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Bogenschützen Club Bludenz

Das Ziel stets im Blick

Die richtige Haltung, Augen-Hand-Koordination sowie ­Instinkt sind gefragt, wenn es ums Bogenschießen geht. Früher eine Randsportart, erfährt diese Art des Schützensports nun einen Aufwärtstrend.

Rubina BErgauer

Durch die Luft zischen gleich mehrere Pfeile und treffen in 18 Metern Entfernung auf die aufgebauten Zielscheiben. Ein dumpfer Knall markiert den Aufprall der Pfeilspitze auf die Scheibe. Erneut spannen die Schützen ihre Bögen. Zielen. Es herrscht konzentrierte Stille. Bevor die Pfeile wiederum blitzschnell ihren Weg durch die Halle nehmen. Es ist Sonntagvormittag und die Mitglieder des Bogenschützenclubs Bludenz (BSC) sind beim Training.

In der Wildbahn unterwegs

Insgesamt gibt es elf Bogenschützenvereine in Vorarlberg. Gegründet im Jahr 1969 ist der BSC Bludenz jedoch der ältes­te Verein dieser Art im Ländle. Obmann Alexander Pastella erklärt, was das Besondere an dieser Sportart ist: „Der Kopf muss frei sein von unnötigen Gedanken, sonst trifft man nicht. Ein Bogenschütze ist mental ganz bei der Sache, Alltagsprobleme haben da keinen Platz. Das Training ist daher wie eine geistige Erholung.“

Der 39-Jährige hat auf einer Langbank in der Turnhalle der Caritas Bludenz Platz genommen. Im Winter wird hier trainiert. Im Sommer geht es hinaus ins Freie. Schon seit einiger Zeit sucht der Verein nach einem neuen und geeigneten Trainingsplatz, denn neben dem Training am Schießstand absolvieren die Schützen auch Parcours im Wald. Dabei sind die Vereinsmitglieder zwischen drei und sechs Stunden in der Wildbahn unterwegs und trainieren ihre Geschicklichkeit in unterschiedlichen Distanzen und bei verschiedenen Lichtverhältnissen. Geschossen wird unter anderem auch auf Tierattrappen. „Ich denke, das macht für viele die Faszination dieses Hobbys aus. Gerade Männer mögen das Jagderlebnis dabei. Das sind wahrscheinlich noch Urinstinkte, die sich da in uns regen“, sagt Pastella und schmunzelt. Unter den heutigen Trainingsteilnehmern sind aber auch eine Vertreterin des weiblichen Geschlechts sowie mehrere Kinder und Jugendliche anzutreffen, die ebenso eifrig bei der Sache sind. „Das Bogenschießen gehörte im Land lange zu den Randsportarten, doch mittlerweile erleben wir einen Aufwärtstrend. Auch immer mehr Frauen sind dabei. Die weiblichen Bogenschützen stechen meistens durch ihre Leistungen hervor, weil sie sich gegenüber den Männern beweisen möchten“, erzählt der Vereinsobmann.

Ob Kinoblockbuster wie die Neuverfilmung von Robin Hood oder „Die Tribute von Panem“ etwas mit dem Aufwärtstrend zu tun haben? Der zweifache Familienvater überlegt. „Ich denke, dass dies für manche der Auslöser war, sich für diese Sportart zu interessieren. Gerade bei der jüngeren Generation. Natürlich ist nicht alles realistisch, was im Film gezeigt wird. Doch mit etwas Training lässt sich vieles erreichen.“

Pastella selbst kam vor fünf Jahren jedenfalls durch seine Frau Sandrine zum Verein. „Sie hat sich immer schon für diesen Sport interessiert. Zum Geburtstag habe ich ihr dann einen Bogen geschenkt. Vom Training beim BSC war Sandrine so begeistert, dass sie mich überreden konnte mitzukommen.“ Der 39-Jährige grinst und richtet den Blick auf seine Frau, die gerade ihren letzten Pfeil abgeschossen hat. Die Schützen marschieren nun zu den Zielscheiben, um ihre Pfeile zurückzuholen und die Treffgenauigkeit zu überprüfen. Unter ihnen ist auch Georg Fitz, der noch ein paar Tipps von Übungsleiter Manfred Dietrich erhält. Das besondere dabei: Georg kam über die Kooperation des Vereins mit der Caritas zum Bogenschießen. „Beim BSC können auch Menschen mit Behinderung trainieren, das geht bis zu den Vorbereitungen für die Special Olympics“, erläutert Pastella.

Instinktives Zielen

Die Vereinsmitglieder kehren zurück hinter die Linienmarkierung. Manfred Dietrich gesellt sich zu Pastella auf die Bank. Eine weitere Übungs-runde beginnt: Bogen spannen. Das Ziel wird mit beiden Augen anvisiert. Dann wird geschossen. „Das ist instinktives Zielen. Wichtig dabei ist, zu wissen, welches das dominante Auge ist. Der Rest ist intuitive Augen-Hand-Koordination“, schildert Dietrich. Und der Vereinsobmann ergänzt: „Wer die richtige Haltung beherrscht, bei dem machen ungefähr achtzig Prozent der Trefferquote das Mentale aus, der Rest ist Technik. Dennoch kann jemand, dem die Sportart liegt, relativ schnell gute Ergebnisse erzielen.“

Sämtliche Bogensportarten wie beispielsweise Olympic Recurve, Langbogen oder auch Compound werden im Verein trainiert. Der BSC Bludenz hat auch schon Junioren-Welt- und Europameister im Bogenschießen hervorgebracht. Doch wer den Sport auf einer solchen Ebene betreiben möchte, sollte fünf Mal die Woche trainieren, jeweils mindestens für ein bis zwei Stunden. „Das lässt sich natürlich eher schwer mit dem Berufsleben oder einer schulischen Laufbahn vereinbaren“, räumt Pastella ein. „Ich finde es wichtig, dass der Verein für alle Bogenschützen offen ist. Der Spaß steht bei uns im Vordergrund, aber wenn jemand den Ehrgeiz entwickelt weiterzukommen und Bogenschießen wettkampfmäßig betreiben möchte, dann ist auch diese Möglichkeit gegeben“, sagt Dietrich.

Der 52-Jährige ist Landespräsident der Vorarlberger Bogenschützen und staatlich geprüfter Lehrwart. Gemeinsam mit zwei weiteren Übungsleitern gestaltet er das Training des BSC. Seit seinem 18. Lebensjahr sind Pfeil und Bogen die Leidenschaft des Bludeschers. „Dieser Sport hat mich einfach nicht mehr losgelassen. Meine Erfahrungen und mein Wissen wollte ich weitergeben.“ Und genau das tut Dietrich nun: an die Bogenschützen im Ländle.

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„Der Kopf muss frei sein von unnötigen Gedanken.“

Alexander Pastella

BSC Bludenz

Gegründet 1969, ältester ­Bogenschützenverein
Vorarlbergs, 120 Mitglieder, davon 55 aktiv

Obmann ist Alexander Pastella.

Der Verein sucht nach
einem neuen Trainingsplatz
im Oberland.

www.bsc-bludenz.at

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