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interview

Klares Nein zu Massenprodukten

Elisabeth Köstinger (ÖVP) setzt sich in Brüssel unter anderem für die Erhaltung der kleinen bäuerlichen Strukturen ein.

Als Kärntnerin sind Sie im Ländle nicht ganz so bekannt. Könnten Sie sich kurz vorstellen?

Elisabeth Köstinger: Ich komme aus St. Pauli im Lavanttal und bin seit 2009 im Parlament. Dort bin ich die einzige österreichische Agrarvertreterin. Insofern wichtig, weil Öster­reich aufgrund der kleinen Strukturen einen besonderen Stellenwert hat. Die Europäische Union hat im Bereich Landwirtschaft sehr viel Kompetenz. Da ist es mir wichtig, die bäuerlichen Familienbetriebe zu vertreten.

Sie haben selbst einen Hof beziehungsweise kommen aus einem Familienbetrieb?

Köstinger: Meine Schwester hat den elterlichen Hof inzwischen übernommen. Wir haben viele alte Obstsorten. In Kooperation mit anderen Landwirten verkaufen wir Apfelwein. Das zweite Standbein sind die Pinzgauer Mutterkühe. Der Betrieb ist in den vergangen Jahrzehnten keinen Quadratmeter gewachsen, sondern wir sind nur in der Produktpalette breiter geworden. Das ist auch die Idee, das Modell Landwirtschaft, das ich vertrete.

Ihrem Partei- und Parlamentskollegen Richard Seeber wurde vorgeworfen, Bürogelder falsch verwendet zu haben. Wie haben Sie die Sache gesehen?

Köstinger: Generell ist zu sagen, dass Richard Seeber alles offengelegt hat. Ihm ist sehr daran gelegen, die Sache lückenlos aufzuklären. Zurzeit sieht es ja so aus, als ob es sich um Anschuldigungen handelt, die keinen wahren Hintergrund haben. Was seinen Rückzug aus dem Parlament betrifft: Es hat auch vor dieser Geschichte Gespräche darüber gegeben, dass sich Richard Seeber beruflich verändern will. Die Tätigkeit im Europaparlament ist auch mit viel persönlichem Verzicht verbunden. Man ist ständig am pendeln und hat eigentlich keinen fixen Wohnsitz mehr.

Die Salzburgerin Claudia Schmidt ist die gemeinsame ÖVP-Kandidatin der Westachse. Wildern Sie da nicht ein bisschen in deren Revier?

Köstinger: Wir stehen überhaupt nicht in Konkurrenz zueinander. Jeder hat seine Themenschwerpunkte und Interessen, die er vertritt. Ich habe zudem in den vergangenen Jahren erlebt, wie wichtig es ist, viele Stimmen hinter sich zu haben. Das ist der Grund, warum ich einen Vorzugsstimmenwahlkampf betreibe. Ich möchte mit viel großer Unterstützung die Interessen für den ländlichen Raum vertreten.

Die Begeisterung über die EU hält sich bei vielen in Grenzen. Warum ist es aus Ihrer Sicht wichtig, zur Wahl zu gehen?

Köstinger: Zum einen ist das Europaparlament die einzig direkt gewählte Institution. Zum anderen ist das Europaparlament seit dem Vertrag von Lissabon mit sehr viel mehr Einfluss ausgestattet. Wir haben unglaublich gute Beispiele wie etwa die Saatgutverordnung, die vom Parlament an die Kommission zurückgegeben wurde. Die Parlamentarier bringen sich auch beim Freihandelsabkommen mit den USA stark für die Interessen der Bürger ein. Das versuchen wir während der gesamten Legislaturperiode zu kommunizieren, ich denke aber auch, dass es noch viel Verbesserungspotenzial gibt.

Was muss sich denn ändern?

Köstinger: Es braucht ein gemeinsames Wollen. Im Moment ist es so, dass das Positive als eigene Errungenschaft verkauft wird. Alles Negative kommt aus Wien oder – im schlimmsten Fall – von der Europäischen Union. Die Menschen sollten auch sehen, dass wir als Österreicher unheimlich von der EU profitiert haben. Von den offenen Grenzen und dem Binnenmarkt. Wir sind eine Export-Nation und wir müssen Europa mehr Leben und Identität einhauchen.

Welche Themen vertreten Sie im Namen der Vorarlberger Bauern?

Köstinger: Wichtig für die Vorarlberger Bauern ist die Frage der Berggebiete und die Erhaltung der kleinen Strukturen. Wir erleben, dass der Wettbewerbsdruck immer höher wird – etwa wenn es um das Thema Milchproduktion geht. Der Erhalt der österreichischen Strukturen geht stark einher mit Qualität. Wir müssen den Schulterschluss mit den Konsumenten schaffen und entsprechende Rahmenbedingungen vorgeben. Das beginnt mit einer ehrlichen Lebensmittelkennzeichnung. Die Konsumenten müssen wissen, woher die Produkte kommen und müssen bereit sein, die regionale Landwirtschaft unterstützen. Es kann nicht sein, dass wir in Österreich den Bauern permanent Dinge vorschreiben, die die Produktion aufwendiger gestalten und Kosten in die Höhe treiben. Aber wenn es um Handelabkommen geht, fragt niemand, zu welchen Sozial-, Umwelt- oder Tierschutzstandards das Fleisch produziert worden ist. Da braucht es Klarheit und ein Veto, denn wir können mit industriellen Massenprodukten nicht konkurrieren.

Sonja Schlingensiepen

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