Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

NEUE-serie – Teil 68

Mit Elan geht es hinauf auf den Hittisberg

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt Wege und Stege im Ländle. Auch Geschichten kann sie dazu erzählen. Heute empfiehlt sie eine Gipfelwanderung zum Hittisberg im Vorderen Bregenzerwald.

Hittisau liegt eingebettet in die sanft hügelige Landschaft des Vorderen Bregenzerwaldes. Bereits im Jahre 1429 wird das Dorf erstmalig urkundlich erwähnt als „hittinsowe“. Auf einer Hochebene zwischen den Flüssen Subers­ach und Bolgenach, in 800 Metern Seehöhe, breitet sich das Dorf mit seinen Wiesen, Weiden und Weilern aus.

In dieser Bergidylle, beim Dorfbrunnen, beginnt die Wanderung. Über die Straße schreitet der Wanderer und kann sich gleich an der Tafel bei der Pfarrkirche Hl. Drei Könige einen Überblick verschaffen. Dann hält man sich in Richtung Hittisberg, dem Hausberg mit wunderbarer Aussicht, vorbei am Gemeindeamt, Tourismusbüro und Bäckerei in einem Gebäude und davor die Bushaltestelle.

Beim Gasthaus Ochsen rechts geht es flach auf der Straße mit Genuss an architektonisch beachtenswerten Häusern inmitten Löwenzahnteppichen entlang und dann links in Richtung Dorf/Hittisberg über Hittisbergalpen, die in eineinhalb Stunden erreicht werden.

Ein Wegkreuz mit Birken umrahmt unterbricht die Straßenwanderung und lässt nochmals zum Start zurückblicken. Nun steigt der Weg an, hinter einem interessant anzuschauenden Bauernhaus rechts am Bach entlang und schon wieder aufwärts durch Wiesen mit Blumenpracht: Bachnelkenwurz, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Sauerampfer, Tageslichtnelken, Ehrenpreis, Günsel und viele mehr sind zu sehen. Bei Bütscheln geht es unter dem Lift durch.

Markierung bis zum Gipfel

Die weiß-rot-weiße Markierung und der schöne Mischwald mit den schönen Buchen begleiten den Wanderer bis zum Gipfel und wieder zurück. Ein Forstweg schlängelt sich hinauf bis zur ersten Hittisbergalpe und lässt einen gut warm laufen, denn ab da geht es steil bergauf über Alpwiesen und der Hittisberg rückt näher. Es ist so steil, dass man gerne immer wieder stehen bleibt, Atem holt und rundum blickt und gegenüber am Hang des Hochhäderichs noch mehr Alpen entdeckt. Ja, Hittisau ist mit 125 Alpen die alpenreichste Gemeinde Österreichs. In dieser Höhe wachsen noch die Himmelschlüssel und schon der Frühlings-Enzian.

Immer wieder blitzen unter Moosflächen am Wegesrand Konglomeratgesteine der Nagelfluhkette hervor. Über die Alpwiese und schon ist Hittisberg Ost (1325 m) erreicht und wahrlich schon hier und dann spätestens beim Hittisberg West (1328 m) erfüllt sich die Ankündigung: Es ist ein Berg mit fantastischem Ausblick über das gesamte Gemeindegebiet, die Oberstdorfer Berge, den Hohen Ifen, die Winterstaude sogar bis zum Säntis. Auf dem Gratweg in leichtem Auf und Ab wird in kurzer Zeit Hittisberg West mit dem Gipfelkreuz erreicht. Wie bei einer Flugaufnahme liegen der Stausee Bolgenach und Hittisau mit den vielen umliegenden Dörfern zu Füßen. Die Anstrengung hat sich gelohnt.

