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Drei Pilger und ein Weg

Zwei Polizisten und ein ehemaliger Abfahrtsweltmeister pilgerten 2010 von Oberösterreich nach Jerusalem. Insgesamt legte das Trio 4500 Kilometer zu Fuß zurück. Im Mai kommen die drei ins Ländle. Sie gehen den Vorarlberger Jerusalemweg und zeigen in Altach einen Film über die Pilgerroute.

Martina Kuster

Die beiden oberösterreichischen Polizisten Johannes Aschauer und Otto Klär haben im Jahre 2010 gemeinsam mit dem ehemaligen Abfahrtsweltmeister David Zwilling mehr als 4500 Kilometer unter die Füße genommen: Von Oberösterreich aus ging es nach Jerusalem. Sechs Monate dauerte die abenteuerliche Pilgerreise, die durch zehn Länder führte: Österreich, Ungarn Serbien, Kosovo, Mazedonien, Griechenland, Türkei, Syrien, Jordanien und Israel. Am Heiligen Abend trafen sie – wie geplant – in Bethlehem ein und am 26. Dezember in Jerusalem.

Die drei gläubigen Männer hatten sich für den Frieden auf den Weg gemacht. Ihre völker- und religionsverbindende Pilgerreise hatten sie unter das Motto „Friede, Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit“ gestellt. Sie wollten mit ihrem Marsch sozusagen Brücken bauen zwischen Juden, Muslimen und Christen. „Man tut es, weil man glaubt, es ist etwas Gutes“, bringt es David Zwilling auf den Punkt.

Pilgern baut Ängste ab

Das Pilgern, so hat er festgestellt, „schafft Offenheit für Begegnungen, baut Vorurteile und Ängste ab und stärkt das Vertrauen, das Urvertrauen“.

4500 Kilometer zu Fuß – das klingt utopisch, aber das Trio bewältigte diese Strecke von Österreich bis nach Israel/Palästina. Der Weg führte sie durch grüne Täler über unwirtliche Berge, durch fruchtbare Landstriche und öde Wüsten, an Meeresküsten und Flussläufen entlang. Pro Tag gingen sie – mit 17 Kilo Gepäck auf dem Rücken – rund 30 Kilometer. Nur sonntags ruhten sie sich aus.

Morgens marschierten sie ins Ungewisse. Sie wussten nicht, ob sie über asphaltierte Straßen oder über Feldwege gehen und wo sie übernachten würden. „Wir haben in Klös-
tern, in Privatquartieren, in Pensionen oder im Zelt übernachtet“, erzählt Zwilling. Und: „Zum Großteil war es sehr heiß. Manchmal hatte es bis zu 45 Grad. Da konnten wir nur nachts gehen.“

Schnaps vom Priester

Auf ihrem Weg nach Jerusalem trafen sie auf Menschen, die neugierig nach ihrem Weg fragten und oftmals ungläubig nickten, wenn die Pilger ihr weit entferntes Wanderziel nannten. Überhaupt waren die Menschen sehr freundlich zu den drei Österreichern. „Egal, wo wir hinkamen – die Gastfreundschaft war enorm. Den ganzen Weg durften wir die Unterstützung der Menschen genießen.“ Eine alte Bäuerin in Mazedonien etwa habe ihnen erlaubt, sich an deren Brunnen zu erfrischen. „In einem Bergdorf wurden wir zum Ramadan-Fastenessen eingeladen. Und von orthodoxen Priestern bekamen wir ein Schnäpschen gereicht.“

Aber auf ihrem Weg lauerten natürlich auch Gefahren. „Immer wieder hatten wir es etwa mit streunenden Hunden zu tun. Mussten uns gegen diese zur Wehr setzen. Manchmal warfen auch Kinder mit Steinen auf uns“, erinnert sich Zwilling.

Blasen an den Füßen und Darminfekte plagten die Wanderer auf ihrem langen Weg nach Jerusalem. Es ging auch nicht ohne Reibereien ab. „Manchmal gab es zwischen uns Spannungen und Meinungsverschiedenheiten. Aber abends haben wir alles bereinigt. Wir sind immer versöhnt schlafen gegangen.“

Enkelin entführt

Zwilling dachte nie ans Aufgeben. „Mich trieb die Dankbarkeit an“ – die Dankbarkeit darüber, dass die Entführung seiner drei Monate alten Enkelin Nora kurz vor dem Start der Pilgerreise gut ausgegangen war. „Die Entführerin legte meine Enkelin in Rosenheim in einer Wiese vor einem Einkaufszentrum ab. Das Baby war unversehrt.“

In der Grabeskirche in Jerusalem, dem Endziel der drei Pilger, überkam Zwilling ein Glücksgefühl. „In diesem Moment wusste ich, dass diese Pilgerreise die Bestätigung für den Weg war, den ich eingeschlagen habe: für eine bessere und gerechtere Welt zu kämpfen. Nach Zwillings Auffassung leistet „jeder Jerusalempilger bewusst oder unbewusst einen aktiven Beitrag zum Frieden zwischen den Völkern und speziell im Nahen Osten. Denn was Religionen und Völker trennt, können nur wir Menschen in Liebe wieder verbinden“.

Seit dem gemeinsamen Fußmarsch verfolgt das Trio den Plan, den Jerusalemweg als Pilgerroute beziehungsweise völkerverbindenden und religionsübergreifenden Friedensweg zu etablieren. Landauf, landab bringen die drei Jerusalempilger die Idee ihres neuen, alle Grenzen und Religionen überschreitendes Projekts von Spanien bis ins Heilige Land mit Filmvorträgen den Menschen näher. Am 15. Mai ist in der Altacher Kirche ein solcher Filmvortrag zu sehen (20 Uhr).

Vorarlberger Jerusalemweg

Tage vorher werden der ehemalige Abfahrtsweltmeister und seine beiden Kollegen von Einsiedeln (Schweiz) nach St. Christoph am Arlberg laufen. „Wir wollen den Vorarlberger Jerusalemweg gehen. Jeder ist eingeladen, uns zu begleiten“, erklärt Zwilling. Start ist am 9. Mai in Einsiedeln.

Nähere Infos unter www.zwilling.at/jerusalemway/oesterreich/vorarlberg.htm

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