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Vorarlberger der Woche

Keine Angst vor Innovationen

Herbert Spieler (74) ist noch nie davor zurückgeschreckt, Neues auszuprobieren. Ende Juni geht der gebürtige Bregenzer nach 35 Jahren als Pfarrer der Marktgemeinde Frastanz in Pension.

Michael Steinlechner und Bernd Hofmeister (Fotos)

Während seiner Kindheit und Jugend war das Pfarrheim St. Gallus in Bregenz für Herbert Spieler ein Stück Zuhause. Dort hat er sich mit Freunden getroffen, seine Freizeit verbracht und mit den Kaplänen Fußball gespielt. Später wurde er Ministrant, Sänger und hat sich in der Jungschar engagiert. Zudem ist er in einer religiösen Familie aufgewachsen. „Ich habe die Kirche immer als etwas Positives erlebt“, erinnert sich der 74-Jährige. Kein Wunder also, dass er dann in Innsbruck Theologie studiert hat. Nachdem er das Studium mit einem Doktorat abgeschlossen hatte, zog es den Unterländer wieder zurück in die Heimat.

In Hard wurde er zum Pfarrmoderator und spürte dort, wie angenehm es ist, nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teil eines Teams tätig zu sein. Seine Mitstreiter und er schreckten auch nicht davor zurück, neue Wege zu gehen. So wurde es Mädchen erlaubt zu ministrieren, obwohl dies eigentlich verboten war. Auch heute noch steht Spieler zu der damaligen Entscheidung. „Es kann einfach nicht sein, die Hälfte der Menschheit von bestimmten Ämtern auszuschließen. Dafür gibt es keine Begründung. Das ist ungerecht“, sagt er. Es freut ihn, dass Frauen in der Kirche immer mehr und wichtigere Aufgaben übernehmen. Irgendwann wird es weibliche Priester geben. Davon ist der Geistliche überzeugt.

Erster Zivildiener

Doch nicht nur in Sachen Emanzipation haben sich die Verantwortlichen der Harder Pfarre damals stark gemacht. „Bei uns gab es den ersten von der Bevölkerung gewählten Pfarrgemeinderat. Zuvor hatte es lediglich einen Laienrat gegeben, dessen Mitglieder von der Kirchenführung im jeweiligen Ort ausgewählt wurden.“ Auch der erste Zivildiener, der in einer Pfarre beschäftigt war, war in der Gemeinde am Bodensee zu finden. „Ich habe immer versucht, in meinem Verantwortungsbereich so weit zu gehen, wie es möglich und sinnvoll ist“, kommentiert der 74-Jährige seinen Mut zur Innovation.

Und diesen Mut, Neues auszuprobieren, hat er auch im Jahr 1979 unter Beweis gestellt. „Ich habe einen Anruf vom damaligen Frastner Bürgermeis­ter Harald Ludescher bekommen. Er hat mich gefragt, ob ich nicht in seiner Gemeinde Pfarrer werden will.“ Spieler nahm das Angebot an, übersiedelte ins Oberland und ist dort bis heute geblieben.

Teamwork in der Pfarre

Am 28. Juni wird er sich jedoch in die Pension verabschieden. An diesem Tag feiert er zudem sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Seine Zeit in Frastanz hat er als äußerst positiv erlebt. Wie schon in Hard hat er bei der Leitung der Pfarre auf Teamwork gesetzt. Während er sich vor allem um spirituelle Belange gekümmert hat, war sein Organisationsleiter Gerhard Vonach für die Verwaltung zuständig. Eine Arbeitsteilung, die sich aus Sicht des Geistlichen bewährt hat: „Denn auf diese Weise hat jeder sein Aufgabengebiet, um das er sich mit voller Kraft kümmern kann. Und gemeinsam ist es uns gelungen, einige schöne Dinge zu erreichen.“ So wurde es etwa in den vergangenen über 20 Jahren zahlreichen jungen Männern ermöglicht, ihren Zivildienst im Ausland zu leisten. Im Rahmen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit kümmern sie sich dabei beispielsweise um Straßenkinder.

Auf zwei in Frastanz verwirklichte Bauvorhaben ist Spieler besonders stolz. Beim „Jungen Wohnen“ soll Paaren und jungen Familien unter die Arme gegriffen werden. In Zusammenarbeit mit der Vogewosi sind 22 Wohnungen errichtet worden, die zu einem günstigen Preis vermietet werden. „Das Besondere daran ist, dass es ein Gemeinschaftshaus gibt. In diesem sollen sich die Bewohner treffen, miteinander sprechen und feiern.“ Um die Gemeinschaft geht es auch bei „Wohnen für Jung & Alt“. In einem Mehrparteienwohnhaus leben dabei ältere Menschen und Familien unter einem Dach. „Es geht vor allem um den Austausch und die generationenübergreifende Unterstützung“, berichtet der 74-Jährige, der bald selbst in das Haus einziehen wird.

Nicht dreinreden

Die Beine hochlegen will er in der Pension jedoch nicht. „Ich werde sicher nicht nichts tun“, sagt er und lacht. In der Frastner Pfarre wird er aber nicht mehr tätig sein. Denn sein Nachfolger soll ungestört arbeiten können. „Ich werde ihm ganz sicher nicht dreinreden.“ Stattdessen will Spieler in anderen Pfarren aushelfen, wenn dies notwendig ist. Und er will sich noch mehr in der Friedensarbeit engagieren. Denn diese war ihm während seiner vielen Jahre als Priester ein besonderes Anliegen. Der Ursprung dieses Engagements ist in der Kindheit des gebürtigen Bregenzers zu finden. Schließlich hat er als Bub die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs hautnah erlebt.

Ein Ereignis ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: der Einmarsch der Franzosen in der Landeshauptstadt. „Wir haben diese Tage in unserem Ferienhaus auf dem Pfänder verbracht. Haben aber deutlich die Einschläge von Granaten gehört“, erinnert er sich. Als die Familie einige Tage später wieder zum Haus ins Tal zurückkehrte, hatte dort eine Brandbombe eingeschlagen. „Das Gebäude war zum Glück weitgehend intakt. Lediglich das Bett, in dem ich normalerweise geschlafen habe, war von dem Geschoss getroffen worden. Da hat Gott sicher seine schützende Hand über mich gehalten. Und mir wurde erst richtig bewusst, wie schrecklich Krieg ist“, sagt der 74-Jährige.

‚‚ Gemeinsam ist es gelungen, schöne Dinge zu erreichen. ‚‚

Herbert Spieler über das Teamwork in der Pfarre.
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