Über Stock und Stein

Steil und schnell an Höhe verlierend geht es dann bergab über Stock und Stein vorbei an mystischen Baumwurzeln und plötzlich öffnet sich der Wald. Mit dem ersten sichtbaren Gebäude fühlt man sich wieder zurück bei den Menschen. In der Wiese wachsen schon die ersten Orchideen, erfreuen mit ihrer Farbenintensität. Kuhglocken künden die Gferenalppe (wirklich mit Doppel-pp) an und der Wanderer schreitet wieder zügig auf dem Forstweg dahin und schon zeigt sich der Hittisauer Dorfkern wieder näher. Auf der Straße hinunter geschlängelt mit dem Ausblick auf die typischen Bregenzerwälderhäuser, den gepflegten Gärten und all dies eingebettet in die wundervolle Bergwelt, wird gemütlich und sicher der Ausgangspunkt der Rundwanderung wieder erreicht.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Die heutige Tour ist eine anspruchsvolle Gipfelwanderung zum Hittisberg.
Anforderung und Gehzeit: In drei Stunden werden 536 Höhenmeter im Auf- und Abstieg geleistet. Trittsicherheit ist erforderlich. Bei Regen ist die Tour nicht empfehlenswert.
Charakter der Wege: Straße, Wiesen- und Forstwege, gut gesicherter Felsensteig.

Natur und Kultur: Sagentafeln unterwegs, Wasserwanderweg, Pfarrkirche Hl. Drei Könige, Fatimakapelle, Kommabrücke, Engenlochschlucht, Ritter-von-Bergmann-Geburtshaus, Frauenmuseum Hittisau, Alpensennereimuseum, Naturpark Nagelfluhkette
Anziehen und mitnehmen: Knöchelhohe Wanderschuhe (Profilsohle), wetterfeste Kleidung, heißes Getränk, Wanderstöcke werden empfohlen.

Einkehrmöglichkeiten: Hittisau.

Start und Ende: Dorfbrunnen Hittisau.

Blumenkunde

Frühlings-Enzian (Gentiana verna): Der Frühlings-Enzian wird auch Schusternagerl, Rauchfangkehrer, Himmelsbläueli, Herrgottsliechtli, Tintabluoma oder Himmelsstengel genannt. Es ist eine der kleinsten Enzianarten. Die Pflanze ist absolut geschützt und wächst vor allem auf Kalk-Magerwiesen, trockenen bis feuchten, steinigen oder tonigen Böden. Auch in Flachmooren im Alpenraum sowie in Mittel- und Südeuropa ist die Pflanze zu finden. Gerhard Vylet

Die verwüst’ Alp

Vom Sünserplanken aus sieht man nach der einen Seite hin ein ödes, zerklüftetes Alpengebiet, vielfach mit Schnee bedeckt und von tiefen Gletscherspalten durchzogen. In den Tiefen hausen der Sage nach scheußliche Drachen, die alles Wild, das da hinabfällt, auffressen. Einmal hatte ein Jäger das Unglück, in eine solche Spalte zu fallen. Da sah er, wie so ein Drache in der Nähe ein verfallenes Stück Wild anfraß, nahm sein Gewehr und schoss die Bestie nieder.

In dieser Gegend sei es aber nicht immer so unwirtlich gewesen. Einmal sollen dort drei schöne Alpen gewesen sein. Da sei einmal ein Mann gekommen und habe um Almosen gebeten. Zwei Sennen reichten dem Armen eine Gabe, der dritte aber, ein übermütiger Mensch, füllte dem Bettler sein Häfelein mit Kuhmist und tat nur zuoberst ein wenig Butter drauf. Der Frevler brauchte aber auf die Strafe nicht zu warten. Der Bettler ging in die anderen Hütten und sagte den beiden barmherzigen Sennen, sie sollten fliehen so schnell sie könnten mit dem Vieh und aller Habe, denn die Alpen seien dem Untergang geweiht.

Die zwei Sennen hörten auf den Rat des Bettlers, obwohl der dritte sie verspottete. Kaum waren sie aus der Alp, da erhob sich auch schon ein furchtbarer Schneesturm und begrub die Alpen mitsamt dem bösen Senn im Schnee. Seither wächst auf der „Verwüsten Alp“ nichts mehr und mit Grauen schaut der Wanderer auf die Stätte des Unheils.

Quellen: Hittisau Tourismus, www.wikipedia.org., Im Sagenwald, Neue Sagen aus Vorarlberg, Richard Beitl, 1953, Nr. 109, S. 79, Der farbige BLV Pflanzenführer, Schauer/Caspari, BLV Verlagsgesellschaft mbH, München.

Artikel 1 von 11
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.