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Junger Mann mit Mut und Kampfgeist

Seit zwei Jahren ist Stefan Lung bei der Feuerwehrjugend Hohenems. Am Montag war sein theoretisches Wissen in der Praxis gefragt.

Zivilcourage und Durchsetzungsvermögen hat der 15-jährige Stefan Lung Anfang dieser Woche in Hohenems bewiesen. Eigentlich wollte der Jungfeuerwehrmann am Montag einen gemütlichen Nachmittag zu Hause verbringen. Doch aus diesem Vorhaben wurde nichts. Denn kurz vor 15 Uhr erspähte der Jugendliche bei einem Blick aus dem Fenster Rauchschwaden in der Nachbarschaft. Sofort informierte er seine Mutter. Doch diese beschwichtigte. Meinte, dass da lediglich jemand grillen würde. „Der Rauch wirkte aber überhaupt nicht wie der eines kleinen Grillfeuers“, erzählt Stefan. Also schnappte er sich seine Jacke, schwang sich auf sein Rad und fuhr zur Quelle der Rauchschwaden. „Und dort sah ich auch schon einen Mann, der mit einer kleinen Gießkanne Wasser in einen großen Papiercontainer geschüttet hat“, schildert der junge Mann ruhig seine ersten Beobachtungen am Einsatzort.

Aufgrund seiner Ausbildung bei der Hohenemser Feuerwehrjugend ist ihm sofort klar, dass die Löschversuche auf diese Weise nicht gelingen werden. Der Jugendliche hält es für besser, die Einsatzkräfte zu alarmieren. Doch davon will der erwachsene „Löschmeister“ nichts wissen. „Wegen eines so kleinen Brandes brauchen wir doch keine Feuerwehr“, lehnt er Stefans Vorschlag ab. Doch dieser lässt sich nicht von seinem Vorhaben abbringen.

Notruf gewählt

Bei einem Nachbarhaus entdeckt der junge Mann schließlich einen Gartenschlauch. Er schnappt sich diesen und übergibt ihn dem Erwachsenen. Dann wählt er den Notruf und informiert die Mitarbeiter in der RFL über die Lage. Nach dem Telefongespräch übernimmt der Nachwuchs-Florianijünger schließlich das Kommando am Einsatzort. Er schnappt sich selbst den Gartenschlauch und setzt die Löscharbeiten fort.

Wenig später trifft bereits der Streifenwagen der Hohenemser Stadtpolizei am Ort des Geschehens ein. Dieter Heinzle verschafft sich einen Überblick über die Lage und stellt mit Erstaunen fest, wer da die Löscharbeiten koordiniert. „Zuerst habe ich nur den Gartenschlauch gesehen, der in Richtung des Containers geführt hat. Und dann war im dichten Rauch eine Gestalt zu erkennen“, erzählt der Polizist und schmunzelt. Es ist Stefan, der gerade erfolgreich dabei ist, die Flammen einzudämmen. Heinzle sieht, dass der junge Mann die Lage unter Kontrolle hat und nimmt Funkkontakt mit der Leitstelle der Hohenemser Feuerwehr auf: „Und dort waren alle ganz perplex, nachdem ich ihnen geschildert hatte, dass ein Jugendfeuerwehrler die Flammen schon gelöscht hat.“

Warum das Feuer in dem Papiercontainer ausgebrochen ist, kann der Polizist nicht sagen. Die Befragung der Anrainer habe keine Hinweise gebracht. „Derartige Fälle häufen sich normalerweise um die Silvesterzeit. Und es ist schwierig, die Täter zu überführen, wenn sie nicht gerade von einem Zeugen beobachtet worden sind.“ Vom Einsatz des 15-Jährigen ist er jedoch begeistert. „Stefan hat nicht nur Zivilcourage bewiesen. Er hat sich auch gegen einen Erwachsenen durchgesetzt und absolut richtig gehandelt.“

Theorie und Praxis

In einer E-Mail hat er daher den Hohenemser Feuerwehrkommandanten Robert Franz auf die Leistung des jungen Mannes aufmerksam gemacht. Nötig wäre dies jedoch nicht gewesen. Denn natürlich hatte der Chef schon vom Einsatz seines Nachwuchs-Florianijüngers gehört. Und er ist sichtlich stolz auf ihn. „Er hat sein theoretisches Wissen wunderbar in der Praxis angewandt. Hat erst die Lage erkundet und dann in aller Ruhe entschieden, was zu tun ist“, meint Franz.

An seinem 16. Geburtstag wird für Stefan ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen. Dann wird er von der Jugend in den Aktivstand wechseln. „Ich wollte schon als Kind immer zur Feuerwehr und habe daher zahlreiche Bücher zu diesem Thema zu Hause“, erzählt der 15-Jährige.

Allerdings ist er vor knapp zwei Jahren eher durch Zufall zum Floriani-Nachwuchs gestoßen. Als Sternsinger war er damals unterwegs. Dabei wurde auch der Zentrale der Blaulichtorganisation in der Kernstockstraße ein Besuch abgestattet. Und wie der Zufall es wollte, wurde gerade in diesem Moment Alarm ausgelöst. „Dabei ist wohl jemandem aufgefallen, wie interessiert ich die Feuerwehrleute bei ihren Vorbereitungen beobachtet habe“, meint Stefan. Denn er wurde gefragt, ob er nicht zur Feuerwehrjugend kommen wolle. Und er ließ sich nicht lange bitten.

Also warteten er und seine Sternsinger-Kameraden, bis die damalige Nachwuchsleiterin Christina Schelling vom Einsatz zurückkehrte. „Da hatte ich schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Denn eigentlich mussten wir ja weiter und wegen mir hat sich unser Abmarsch verzögert“, erzählt der Jugendliche und lacht. Beeindruckt sei er gewesen, als die Feuerwehrfrau schließlich in Einsatzbekleidung vor ihm gestanden habe. Dann wurden Telefonnummern ausgetauscht und Stefan war plötzlich selbst ein Florianijünger.

Hilfe für andere

An der Arbeit bei der Blaulichtorganisation gefällt ihm vor allem das Engagement für andere. „Ich fand es immer schon großartig, dass Leute Teile ihrer Freizeit opfern, um anderen Menschen zu helfen.“ Während seiner Zeit bei der Feuerwehrjugend hat er bereits viel gelernt. Und Anfang dieser Woche hat der junge Mann bewiesen, dass er das theoretische Wissen in die Praxis umsetzen kann.

Michael Steinlechner

„Ich wollte schon als Kind immer zur Feuerwehr.“

Stefan Lung, Feuerwehrjugend Hohenems
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