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Startschuss für das Hochgebirgskraftwerk

Vor Kurzem begannen die Bauarbeiten für das Obervermuntwerk II. Noch vor dem Stollenanschlag gilt es logistische Meisterleis­tungen für die Großbaustelle zu vollbringen.

Rubina Bergauer

Beängstigend flott geht die Fahrt durch den Stollen. Zwischen dem Minibus und der Felswand sind höchstens zwei Handbreite Abstand. Über den Weg durch den Berg gelangen dieser Tage Arbeiter und Verantwortliche zur Baustelle des Pumpspeicherkraftwerks II der Vorarlberger Illwerke AG. Durch langfristige Verträge ist auch die Energie Baden Württemberg (EnBW) an der Umsetzung des Projekts beteiligt. Durch die Partnerschaft sichert sich der deutsche Energieversorger 50 Prozent der Speicher- und Regelenergie aus den Kraftwerken der Illwerke, beteiligt sich dafür aber auch in diesem Umfang an den Jahreskosten des heimischen Stromproduzenten.

400 Arbeitskräfte

Am Montag fiel bereits der offizielle Startschuss für den Baubeginn des Hochgebirgskraftwerks. Nun läuft die Baustelleneinrichtung im Zweischichtbetrieb auf Hochtouren. Auf der Bielerhöhe, auf knapp 2000 Metern, entsteht für die Dauer der Bauzeit ein kleines Dorf. Denn in Spitzenzeiten werden auf den unterschiedlichen Bauabschnitten an die 400 Arbeiter, Handwerker und Fachleute beschäftigt sein.

Auch die Infrastruktur zur Errichtung des Zugangsstollen zum unterirdisch gelegenen Kavernenhaus ist gerade im Entstehen. Die untere Straße zur Vermuntmauer wird in Zukunft auch die Zufahrt zum Eingangsportal sein. Der Stollenanschlag soll am 25. Juni diesen Jahres erfolgen. Um sämtliche maschinellen und elektrischen Komponenten für das Obervermuntwerk II transportieren zu können, sind die Dimensionen des Stollens großzügig gewählt: in der maximalen Breite 8,5 Meter bei einer Höhe von 8,80 Metern.

Für den bei den Arbeiten anfallenden Felsausbruch, an die 800.000 Kubikmeter, werden zusätzlich drei Deponien angelegt. „Da es sich dabei um hochwertiges Material handelt, wird ein Teil davon gleich vor Ort zu Beton verarbeitet“, erklärt Projektleiter Gerd Wegeler. Auf diese Weise ließen sich an die 30.000 Lkw-Fahrten durch das Montafon einsparen.

Gründe für die Investition in dieses Großprojekt gab es laut Peter Matt, dem Bereichsleiter für Engineering Services bei illwerke vkw, einige: „Wir haben mit dem Silvrettasee mit einem Nutzinhalt von rund 38 Millionen Kubikmetern einen sehr großen Speicher, der bisher nur von einem kleinen Kraftwerk genutzt wird. Zudem war es ohnehin an der Zeit, die bestehenden Druckrohrleitungen zu erneuern.“ Darüber hinaus sei es durch das Obervermuntwerk II in Zukunft möglich, schnell und flexibel Spitzen- und Regelen­ergie zur Verfügung zu stellen. Damit sollen die Schwankungen zwischen Stromerzeugung und Nachfrage ausgeglichen werden.

Noch vor Baubeginn galt es, bestimmte Rahmenbedingungen zu erfüllen. „Im Vordergrund standen vor allem drei Kriterien: Das Projekt sollte die nationalen und europäischen Klimaschutzziele unterstützen, den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie entsprechen und einer 360-Grad-Umweltverträglichkeitsprüfung standhalten“, erläutert Matt. All diese Vorgaben erfüllten die Pläne zum Bau des Wasserkraftwerks.

Sportlicher Zeitplan

Bis Ende 2018 soll das unter Tage liegende Obervermuntwerk II fertiggestellt sein und ans Netz gehen. Der Abbau der Druckrohrleitung und die Renaturierung sind bis 2020 geplant. „Das ist natürlich ein sportlicher Zeitplan. Deswegen werden wir ab dem Sommer im Dreischichtbetrieb arbeiten. Winterpause wird es keine geben“, betont Bauleiter Herbert Schnetzer. Dadurch sind zusätzliche Lawinenschutzmaßnahmen erforderlich. Gerade der Winterbetrieb der Baustelle wird einige Herausforderungen bereit halten, da sind sich alle Verantwortlichen sicher. Denn von November bis April ist die Silvretta Hochalpenstraße gesperrt, ein direkter Baustellenzugang also nicht möglich. Der Materialtransport soll ab diesem Zeitpunkt für die Dauer der Arbeiten über eine Seilbahn erfolgen. Diese wird im Sommer errichtet und kann eine Nutzlast von 20 Tonnen befördern.

Einschränkungen für den Tourismus seien durch die sorgfältige Planung jedenfalls kaum zu erwarten.

Obervermuntwerk II

Durch das Pumpspeicherkraftwerk wird die Gefällsstufe zwischen Silvrettasee und Vermuntsee genützt. Das Kraftwerk soll flexibel und schnell Spitzen- und Regelenergie liefern. Das Obervermuntwerk II wird mit einer Leistung von 360 Megawatt (MW) im Turbinen und Pumpbetrieb das zweitgrößte Kraftwerk der Vorarlberger Illwerke AG sein. Mehr Infos unter:

www.obervermuntwerk2.at

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