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Ein PLÄDOYER FÜRS ESSEN

Andrea Milstein

Wenn das, was drauf steht, nicht drinnen ist

Dass der Inhalt einer Flasche oder Packung nicht immer identisch mit dem ist, was auf dem Etikett steht, hat fast jeder schon erlebt. Kritisch wird die Sache allerdings, wenn das Täuschungsmanöver so groß angelegt ist, dass mehr gefälschte als echte Ware am Markt herumschwappt. Es wird geschätzt, dass 69 Prozent des weltweit verkauften italienischen Ölivenöls gepanscht ist. Ein großer Teil des als Italienisches Olivenöl verkauften Öls stammt aus Spanien, Marokko und Tunesien.

Gleich nach der Ernte werden die Oliven gewaschen, zerkleinert und gepresst.

Dann wird das Öl in Tankwagons gepumpt und nach Italien, das zufällig der größte Olivenöl Importeur der Welt ist, verschifft oder befördert. Gleichzeitig warten billige Pflanzenöle (größtenteils Sojaöl) in den Ankunftshäfen auf das vom Ausland angelieferte Ölivenöl.

Meistens wird das minderwertige Öl gleich vor Ort mit dem Olivenöl verschnitten. Durch die Zugabe von Beta Carotin erreicht man eine Neutralisierung des Geschmackes. Chlorophyll wird verwendet, um die richtige Färbung zu erlangen. Die Flaschen werden mit den allseits respektierten Extra Vergine und Made in Italy etikettiert. Seltsamerweise ist das legal, obwohl das Öl nicht aus Italien stammt. Dieses Öl wird dann auf der ganzen Welt vermarktet. In Italien werden spezielle Carabinieri-Truppen dazu ausgebildet, gepanschtes Olivenöl ausfindig zu machen und dabei geschult, es am Geruch zu erkennen, da Labortests oft gefälscht sind. Leider werden die schwarzen Schafe selten zur Verantwortung gezogen, da sie oft Beziehungen zu Politikern haben. Das alles hat zu einen langsamen Zerfall des Ölivenölpreises geführt. Korrupte Händler sind dabei, an ihrer eigenen Ware wirtschaftlichen Selbstmord zu begehen. Als Konsument entgeht man diesem Schlamassel, indem man entweder direkt zum Erzeuger geht oder sich einen respektierlichen Händler sucht, der seinen Produzenten kennt. Die ­Anonymität des Supermarktes ist hier unzureichend, da der Preis meist ein mangelhafter Indikator ist und über die tatsächliche Qualität des Flascheninhaltes wenig bis keine Auskunft gibt. Es hilft eben alles nichts, persönliche Kontakte mit Produzenten sind noch immer die beste Gewähr, dass der Inhalt mit dem Etikett identisch ist.

Andrea Milstein leitet seit Juni 2012 das Kochstudio essküche Götzis. Interessierte können sie telefonisch erreichen (Telefon: 0699/13213261) oder sie per E-Mail (info@esskueche.com) kontaktieren (mehr zur essküche unter www.esskueche.com).

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