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Liebevolle Betreuung für zeitweise Heimatlose

Füttern, Spazierengehen, Fellpflege. Haustiere machen eine Menge Arbeit. Selbstverständlich darf auch der finanzielle Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Multipliziert man den Aufwand für einen einzigen Vierbeiner mit 105, ist zu erahnen, was die zehn Mitarbeiter im Vorarlberger Tierschutzheim in Dornbirn tagtäglich leisten. Denn 105 Tiere warten dort derzeit auf ein neues Zuhause.

Der Tag im Vorarlberger Tierschutzheim beginnt um 7 Uhr. Die Hunde werden aus den Zwingern gelassen. Sie begrüßen ihre Menschen sofort mit freundlichem Schwanzwedeln und fordern mit Nasestupsen zum Kraulen auf. Dafür ist allerdings nur begrenzt Zeit, denn zuerst ist Putzen angesagt. An jedem Vormittag werden sämtliche Zwinger und Behausungen gründlich gereinigt. Im Katzenzimmer übernimmt dabei ein großer schwarzer Kater namens Cody die Aufsicht. Da die Tiere auch das ein oder andere Haar verlieren, kommt am Ende des Kehrens ein beachtlicher Fellberg zusammen.

Putzen und desinfizieren

Weiter geht es mit der Reinigung der Katzenklos, die die Pfleger nicht nur spülen, sondern in einer speziellen Lösung desinfizieren. Derweil kommt in den Hundezwingern ein Hochdruckreiniger zum Einsatz. In der Küche stapeln sich unzählige Futternäpfe in allen erdenklichen Größen und Formen, die gefüllt und verteilt werden. Klingt einfach, ist jedoch um einiges komplizierter als gedacht. „Wir haben viele Hunde, bei denen wir auf eine spezielle Ernährung achten müssen“, erklärt Marco Milohnic, der neben der Tierpflege auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Impfungen und Kastrationen

Eine Etage höher ist der Veterinärmediziner gerade mit der Kastration einer weißen Ratte beschäftigt. Im Flur warten in Katzenkörben schon die nächs­ten Patienten. Im Vorarlberger Tierschutzheim gibt es zwei Behandlungszimmer, in denen Kastrationen, Impfungen und andere kleinere Eingriffe vor Ort durchgeführt werden können. Dreimal pro Woche kommt für jeweils zwei Stunden ein Tierarzt ins Haus. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass ein Tierheim keine Klinik, sondern ein Zuhause auf Zeit ist. „Verletzte Tiere deshalb bitte nie direkt zu uns, sondern immer zuerst in eine Tierarztpraxis bringen“, mahnt Milohnic.

Auf demselben Stockwerk befinden sich die Quarantäneräume, in denen die Neuzugänge untergebracht sind. Erst wenn sichergestellt ist, dass diese völlig gesund sind, kommen sie zu ihren Artgenossen in die Vermittlung. Einen der Räume bewohnt derzeit eine Katzenmutter mit ihren vier Wochen alten Kätzchen. Zugegeben – hier riecht es etwas streng, aber trotzdem würde man am liebsten den ganzen Tag dem putzigen Fellknäuel beim Toben zusehen. Das geht selbstverständlich nicht, denn im Tierheim gibt es immer etwas zu tun.

Neue Öffnungszeiten

Vor einem Jahr hat das Vorarlberger Tierschutzheim neue Öffnungszeiten eingeführt. Seitdem ist es freitags und samstags für die Allgemeinheit geöffnet, an den übrigen Tagen müssen Interessenten einen Termin vereinbaren. Dies sorgte vor allem zu Beginn für Unverständnis und Kritik. Dabei hat die Änderung durchaus ihren Sinn, wie Judith Kupnik, seit 2013 Leiterin des Vorarlberger Tierschutzheims, erklärt: „Montags bis donnerstags kommen hauptsächlich Leute, die sich ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigen, ein Tier bei sich aufzunehmen. Wir stellen dann einen unserer Mitarbeiter für den Termin ab, sodass er sich für die Beratung, die uns sehr wichtig ist, wirklich genügend Zeit nehmen kann. Freitags und samstags braucht es vier bis fünf Mitarbeiter, um den Ansturm zu bewältigen. Würden wird das jeden Tag so machen, hätten wir wesentlich weniger Zeit für unsere Schützlinge.“

Sich um Tiere zu kümmern, das bedeutet nämlich nicht nur, sie zu füttern und ihre Behausungen zu reinigen, sondern auch, gezielt mit ihnen zu arbeiten. Dies betrifft vor allem Hunde, die für eine Vermittlung noch unzureichend erzogen oder sozialisiert sind. Das Vorarlberger Tierschutzheim unterliegt strengen Richtlinien wie etwa dem Bundestierschutzgesetz. Dieses besagt unter anderem, dass verwilderte Hauskatzen nicht in ein Tierheim gehören. „Für sie bedeutet so ein Aufenthalt vor allem Stress. Man sollte sie nicht ihrer Freiheit berauben, sondern stattdessen kastrieren lassen. Das Land hat eine Aktion ins Leben gerufen, durch die das kostenlos möglich ist“, sagt Milohnic.

Beim Anblick der vielen Samtpfoten, Hunde und Nager fragt man sich, warum sie wohl hier gelandet sind. „Die drei Hauptgründe für eine Abgabe sind Umzug, Allergie und Zeitmangel“, berichtet Milohnic. Nicht selten bekommen die Pfleger die abenteuerlichsten Geschichten zu hören, beispielsweise von fünf Chinchillas, die eines Tages plötzlich im heimischen Garten aufgetaucht sein sollen.

Die Vierbeiner sind bei ihrer Ankunft nicht selten auch in sehr schlechtem Zustand. Einige sind bis auf die Knochen abgemagert, bei anderen ist das Fell völlig verfilzt. Ein besonders schlimmer Fall sei ein Kaninchen gewesen, dessen Genitalien von Maden befallen waren. „Wir versuchen zwar, die Leute zu belehren, aber vor allem sind wir froh, dass das Tier jetzt da ist und es in Zukunft besser haben wird“, erzählt Kupnik.

Unterstützung notwendig

Die Mitarbeiter des Vorarlberger Tierschutzheims freuen sich über jede Form von ­Unterstützung. Ob Spenden, ehrenamtliche Helfer oder Futter, sehr gerne auch medizinisches. Wer mit den Hunden spazieren gehen möchte, sollte vorab einen Gassi-Gänger-Kurs absolvieren, den das Tierschutzheim zweimal im Jahr anbietet.

Isabel Seidel

Tierschutzheim

Das Tierschutzheim ist das einzige im Land und darf nicht mit dem privaten Tierschutzverein Dornbirn verwechselt werden. Die Mitarbeiter sind Ansprechpartner für Tierschutzvereine in ganz Vorarlberg. Freitags und samstags ist es für Besucher geöffnet. Montags bis donnerstags gilt Terminvereinbarung.

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