Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Querelen um Ausschreibung für Schulbau

Architektenkammer kritisiert, dass es für Schulsanierung in Lech keinen Wettbewerb gibt. Gemeinde wehrt sich.

Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Tirol und Vorarlberg hat Zoff mit der Arlberger Tourismusgemeinde Lech. Grund für den Unmut ist die bevorstehende Generalsanierung der in die Jahre gekommenen Volks- und Mittelschule im Wintersportort. In einem der Wirtschaftspresseagentur.com vorliegenden Schreiben der Interessenvertretung an alle Vorarlberger Architekten von Mitte April 2014 empfiehlt die Kammer ihren Mitgliedern, „sich die Teilnahme an diesem Verhandlungsverfahren – sowohl als Preisrichter als auch als Teilnehmer – genau zu überlegen“.

Weiter heißt es in diesem Schreiben, dass die Gemeinde Lech „eine Kooperation mit der Kammer nicht angestrebt“ habe. Ein Gespräch des Wettbewerbskonsulenten mit dem Bauamtsleiter Lech habe ergeben, dass die Unterlagen für die zweite Phase des Vergabeverfahrens noch nicht fertiggestellt seien. Es sei daher etwa nicht bekannt, welche Leistungen vergeben würden, wie das Verfahren (anonym oder nicht) weiterlaufen solle, was die rechtlichen Verfahrensgrundlagen seien, ob es einen Gestaltungswettbewerb für die pädagogische Neuausrichtung der Schule und ob es eine Aufwandsentschädigung geben werde. „Leider schreibt die Gemeinde Lech wieder keinen Architekturwettbewerb aus“, heißt es.

Der Bregenzer Architekt Josef Fink, Vorsitzender des Wettbewerbsausschusses der Architektenkammer in Vorarl­berg, erklärte auf Anfrage, dass das gewählte Verfahren zwar legal und zulässig sei, allerdings nach Ansicht der Kammer nicht die bestmögliche Verfahrensform darstelle. Denn es fehle die inhaltliche Schärfe für einen Teil des Verfahrens. „Der Verfahrensablauf in der zweiten Phase ist nicht definiert. Die sich bewerbenden Büros wissen nicht genau, wie das dann abläuft“, sagte Fink. Deshalb sei besagtes Schreiben an alle Mitglieder gegangen.

Kontra der Gemeinde

Bruno Schöch, Bauamtsleiter der Gemeinde Lech, weist die Kritik der Architektenkammer zurück. Es sei für die Schulsanierung ein zweistufiges Vergabeverfahren EU-weit mit klaren Vorgaben ausgeschrieben worden. Es sei zwar korrekt, dass kein reiner Architekturwettbewerb ausgeschrieben worden sei. Das sei allerdings im gegenständlichen Fall auch nicht zielführend, meinte Schöch. Denn bei der Sanierung der denkmalgeschützten Schule seien die Spielräume für die Architektur eher überschaubar. Die Gemeinde Lech wünsche deshalb ein Gesamtpaket für die Generalsanierung, also inklusive Architektur, Raumnutzungskonzept, Bauphysik, Statik, Elektroplanung und Kostenrechnung etc. „Deshalb haben wir entschieden, eine Generalplaner-Ausschreibung zu machen“, sagte Schöch. Denn diese Leistung umfasse die technische, energetische, funktionelle, gestalterische und akustische Sanierung des Gebäudes.

Jury entscheidet

In der jetzt laufenden ersten Phase würde bis zum Sommer 2014 aus den sechs eingegangenen Bewerbungen (fast alle aus Vorarlberg) eine Reihung von fünf Generalplanern erstellt. Dabei gehe es vorerst um Referenzen, Erfahrung mit Schulsanierungen und die Erfüllung anderer Vorgaben, aber noch nicht um das Projekt per se. In dieser ersten Phase werde also vor allem die generelle Eignung der Bewerber für das Projekt geprüft. Die formale und technische Vorprüfung der Unterlagen sowohl beim Teilnahmeantrag als auch beim eigentlichen Angebot erfolgt durch Dietmar Lenz vom Umweltverband Vorarlberg und durch Bruno Schöch. In der Fach- und Sachjury (Beurteilungskommission) sitzen die Architekten Carlo Baumschlager, Helmut Dietrich und Andreas Falch sowie Bürgermeister Ludwig Muxel und die Gemeindevertreter Stefan Muxel und Gebhard Jochum.

In der dann folgenden zweiten Phase könnten die fünf erstgereihten Bewerber ihre Detailvorstellungen zur Sanierung ausarbeiten und präsentieren. Dazu gebe es vorab einen Lokalaugenschein und sämtliche notwendigen Informationen über das Gebäude. „Das beste Gesamtprojekt – nicht nur in architektonischer Hinsicht – wird dann durch die Kommission ausgewählt. Wir haben also sehr wohl einen Wettbewerb unter den fünf Generalplanern“, betonte Schöch. Es könne also keine Rede davon sein, dass die Vergabe dieses Auftrages bereits ausgemachte Sache sei.

Verfahrensablauf fehlt

Korrekt sei allerdings, dass der Verfahrensablauf für die zweite Phase in der Ausschreibung noch nicht beschrieben wurde.

Es habe Überlegungen dazu gegeben und dann sei der Entschluss gefallen, dass dies erst im Zuge der Auswahl der fünf Kandidaten erfolgen solle. „Dort werden dann alle Details festgelegt und den Kandidaten mitgeteilt“, sagte Schöch. Es solle ein faires Verfahren angeboten werden.

Auf einen Zeitplan wollte sich Schöch noch nicht im Detail festlegen lassen. Nach der Reihung der fünf Generalplaner gehe es in die Detailgespräche. Er hoffe, dass dieser Prozess „im besten Fall“ bis Ende 2014 abgeschlossen sei. Dann könne unter Umständen im kommenden Jahr mit der Sanierung begonnen werden. Da aber die Vorbereitungen dieser Schulsanierung bis zum heutigen Tag schon rund zwei Jahre gedauert hätten, sei er mit Prognosen vorsichtig. Auch das zur Verfügung stehende Budget für die Sanierung sei noch nicht definiert, ungefähre Zahlen wollte Schöch ebenfalls nicht nennen: „Das ergibt sich dann alles in der zweiten Phase in Detailgesprächen. Dort werden auch die Kosten eine wesentliche Rolle spielen.“

Apropos Kosten: Für die teilnehmenden Generalplaner gebe es sehr wohl eine Aufwandsentschädigung. Deren Höhe sei allerdings noch nicht definiert, sagte Schöch.

„Unimog“-Garage

Mit dem Hinweis im Schreiben, dass die Gemeinde Lech „wieder keinen Architekturwettbewerb“ veranstalte, meine die Kammer wohl das Abriss- und Neubauprojekt „Unimog-Garage“ in Lech, das Teil der Ortszentrumsentwicklung mit der Dornbirner Prisma ist, vermutete Schöch. Bei diesem kleinen Gebäude mit einem Geschäft und sechs 40-Quadratmeter-Wohnungen habe es eine Direktvergabe gegeben. Ein Wettbewerb stehe hier in keinem Verhältnis zum Aufwand. Sehr wohl einen Wettbewerb gebe es dann rund um die groß angelegte Dorfzentrumsentwicklung, sagte Schöch.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.