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Vorarlberger der Woche

„Man soll die Technik nicht spüren“

Auch scheinbar Unmögliches ist unter seiner Leitung auf der Seebühne Realität geworden: Der international gefragte Technikdirektor von Festspielen und Festspielhaus, Gerd Alfons (63), feiert sein 30-jähriges Dienstjubiläum.

Brigitte Kompatscher

Manchmal vergesse ich, dass es 30 Jahre sind. Dann habe ich das Gefühl, dass nur zwei oder drei Jahre vergangen sind. Aber wenn man dann was sagt und merkt, dass einen die Jungen nicht mehr verstehen, wird man doch daran erinnert, dass es länger ist.“ Gerd Alfons (63), Technischer Direktor der Bregenzer Festspiele mit heuer 30-jährigem Dienstjubiläum, kann wohl ohne Übertreibung als eine der Säulen des Festivals am See bezeichnet werden.

Vor 30 Jahren vom damaligen Intendanten Alfred Wopmann vom Wörther- an den Bodensee geholt, hat der gebürtige Niederösterreicher die Entwicklungen seiner Branche in den letzten Jahrzehnten nicht nur miterlebt, sondern in Bregenz auch geprägt. „Die Branche hat sich gewaltig verändert. Du machst heute Oper so, wie du Film machst, und in Wirklichkeit ist jede Minute Verzögerung eine Katastrophe. Und bevor du heute ein Werkstück in die Hand nimmst, ist 80 Prozent der Arbeit schon am Computer gemacht.“

Bühnenarbeiter in Bayreuth

Geboren wurde Gerd Alfons 1950 in Wiener Neustadt. Aufgewachsen ist der Sohn einer Norddeutschen und eines Niederösterreichers in Gloggnitz. Nach dem Besuch der HTL Mödling mit dem Schwerpunkt Hochbau war für den damaligen Maturanten klar, dass er studieren wollte und dass er nach dem Militär und vor dem Studium noch etwas „Wahnsinniges“ machen wollte. Eine Weltreise oder Ähnliches schwebte ihm vor, geworden ist es ein Job als Bühnenarbeiter bei den Bayreuther Festspielen, den er durch Zufall ergattert hatte. Anfang Juni 1970 hat der 19-Jährige dort begonnen und vier Wochen später seinem Freund Ernst Grandits einen Brief geschrieben, in dem er ihm vorschwärmte, wie toll Theater sei, und da müsse was geschehen und er werde daher Betriebswirtschaft studieren und dann Technischer Direktor an einem großen Opernhaus werden. Den Worten folgten die Taten: zunächst ein Betriebswirtschaftsstudium in Wien, während dessen er auch immer wieder in Bayreuth und an anderen Häusern arbeitete und 1975 zudem die deutsche Bühnenmeisterprüfung ablegte. Der 1979 auch noch die deutsche Beleuchtungsmeisterprüfung folgen sollte.

Schon damals, erinnert er sich, habe er intuitiv erkannt, dass etwa auch Olympische Spiele Veranstaltungen seien, zu einer Zeit, als nur kulturelle Ereignissse als solche galten und dass durchaus auch Verschiedenes an einem Platz stattfinden könne. „Allerdings haben alle eine unterschiedliche Benutzeroberfläche“ – eine Einschätzung, bei der ihm die Entwicklung Recht gegeben hat.

1978 hat Alfons sein Studium beendet und als Technischer Leiter am Stadttheater Klagenfurt begonnen. Fünf Jahre lang war er dort, rund 80 Premieren gab es in dieser Zeit.

Immer größer

Als er dann von Wopmann nach Bregenz geholt wurde, war er von Beginn an für Festspiele und Festspielhaus zuständig. „Ich habe das auch immer als einen Betrieb gesehen.“ 20.000 Besucher hatte das Haus damals im Winter, erinnert er sich, „das mussten wir hochfahren, auch um das Personal zu halten“. Zumal es Ende der 80er-Jahre auch wesentliche Bestrebungen gegeben hätte, das Haus im Winter ganz zu schließen.

