Aus dem Gerichtssaal

Missbrauch per Webcam: Drei Jahre teilbedingte Haft

Drei Jahre Gefängnis, davon eines unbedingt: 31-Jähriger verleitete Kinder zur Selbstbefriedigung und sah ihnen dabei im Internet zu.

Der Erwachsene hat zehn Mädchen unter 14 Jahren per Internet-Videoverbindung zur Selbstbefriedigung verleitet. Der Selbstständige aus dem Bezirk Feldkirch hat ihnen dabei zugesehen und die Videos mit den sexuellen Handlungen der Kinder aufgezeichnet. Dafür wurde der geständige und unbescholtene 31-Jährige zu einer teilbedingten Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt. Davon beträgt der unbedingte, zu verbüßende Teil ein Jahr. Der Schuldspruch erfolgte wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen, sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und pornografischer Darstellung von Minderjährigen. Das Urteil wurde jetzt rechtskräftig.

Die Rechtsmittelgerichte haben das Urteil des Landesgerichts Feldkirch vom 19. September 2013 bestätigt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) wies die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten am 11. Februar zurück. Nun hielt das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) die Feldkircher Strafe für angemessen. Das OLG gab den Berufungen des Angeklagten und der Staatsanwaltschaft keine Folge. Der Strafrahmen betrug ein bis zehn Jahre Gefängnis.

Täter und Opfer waren räumlich voneinander getrennt und über Webcams an den Computern miteinander verbunden. Es kam zu keinen persönlichen Treffen.

Wäre der Missbrauch unmittelbar im direkten Körperkontakt und nicht mittelbar via Videochat erfolgt, wäre eine Freiheitsstrafe von unter vier Jahren nicht in Frage gekommen, sagte Richter Peter Mück als Vorsitzender des Feldkircher Schöffensenats.

Verteidiger Edgar Veith kritisierte auch in seiner Nichtigkeitsbeschwerde den OGH. Denn das Höchstgericht versuche, einem unsinnigen und verfassungswidrigen Gesetz einen Sinn zu geben. Der Anwalt sagte im Feldkircher Prozess, auch Kinder hätten ein Grundrecht auf sexuelle Entfaltung. Die Mädchen hätten Spaß daran gehabt, sich selbst auch mit Gegenständen zu befriedigen. Sein Mandant habe keinerlei Druck auf die unmündigen Minderjährigen ausgeübt. Zudem habe er sich für die sexuellen Handlungen nicht mit den Kindern getroffen.

Der Oberste Gerichtshof verwies darauf, dass es auf die Freiwilligkeit des Handelns der Kinder nicht ankomme: „Bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres wird nämlich unwiderlegbar vermutet, dass die sexuelle Selbstbestimmungsfähigkeit noch nicht gegeben ist.“ Deshalb seien Kinder in ihrer sexuellen Entwicklung zu schützen.

Seff Dünser

Artikel 1 von 11
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.