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Wenn am Ende der Butterwoche die Puppe brennt

Nicht nur in Vorarlberg, auch in Russland gibt es einen Funken – traditionell am Ende von Masleniza, der Butterwoche. Das und anderes aus der russischen Kultur kann man morgen in Dornbirn kennenlernen.

brigitte kompatscher

Masleniza, die Butterwoche (Butter heißt auf russisch Maslo), wird in manchen Teilen Russlands auch als Käsewoche, Sirniza, bezeichnet, erzählt Olga Kachan (38). Die Architektin aus Grodno in Weißrussland ist mit einem Vorarlberger verheiratet, zweifache Mutter und lebt seit acht Jahren im Land. 2012 hat sie mit anderen den russischsprachigen Kulturverein Moct („Brücke“) gegründet, der heuer erstmals Masleniza in Vorarl­berg feiert, auch „weil es hier nicht bekannt ist“. Und Kachan erzählt weiter, dass dieser Brauch die Überleitung in die anschließende orthodoxe Fastenzeit ist, wobei schon während Masleniza kein Fleisch mehr gegessen wird.

Eine ganze Woche

Der aus vorchristlichen Zeiten stammende Brauch wurde in der Sowjetunion nicht gefeiert – als Kind hat ihn Kachan damals nicht erlebt. Seit dem Zerfall der UdSSR wurde er aber vielerorts wiederbelebt, wenngleich er in seiner ganz traditionellen Form kaum begangen wird, sagt Kachan. Sieht diese doch eine einwöchige Feier von Montag bis Sonntag vor, in der die einzelnen Tage durch allerlei Rituale gekennzeichnet sind. So wird am Montag, dem Tag der Begrüßung, die große Strohpuppe gebastelt, am Dienstag gespielt, am Mittwoch gegessen und gespielt, am Donnerstag ebenso, am Freitag bei der Schwiegermutter gegessen, am Samstag die Schwägerin besucht und am Sonntag dann die Puppe verbrannt. Wobei das Essen stark von den traditionellen russischen Pfannkuchen, den Bliny geprägt ist. Die gibt es in jeder Form, erzählt Kachan, süß, mit Butter, Fisch oder Kaviar. „Der ist nicht so teuer und es ist genug da.“

Die Strohpuppe, die verbrannt wird, hat manchmal eine Pfanne in der Hand oder Bliny. „Sie ist keine Hexe“ und hat traditionell kein Gesicht. „Wenn sie ein Gesicht hat, hat sie eine Seele und dann darf man sie nicht mehr verbrennen“, sagt Kachan dazu. Und vor dem Verbrennen gibt es teilweise auch noch eine Prozession. Wie beim alemannischen Funken wird mit dem Verbrennen der Puppe, die ebenso Masleniza genannt wird, der Winter ausgetrieben. Eine Frauenfigur ist es deswegen, „weil auch der Winter eine Frau ist“. Ähnliche Bräuche hat Kachan auch in anderen Ländern entdeckt, in Deutschland, Frankreich oder Tschechien, wobei die Figuren teilweise verbrannt, aber auch in den Bach geworfen werden.

Chor und Trachtenmode

Um Einblicke in Masleniza, aber auch andere Bereiche russischer Kultur zu geben, hat der Verein Moct morgen im Pfarrheim Hatlerdorf in Dornbirn ein umfangreiches Programm auf die Bühne gestellt. Beginnend mit einem Willkommenssekt kann nicht nur traditionelles russisches Essen verkostet werden, darunter natürlich auch Bliny, sondern es singt unter anderem ein russischer Chor, russische Handwerkerinnen stellen ihre Produkte vor und es gibt eine russische Trachtenmodenschau mit Erläuterungen (siehe auch Factbox). Die Masleniza-Puppe werden Kinder im Laufe des Tages basteln. Sicher ist sich Kachan allerdings nicht, ob sie sie dann auch wirklich zum Verbrennen hergeben. Für den Fall, dass die Kinder ihre nicht rausrücken, hat man aber vorgesorgt: Es gibt eine kleine Reservepuppe, damit zum Abschluss des Festes auch wirklich eine Puppe verbrannt werden kann.

Insgesamt sei Masleniza durchaus mit dem Fasching vergleichbar, meint die Architektin, die auch erzählt, dass in Russland das Ganze draußen passiere, mit aufgrund der Kälte dick vermummten Menschen. „Es ist ein Straßenfest“, das auf jedem größeren Platz mittlerweile oft kombiniert mit einem Jahrmarkt über die Bühne gehe.

In Vorarlberg leben rund 2000 Menschen aus der Russischen Föderation, weiß Kachan. Dazu kommen Weißrussen, Ukrainer und andere Russischsprachige. Mit dem Verein Moct sollen einerseits die russische Sprache und Kultur für die eigenen Kinder gepflegt werden, die alle zweisprachig aufwachsen, und andererseits diese Tradition auch interessierten Vorarlbergern nähergebracht werden. Elternbildung bildet bei der Vereinsarbeit einen Schwerpunkt, aber auch Buch- und Literaturausstellungen, die Teilnahme an Märkten und Feste finden sich unter den bisherigen Veranstaltungen. Beteiligt war der Verein zudem an der Organisation der derzeit in der MAP Kellergalerie in Schruns laufenden Ausstellung weißrussischer Künstlerinnen und Künstler und demnächst sollen russische Geigerinnen für ein Konzert nach Vorarlberg gebracht werden.

Ähnlichkeiten

Mit dem Feiern von Masleniza wolle man auch die Ähnlichkeiten aufzeigen, die es in der russischen und in der hiesigen Tradition gibt, sagt Kachan abschließend. Denn, so die Erfahrungen der Weißrussin, wirklich groß seien die Unterschiede zwischen Russen und Vorarlbergern nicht, auch in vielen anderen Bereichen.

Masleniza in Dornbirn

Sonntag, 2. März, 11 bis 16 Uhr, Pfarrhaus Hatlerdorf, Unterer Kirchweg 2, Dornbirn.

Programm ab 11 Uhr:

Einlass Willkommenssekt. Russische Bücher auf deutsch und russisch. Russischsprachige Handwerkerinnen stellen ihre Werke aus. Verkauf von Blini Borsch und Süßem. Kinderschminken.

12 und 12.30 Uhr: Chor Russinka, dazwischen „Was heißt Masleniza – eine Präsentation“. 13 Uhr: Kinder basteln die Puppe Masleniza.

14 und 15 Uhr: Russische Trachtenmodeschau und ihre Bedeutung von Alla Denissova (Wien), dazwischen Volkslieder von Nikolay Galkin mit dem Bayan (russisches Knopfakkordeon).

15.30 Uhr: Verbrennen der Puppe Masleniza

16 Uhr: Ende

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