Turbulenzen um mögliche Ansiedlung von Entsorger

Bürgermeister Richard Amann und Anrainer wehren sich gegen das Projekt in Hohenems. Betreiber hofft auf ein „positives Ende für alle Seiten“.

Der Wirtschaftsstandort Hohenems ist um eine delikate Angelegenheit reicher. Denn in der Nibelungenstadt hat sich jetzt unter anderem auch ein landesweit bekannter Unternehmer gegen die Ansiedlung eines Betriebes in einem gewidmeten Gewerbegebiet ausgesprochen. Konkret geht es um die geplante Ansiedlung eines Zwischenlager- und Umschlagplatzes für Sekundärrohstoffe und Abfälle im Hohenemser Betriebsgebiet Nord in der Nähe des Flugplatzes. Hinter dem Projekt steht der Abfall­entsorgungsexperte Lothar Spiegel von der Dornbirner B & E Beteiligungs- und Projektentwicklungs GmbH. Spiegel war zuvor unter anderem viele Jahre beim Lustenauer Entsorgungsunternehmen Häusle tätig und agierte dann als Gründungsgesellschafter bei Rhomberg Recycling in Dornbirn. Für besagtes Gewerbegebiet möchte die Stadt Hohenems nicht zuletzt wegen dieser geplanten Ansiedlung bekanntlich eine vorübergehende Bausperre erlassen.

Doch Projektbetreiber Lothar Spiegel und Grundstücks­eigentümer Werner Mathis vom gleichnamigen Hohenemser Baugeschäft sehen sich nicht nur mit einer Ablehnung dieser Betriebsansiedlung durch Bürgermeister Richard Amann konfrontiert, sondern auch mit Einsprüchen mehrerer Nachbarn, unter anderem vom Hohenemser Unternehmer Hans Karl Walser von der gleichnamigen Firmengruppe. Die Walser Group produziert Autositzbezüge und -zubehör sowie diverse Sicherheitsartikel wie unter anderem Skihelme. Die Produkte werden über eine globale Struktur an die Kunden gebracht. So hat Walser unter anderem Werke in Osteuropa und Asien.

Der Unternehmer bewohnt in unmittelbarer Nachbarschaft des Gewerbegebietes ein Privathaus und hat im Zuge des gewerberechtlichen Verfahrens Einspruch gegen die Ansiedlung des Recyclingbetriebes von Spiegel erhoben. Wie aus Dokumenten hervorgeht, geht es unter anderem um Bedenken bezüglich der zu erwartenden Lärm- und Staubbelastung.

Zur Bewilligung eingereicht

Lothar Spiegel, der seit rund 25 Jahren in der Abfallwirtschaft tätig ist, bestätigte auf Anfrage, dass er an dem genannten Standort die Ansiedlung eines Entsorgungsbetriebes plant. Erste Gespräche habe er im Juli und August 2013 mit der Stadt Hohenems geführt und das Projekt im November 2013 zur Bewilligung eingereicht. Der gewerbebehördliche Bescheid werde für kommende Woche erwartet. Auf dem Areal sollen eine Brückenwaage, ein Mannschafts-Container mit Waschgelegenheit und WC sowie ein Flugdach errichtet werden. Anfangs sollen dort vier Mitarbeiter tätig sein. Bei einer positiven Entwicklung könne mit sieben weiteren Arbeitsplätzen gerechnet werden. Die zuständigen Sachverständigen hätten alle grünes Licht gegeben.

Von der geplanten Bausperre sei er direkt betroffen, weil gemäß Informationen aus der Stadt Hohenems davon ausgegangen werden müsse, dass diese Bausperre mit seinem Projekt zusammenhänge. „Ich hoffe aber noch immer, dass die Angelegenheit ein positives Ende für alle Seiten findet. Auch die Hohenemser Wirtschaft würde unmittelbar von unserer Ansiedlung profitieren, da wir Sonderkonditionen deutlich unter den Preisen der etablierten Entsorgungsbetriebe anbieten“, sagte Spiegel.

