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Christine Dünser Manufaktur

Eine Kundenkartei aus Holz

Werden sie richtig gepflegt und nicht jeden Tag getragen, können die von Christine Dünser gefertigten Schuhe sehr lange Zeit halten. Vor allem Männer legen ihre Füße in die Hände der 29-Jährigen.

Dunja Gachowetz (Text) und Roland Paulitsch (Fotos)

Der traditionellen Arbeitsweise eines pensionierten italienischen Schuhmachers ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass Christine Dünser heute ihr eigenes Geschäft hat. Denn unter Anleitung dieses Experten hat die Dornbirnerin einst ihr erstes von ihr entworfenes Schuhpaar angefertigt. „Dadurch sollten wir eine praktische Denkweise für unsere Designs entwickeln. Mir hat gefallen, dass er mit sehr traditionellen Methoden gearbeitet hat. So waren beispielsweise die Nähte aus Wildschweinborsten“, erzählt die 29-Jährige. Das war während ihres Schuhdesign-Studiums in Florenz. Durch diese Praxiseinheit wurde ihr auch bewusst: Kreativität steckt nicht nur im Entwurf, sondern vor allem in der Umsetzung. „Wahrscheinlich ist bei der Umsetzung mehr Kreativität gefragt, denn dabei arbeite ich in die Entwürfe noch individuelle Bedürfnisse und Ansprüche des künftigen Trägers mit ein“, sagt Christine.

Nachdem sie ihr dreijähriges Studium erfolgreich abgeschlossen und diverse Praktika unter anderem im italienischen Schuh­unternehmen „Salvatore Ferragamo“ absolviert hatte, kehrte sie nach Vorarlberg zurück. Und sie entschied sich, die Meisterprüfung zum Schuhmacher zu absolvieren. „Im Rahmen dieser Prüfung habe ich auch jene zur Gesellin nachgeholt“, berichtet sie.

Mittlerweile ist sie seit drei Jahren ihre eigene Chefin und hat ihre Werkstätte in der Dornbirner Eisengasse eingerichtet. „Als ich diesen Raum zum ersten Mal gesehen habe, wusste ich sofort: Das ist genau der richtige Ort für mich“, sagt sie. Diesen hat sie mit viel Liebe zum Detail und ihren Bedürfnissen angepasst eingerichtet. Ein angenehmer Geruch aus Leder und Holz liegt in der Luft. Unter der hölzernen Decke hängen an die 100 Schuhleisten, die Kundenkartei von Christine. Denn diese Schuhleisten sind die Kopien der Füße ihrer Kunden. Und wer jetzt glaubt, dass hauptsächlich Frauen bei der 29-Jährigen ordern, der irrt. „Vor allem Männer kaufen bei mir Schuhe. Denn sie wollen etwas Beständiges und legen Wert auf Qualität“, weiß die Expertin. Getragen werden ihre Produkte hauptsächlich von Vorarlbergern. Aber auch Schweizer, Deutsche und Holländer verbergen ihre Füße in von Christine gefertigten Produkten.

Etwa 25 Arbeitsstunden benötigt die Schuhmachermeisterin, um einen maßgeschneiderten Schuh von Hand anzufertigen. „Der Zeitaufwand hängt aber auch vom jeweiligen Modell ab“, meint sie. Gleich bleiben jedoch immer die Arbeitsschritte. Da jedes Paar individuell auf den Fuß des zukünftigen Trägers zugeschnitten ist, muss Christine am Anfang einen Abdruck des Fußes machen und dessen Maße nehmen. Nach diesen Angaben entsteht eine Holzleiste  und  anschließend ein Probeschuh. Letzterer kann der Kunde anziehen und ein paar Schritte gehen. Sollte es dann noch irgendwo zwicken oder der Schuh nicht perfekt sitzen, kann Christine an der Leiste noch Korrekturen vornehmen. Schließlich wird an der Leiste die sogenannte Brandsohle angebracht. „An diese werden später Rahmen- und Oberleder angenäht“, sagt die Expertin. In weiteren Arbeitsschritten werden die Laufsohle aufgedoppelt. „Wird der Schuh dann richtig gepflegt und nicht jeden Tag getragen, dann kann dieser sehr lange halten“, ist die Schuhmacher-Meisterin überzeugt.

Maßkonfektions-Linie

Maßgefertigte Schuhe haben ihren Preis. Auch die der jungen Unternehmerin. „Um zusätzlich ein preiswertigeres Produkt anbieten zu können, habe ich eine Maßkonfektions-Linie entworfen, wo das Paar um 450 Euro erhältlich ist“, sagt Christine. Diese Linie vertreibt sie unter dem Namen Chris‘. „Man kann dann aus verschiedenen Modellen, Farbtönen und Sohlenvarianten auswählen. Anhand der Fußlänge, des Ballen- und Ristmaßes wird der passende Schuh gefertigt“, erklärt sie.

Die meisten Materialien, die sie zur Herstellung ihrer Produkte benötigt, kann sie ohne Probleme beschaffen. Schwieriger ist es da schon, das passende Werkzeug zu erhalten. „Das war gar nicht so einfach zu organisieren. Aber ich hatte Glück. Ich habe es von einem alten Schuhmacher erhalten. Dieser hatte es bereits von seinem Vater übernommen. Man kann sagen, dass es schon in dritter Generation im Einsatz ist“, sagt Christine.

Wie reagierte ihr Umfeld auf ihren Berufswunsch? „Es gibt zwei, drei wichtige Menschen in meinem Leben, die mich in meinem Vorhaben sehr bestärkt haben. Das hat mir wirklich die hilfreiche Kraft gegeben“, sagt die junge Frau.

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