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Attacke aus dem Nichts

Amtsgericht Tettnang verhandelt den Angriff auf fünf Besucher der „Motorradwelt“.

tettnang. Am Mittwoch hat vor dem Amtsgericht Tett­nang die Verhandlung gegen vier mutmaßliche Mitglieder von zwei Rockergangs begonnen. Einer von ihnen soll ein „Hell’s Angel“ sein, drei sollen den „Red Devils“ aus Lindau angehören. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen „gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung“ vor.

Hinter diesem juristischen Begriff steckt in diesem Fall eine Attacke, die sich am Abend des 26. Januar 2013 laut Anklageschrift so zugetragen haben soll: Nach dem Ende eines Messetages d fährt ein Auto mit vier Insassen vor. Einer bleibt im Wagen sitzen, die anderen drei stürzen sich überfallsartig auf fünf – offenbar völlig überraschte – Opfer und treten und schlagen auf sie ein. Die Angreifer tragen zwar keine Waffen, dennoch sind ihre Hiebe und Tritte so heftig, dass einer der Geprügelten zweimal kurzfristig das Bewusstsein verliert. Nach der Attacke stürmen die Schläger wieder zum Auto und brausen davon. Das Motiv? Darüber kann die Staatsanwaltschaft nur rätseln.

Ein „Super-Fest“

Von den Angeklagten kam nichts Erhellendes. Alle vier machten Gebrauch von ihrem Aussageverweigerungsrecht. Weder zur Person noch zur Sache machten sie Angaben.

Relativ detailliert beschrieb einer der Angegriffenen, was er erlebt hatte. Er war nicht nur als Besucher auf der Messe unterwegs, sondern stellte selbst Motorräder aus. Er habe viele gute Verkaufsgespräche geführt, habe sich an einem Bierstand amüsiert und auch ordentlich einen hinter die Binde gekippt. Als sie nach Messeschluss die Halle verließen, will er bemerkt haben, dass ein Mann zum Handy gegriffen und telefoniert habe. Draußen sei alles ganz schnell gegangen.

Keine Provokationen

Auch er wusste keine Antwort auf die Frage nach dem Grund für die Attacke. Es könnte ein Vorfall nachmittags gewesen sein, als der Vater seiner Freundin eine Toilette betreten hatte, obwohl die von einer Gruppe Kuttenträger versperrt gewesen sei. Weil ihm das verdächtig vorkam, habe er eine Polizeistreife vorbeigeschickt. Provokationen gegenüber Kuttenträgern habe es keine gegeben. Der Zeuge lieferte noch einen interessanten Hinweis. Als ihn die Ladung, wo auch die Namen der Angeklagten vermerkt sind, erreichte, habe er bei Facebook recherchiert. Dabei sei er auf eine Person gestoßen, die auf einem Foto eine Halskette trage. Dieses Schmuckstück sei ihm aufgefallen, weil es perfekt zu einem Armband passe, das er am Tatort gefunden und an sich genommen habe. Den Mann auf dem Facebook-Foto identifizierte der Zeuge als einen der Angeklagten.

Seine Freundin bestätigte den geschilderten Tatverlauf. Sie schilderte außerdem, wie die Angreifer flüchteten – mit einem silbernen Mercedes, dessen Kennzeichen sie nannte. Der Frau war bei ihrer Aussage anzumerken, wie nervös sie war. Sie knetete die Hände und blickte starr nach vorne. Nur mit Mühe schaffte sie es, sich umzublicken und den Angeklagten ins Gesicht zu sehen. Erst glaubte sie drei Angreifer zu erkennen, dann korrigierte sie sich wieder. „Ich habe Angst“, gab sie am Ende zu.

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