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Jägerlatein

Die Sache mit Wolf und Bär

Großes Geschrei allerorts, weil ein Wolf gesichtet wurde. Wohlgemerkt – EIN Wolf, was bei einem Herdentier ja eher untypisch ist. Mich wundert immer, wie viel Aufregung es jedes Mal um früher hier heimische Wildtiere gibt, sobald sie wieder in ihrer natürlichen Umgebung gesichtet werden. Abgesehen vom Rheintal, Bodenseegebiet und Walgau ist Vorarlberg ohnehin nahezu unbesiedelt und ideal geeignet als Tummelplatz für zahlreiche Tiere, die hier über Jahrzehntausende gelebt haben, ehe wir sie ausrotteten.

Jetzt stelle auch ich mir nicht vor, dass die Ebenen bei Lauterach von Wisent-Herden zertrampelt werden, ehe sie von ihren natürlichen Feinden – Wolf und Bär (und wenn es mit Klonen mal ein bisschen weiter ist, vielleicht auch Säbelzahntiger) – wieder auf eine normale Population zurechtgestutzt werden. Das wird nicht passieren und jeder weiß das.

Tatsache ist, dass wir einerseits Sendungen wie „Universum“ zu Rekord-Einschaltquoten verhelfen, andererseits aber sofort in Panik verfallen, wenn ein Tier das (vermeintlich) gefährlicher ist als ein Marder oder Dachs auftaucht. Das sind keine besonders guten Karten für den jungen Wolf, der ohnehin ein Problem haben dürfte, hier eine Familie zu gründen, denn außer ihm wurde ja noch kein anderes Exemplar gesichtet. Über die Gefahr, die von so einem Tier oder selbst einem Rudel ausgehen mag, kann jemand, der Jäger heißt, aber keiner ist, nur mutmaßen. Ich schätze sie gering, denn ers­tens ist der Wolf als extrem scheues Tier bekannt und zweitens lese ich zwar immer wieder von Hundeattacken, nie jedoch von Wölfen, die Menschen angefallen hätten (auch in Gebieten, wo sie häufig vorkommen wie etwa Rumänien, ist solches nie zu vernehmen). Und das, obschon der Hund doch der beste Freund des Menschen sein soll, was man Wölfen allgemein nicht nachsagt.

Dennoch gebe ich dem Wolf hier wenig Zukunft. Erinnern wir uns doch an die Bären, die vor nicht allzu langer Zeit die alpinen Wälder „unsicher“ machten und sich dabei auch ins Ländle verirrten. Einer hieß „Bruno“, einem anderen wurde der weniger prosaische Name „M13“ verpasst. Beide taten das, was ein Bär halt so tut – sie gingen auf Nahrungssuche und fanden – was abzusehen war – auch Nutztiere. Ein Aufschrei gegen Meister Petz ging durch die Bevölkerung und so endete es, wie es enden musste: Die Bären wurden schließlich – einer in Graubünden, einer in Bayern – abgeschossen. Man sprach damals von „Problem-Bär“ – manchmal auch ohne den Begriff in Anführungszeichen zu setzen. Ich finde, das Problem war und ist eher der Mensch. In dem Sinne wünsche ich Isegrim, der hoffentlich kein „Problem-Wolf“ ist, von Herzen alles Gute, aber wenn er klug ist, lässt er sich besser nie mehr blicken.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@russmedia.com

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