Der betroffene Grundstücksbesitzer Werner Mathis erklärte auf Anfrage, dass die geplante Bausperre „eine bodenlose Sauerei“ sei. Er besitze ein rund 12.000 Quadratmeter großes Grundstück, in dessen hinterem Teil von der Straße aus gesehen die Ansiedlung von Lothar Spiegels Betrieb geplant sei. „Das wird eine saubere Sache und ein schönes Projekt und keine Müllhalde, wie manche unterstellen. Aber hier kommen halt zwei Sachen zusammen: Einerseits hat mit Hans Karl Walser ein einflussreicher Unternehmer Einspruch erhoben und andererseits hat man in Hohenems Angst vor einer Bordell-Ansiedlung.“ Es seien unzählige Vorgespräche mit der Stadt geführt worden und immer habe es geheißen, dass das Projekt bewilligungsfähig sei. „Und dann wird uns auf einmal mündlich Mitte Dezember 2013 eine geplante Bausperre mitgeteilt“, meinte Mathis. Er als Eigentümer habe 40 Jahre lang die Grundstücke aufgehoben und jetzt, wenn er eine Verwendung dafür habe, werde er für dieses Aufbewahren noch bestraft.

Bürgermeister Richard Amann bestätigte auf Anfrage, dass beabsichtigt sei, am kommenden Dienstag in der Stadtvertretungssitzung eine Bausperre für das gesamte Betriebsgebiet Nord zu erlassen. Dann solle bis Herbst 2014 ein Bebauungsplan für das Areal ausgearbeitet werden, damit Grundstückseigentümer und Projektbetreiber genaue Rahmenbedingungen vorfänden, innerhalb deren sie ihre Vorhaben umsetzen könnten. Amann sagte, dass das Projekt von Spiegel nur der letzte Auslöser für diese geplante Bausperre gewesen sei, denn neben Spiegel gebe es noch drei weitere Vorhaben von Abfallentsorgungs- und Recyclingunternehmen in diesem Gebiet.

„Wir haben einfach Angst, dass die Qualität des Betriebsgebietes unter zu vielen solchen Unternehmen leiden wird. Wir möchten nicht die gute Entwicklung, die wir dort jetzt mit Urban Rock, Salzmann oder Tischler Rohstoff in der jüngeren Vergangenheit gemacht haben, gefährden.“ Natürlich brauche es Entsorgungs- und Recyclingbetriebe, aber dafür gebe es besser geeignete Standorte wie dieses Gebiet. Die solle man eher am Rand des Siedlungsgebietes ansiedeln. Als Beispiel nannte er das Areal rund um den Kreisverkehr bei der Autobahnabfahrt Dornbirn Nord.

Optik des Gewerbegebiets

Mit der Bausperre wolle die Stadt Zeit gewinnen, um den Bebauungsplan mit Baulinien, Mindestgeschosshöhen, Baunutzungszahlen etc. festzulegen. Natürlich könne im Bebauungsplan keine konkrete Nutzung untersagt werden, also auch einem Recyclingbetrieb nicht verbieten, sich in dem gewidmeten Gebiet anzusiedeln. „Aber mit diesen baulichen Vorgaben ist es für manche Betriebe von vornherein nicht mehr so interessant, sich hier niederzulassen“, meinte Amann. Zudem könne man damit jedoch sehr wohl irgendwelche Zelthallen oder Containerdörfer verhindern. Schließlich gehe es ja auch um die Optik eines Gewerbegebietes.

Zudem wolle er festhalten, dass die geplante Bausperre nicht bedeute, dass in dem Gebiet in dieser Zeit nichts mehr gebaut werden könne, sagte Amann weiter. Denn, wenn sich ein Betrieb für eine Ansiedlung interessiere, der den Intentionen des geplanten Bebauungsplanes entspreche, dann könne dieses Unternehmen sehr wohl auch in dieser Zeit mit dem Bau bereits beginnen. „Aber die Bausperre ermöglicht es der Stadt, bestimmte Ansiedlungen vorüber­gehend zu verhindern, bis die gewünschten baulichen Vorgaben ausgearbeitet sind“, erklärte Amann.

Lothar Spiegel hat mit dem Thema Betriebsansiedlung und Bausperren schon einmal Erfahrung gemacht und zwar vor etwa zwei Jahren in Hard. Damals plante er die Ansiedlung eines ähnlichen Betriebes im Harder Betriebsgebiet an der Lustenauer Straße. Auch damals ging die Argumentation der Gemeinde in die Richtung, dass kein Recyclingbetrieb erwünscht sei, sondern die verbliebenen freien Flächen für hochwertige Arbeitsplätze genutzt werden sollten. Mittlerweile haben sich fast genau in diesem Gebiet wie berichtet ein auf den Großhandel und die Reparatur von Euro-Holzpaletten spezialisierter Betrieb sowie ein Hobelwerk angesiedelt, wo unter anderem auch Holzkisten und Paletten hergestellt werden. Inwiefern diese Arbeitsplätze jetzt höherwertiger sein sollen als bei einem Recycling-Betrieb, wird in Wirtschaftskreisen als fraglich betrachtet.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.