Aber auch die Produktionen am See seien immer größer geworden und der Wunsch nach mehr Proberäumen tauchte auf. „Als wir gemerkt haben, dass wir wirklich bauen können, haben wir uns Stichpunkte aufgeschrieben, was man tun sollte.“ 1990 wurde dann der Architektenwettbewerb zur Erweiterung ausgeschrieben, ab 1996 gebaut. „Wichtig war, dass sich die Veranstaltungen im Haus und der Opernbetrieb der Festspiele ergänzen.“ Schon in jenen Jahren sei für ihn aber auch klar gewesen, dass das Catering immer wichtiger werde, erzählt der 63-Jährige und auch diesbezüglich hat die Zeit seine Einschätzung bestätigt.

Meilensteine

Die technischen Innovationen seien in den letzten Jahrzehnten eher ruckartig erfolgt, sagt Alfons und dann erzählt er von den Meilensteinen auf der Seebühne: vom „Vogelhändler“ 1984, bei dem unglaublich viele Karten verkauft worden seien im Vergleich zu den Jahren davor, von der „Zauberflöte“ 1985, bei der die Überlegung da war, dass Fernsehen abhärtet und man Bilder brauche oder vom „Holländer“ 1989, der technisch und intellektuell ein weiterer Sprung gewesen sei. Und dann noch „Nabucco“ 1993, wo etwa der Elektrozaun eines jener Produkte gewesen sei, bei dem man die Technik nicht merke. „Meine Maxime ist sowieso immer: Man soll die Technik nicht spüren.“

Prinzipiell habe man aber in jedem Stück etwas, das für die Produktion eine technische Herausforderung darstelle. „Bei jeder Seeproduktion ist etwas, von dem wir glauben, dass es nicht geht und dann bringen wir das trotzdem her.“ Beim Skelett vom „Maskenball“ etwa, habe man zunächst nicht gewusst, wie man das machen soll. Allerdings versuche man immer, den Sinn, den ein Künstler transportieren wolle, zu begreifen, „dann können wir auch bessere technische Lösungen anbieten“. In Erinnerung bleibt dem Technischen Direktor auch das Jahr 2008, wo auf einen dichten Kongressbetrieb im Festspielhaus die Filmaufnahmen zu „James Bond“ und das Fußball-EM-Public-Viewing auf der Seebühne folgten. „48 Stunden später haben wir geprobt.“

Und etwas hat Gerd Alfons über die Jahre besser gelernt, wie er erzählt, einmal einfach auch nur Zuschauer zu sein. „In anderen Häusern wollte ich früher immer wissen, wie etwas geht, weil ich Panik hatte, ein Defizit zu haben.“ Und auch die Fähigkeit, mit zunehmendem Alter die Dinge gelassener zu sehen, habe zugenommen. Auch Überlegungen woanders hinzugehen seien in den drei Jahrzehnten dagewesen, „zumal ich mein Leben auch privat immer so gestaltet habe, dass ich gehen kann, wenn ich etwas nicht mittragen kann“. Er ist geblieben und wird das auch in Zukunft tun, wenngleich er im Herbst nächsten Jahres in Penion geht. „Ich habe immer klar gesagt, dass ich mit 65 Jahren gehe. Das wurde bereits vor drei Jahren besprochen.“ Ein paar größere Reisen werde es dann wohl geben und viel Zeit für die vielfältigen Interessen des Vaters einer 26-jährigen Tochter. Bregenz aber bleibt sein Wohnort – „ich fühle mich als Vorarlberger“.

Noch aber hat der Technische Direktor zwei Festspielsaisonen zu bewältigen und „ich lasse momentan auch ein bisschen kommen, was kommt“. Seine Stelle wird demnächst ausgeschrieben, aber eines ist sicher: Die Fußstapfen, die ein Nachfolger nach der über 30-jährigen Ära Gerd Alfons vorfinden wird, sind groß.

zur person

Gerd Alfons, geboren am 9. September 1950 in Wiener Neustadt (NÖ), aufgewachsen in Gloggnitz. HTL Mödling, Betriebswirtschaftsstudium Wien.

Seit 1984 Technischer Direktor Festspielhaus und Festspiele.

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