-, Wohnungs-, Standes- und Friedhofs­amt. Ich hatte 50 Mitarbeiter, war aber selbst mit fast jedem Bregenzer in Kontakt.“

Das Zusammenkommen mit Menschen schätzt er bis heute. „Ich unterhalte mich gerne in netter Gesellschaft.“ Das Fußball- und Tennisspielen hat der rüstige Senior ebenso wie den Schießsport aufgegeben. Dafür stehen ausgedehnte Spaziergängen mit dem Appenzeller Rüden Tasso auf dem Programm. „Die Wochenenden verbringe ich gerne im Montafon. Die Mutter meiner Gattin stammt aus St. Gallenkirch.“

Neben dem Amt als Hofschatzmeister hat Pehr noch einen zweiten, wichtigen „Vereinsmeier“-Posten. Er ist Aufsichtsrat der Kolpingsfamilie Bregenz. In den vergangenen Jahren hat der 75-Jährige dafür Sorge getragen, dass die finanzielle Lage der Sozialinstitution gesichert ist und das eine oder andere soziale Projekt gestartet werden kann. Ein Vereinsmeier ist nämlich nie im Ruhestand.

Faschingsgesellschaft

Die Kernaufgabe des 1968 gegründeten Vereins ist die Organisation des Gildenballs.

Dafür sind die Mitglieder um Präsident Alexander Pehr das ganze Jahr über ehrenamtlich tätig.

Die Bregenzer Faschingsgesellschaft ist Gründungsmitglied des Verbandes der Vorarlberger Fasnatsgilden und Zünfte. Der Verband hat mehr als 5000 eingetragene Mitglieder.

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