Anwalt: Mandant wurde zu Unrecht verurteilt

Verteidiger meint, sein Mandant sei fälschlicherweise wegen gefährlicher Drohung gegen Sekretärin verurteilt worden.

Seff Dünser

Auch Unschuldige werden mitunter schuldig gesprochen, meint der Feldkircher Rechtsanwalt Martin Mennel. „Es gibt Leute, die fälschlich glauben, dass sie nicht schuldig gesprochen werden können, wenn sie nichts getan haben.“ So kommentierte der Verteidiger vor Richter Othmar Kraft im Verhandlungssaal 56 unmittelbar nach der Strafverhandlung am Landesgericht Feldkirch dessen Urteil. Zu Unrecht sei sein sämtliche Vorwürfe bestreitender Mandant verurteilt worden, meint der Verteidiger. Mennel meldete sofort volle Berufung an. Das Landesgericht sprach den unbescholtenen Angeklagten schuldig, er habe am 23. Dezember 2013 auf der Straße seine ehemalige Sekretärin mit der Äußerung bedroht: „Ich mach dich hin, du Schlampe.“ Wegen gefährlicher Drohung wurde über den 52-jährigen Oberländer eine teilbedingte Geldstrafe von 1200 Euro verhängt. Davon beträgt der unbedingte Teil 600 Euro. Als Schmerzengeld hat er der 49-Jährigen 100 Euro zu bezahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Freigesprochen wurde der Versicherungsagent im Zweifel von einer anderen angeklagten gefährlichen Drohung. Dabei hatte er seiner früheren Sekretärin in der Nacht auf den 21. Dezember 2013 diese SMS geschickt: „Du Schnalle, ich mach dich fertig.“

„Ich kann nicht ausschließen, dass ihr diese SMS tatsächlich aus Versehen geschickt wurde“, sagte Richter Kraft in seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte behauptet, er habe die Kurznachricht seiner Freundin schreiben wollen, habe aber irrtümlich für deren Telefonnummer den falschen Namen eingegeben. Im Handy des Angeklagten sind die Vornamen der beiden Frauen gleich untereinander gespeichert. Die Freundin gab als Zeugin an, sie habe zur fraglichen Zeit mit dem Angeklagten einen Streit gehabt. Sie und der Angeklagte würden einen rauen Umgangston pflegen, sagte der Richter, deshalb sei auch die Freundin nicht als Opfer der Drohung einzustufen.

Geschäft aufgelöst

2009 sei das gemeinsame Geschäft, das der Angeklagte und der Gatte seiner Ex-Sekretärin betrieben hätten, nach gerichtlich ausgetragenen Auseinandersetzungen aufgelöst worden, sagte Verteidiger Mennel. Der Ehemann des mutmaßlichen Opfers habe damals zu seinem Mandanten gesagt, er werde es ihm noch zeigen. Die versehentlich an seine Gattin geschickte SMS habe nun die günstige Gelegenheit ergeben, sich auch mit einer erfundenen zweiten Drohung zu rächen.

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