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Vorarlberger der Woche

Ein Leben für die Volksmusik

Musik ist sein Leben – und die praktiziert der ehemalige Lehrer Otto Jäger (85) seit fast 70 Jahren mit Erfolg und Leidenschaft. Heuer wird der gebürtige Dornbirner vom Land für seine Verdienste geehrt.

brigitte kompatscher

Mir ist nie langweilig“, sagt Otto Jäger ganz zum Schluss, „weil ich einfach jede Minute, die ich Zeit habe, zu meinem Akkordeon und zu meiner Notenschrift gehe.“ Seit bald 70 Jahren ist die Musik die große Leidenschaft des gebürtigen Dornbirners, der am 14. März 86 Jahre alt wird. In die Wiege gelegt wurde ihm das allerdings nicht, denn in seiner Familie gab es weder Instrumente noch wurde gesungen. Aufgewachsen in seiner Geburtsstadt besuchte Jäger nach der Pflichtschule die damalige Lehrerbildungsanstalt (LBA) in Feldkirch. Und er war dort Student, als im Oktober 1944 die Montfortstadt bombardiert wurde und es 44 Tote in der Schule gab. Wenig später wurde auch der 16-Jährige eingezogen – bis Kriegsende. „Damals sind über Nacht die Amerikaner gekommen und es hat sich alles aufgelöst.“ Und er ist gegangen, zu Fuß von Donaueschingen über das Kleinwalsertal nach Hause.

Die Ausbildung in der LBA setzte er nach dem Krieg fort und dort wurde auch der Grundstein für die spätere musikalische Karriere gelegt. „Im Lehrerseminar habe ich Geige und Trompete gelernt“, erzählt er, „und im Musikraum dort hat es auch Klaviere gegeben.“ Ein wenig herumgeklimpert habe man daher und somit „die erste bescheidene Ahnung von Tasteninstrumenten bekommen“. Die erste Stelle bekam der frischgebackene Lehrer anschließend in Kennelbach und mit der Kapelle Edelweiß gleich auch seine erste „Band“. Seine erlernten Instrumente Geige und Trompete hat er in jener Zeit gespielt und auch die ersten Versuche mit dem Akkordeon gemacht – an dem er dann hängengeblieben ist.

Umzug nach Linz

In diesen Jahren hat er auch seine Frau Guggi kennengelernt, eine Linzerin, die bei ihrem Bruder in Vorarlberg zu Besuch war. 1958 wurde geheiratet. Der Hochzeit folgte ein Umzug nach Linz, wo Sohn Raimund, der später als Tschako ebenfalls als Musiker bekannt werden sollte, auf die Welt kam. Gearbeitet hat Jäger in jenen Jahren als Außendienstmit­arbeiter von Facona in ganz Österreich. Einige Jahre später, nachdem die Mutter und Schwiegermutter gestorben war, ging es wieder zurück nach Vorarlberg. Die Familie zog nach Bregenz, Tochter Maria kam auf die Welt, und Otto Jäger war wieder als Lehrer tätig – in der Hauptschule in Hard, wo er mit 60 Jahren dann auch in Pension ging.

Die Musik hatte in der Zeit in Oberösterreich Pause, aber dann ging es los. Mit seinem Bruder Erich am Kontrabass spielte Jäger im Duo Volksmusik, mit der Bert Zimmermann Combo Tanzmusik und auch in zahlreichen anderen Formationen war er unterwegs. Eine steile und erfolgreiche Karriere erlebte er dann mit dem Bruno Pinter Trio. In Deutschland, der Schweiz, aber auch in Norwegen und Portugal trat die Gruppe auf. „Teilweise jeden Tag und am Sonntag zweimal“, wirft seine Frau mit einem Grinsen ein. Engagements, die der Musiker neben seinem Job als Lehrer, erfüllte. Aber auch in der Schule hat er mit den Kindern Musik gemacht, Volksmusik, und teilweise seine eigenen Lieder. Eine Schallplatte ist damals mit den Schülern entstanden – so wie viele andere Platten und CDs mit seinen verschiedenen Gruppen. Schon zuvor hatte Jäger nämlich mit dem Komponieren von Volksliedern begonnen – Lieder, die heute weitum bekannt sind.

Neben der Musik war es auch der Sport, der Jäger in seinen jungen Jahren begeisterte. Er hat als Fußballer in Dornbirn und Kennelbach sowie in der Vorarlberger Jugendauswahl gespielt und ist, bis er 30 Jahre alt war, dem runden Leder nachgejagt. „Und im Winter war ich beim Skiclub Dornbirn bei den Skispringern“, erzählt er. Mit dem Sport, den er auch als Lehrer unterrichtet hat, hat er irgendwann aufgehört, mit dem Komponieren bis heute nicht. „Meine Frau sagt schon manchmal, dass man närrisch werden könnte, wenn ich hundertmal den gleichen Ton spiele“, sagt er, während seine Frau mit einem Grinsen danebensitzt und nicht so ausschaut, als ob es sie wirklich stören würde – ein eingespieltes Team.

Erster Auftritt 1945

Als die Kinder größer wurden, wurden auch diese in die musikalischen Aktivitäten des Vaters integriert, zunächst der Sohn, dann die Tochter. Als Otto Jäger Trio waren die drei im ganzen Land bekannt. Und dann erinnert sich Jäger, der in den vielen Jahrzehnten „überall“ gespielt hat, noch an seinen ersten Auftritt. 1945 war das, gemeinsam mit seinem Bruder in der „Sonne“ in Dornbirn. „Gespielt haben wir ohne Gage nur ums Essen“ – und das unter erschwerten Bedingungen. Bis 20 Uhr konnten die Besucher kommen, dann hieß es geschlossene Gesellschaft bis sechs Uhr morgens, da in dieser Zeit der französischen Besatzung in der Nacht niemand auf die Straße durfte. Und die beiden Brüder haben gespielt, bis sechs Uhr morgens. „Wir hatten allerdings nur ein Programm von maximal 30 Titeln und daher haben wir die ganze Nacht dasselbe gespielt.“

Fast 70 Jahre später spielt Jäger, der mit seiner Frau seit mittlerweile fast 30 Jahren in seinem Haus in Lauterach lebt und Opa der achtjährigen Laura ist, immer noch – im privaten Kreis. „Musik ist sein Leben“, meint dazu seine Frau, für die es noch eine Liebeserklärung von ihrem Mann gibt: „Wenn man so viel gemacht hat wie ich, konnte man das nur, wenn man eine verständnisvolle und liebe Frau hat – und die habe ich“, sagt der sympathische Musiker, der heuer auch vom Land Vorarlberg für seine Verdienste geehrt wird.

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