Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Dem See auf den Grund gegangen

Experten ziehen beim Projekt zur Vermessung des Bodensees eine positive Halbzeitbilanz. Neue Technik hat sich bewährt.

Ein wichtiges Etappenziel hat das Projekt Tiefenschärfe kürzlich erreicht. Bei diesem wird der Grund des Bodensees vermessen. Die Sammlung der Daten ist so gut wie abgeschlossen. Nun wird damit begonnen, diese auszuwerten. Bis Mitte 2015 soll ein lückenloses 3D-Modell des Seebodens fertiggestellt werden.

Martin Wessels, Geologe am Institut für Seenforschung in Langenargen (D), zieht eine positive Zwischenbilanz. So hätten sich bereits einige interessante neue Forschungsfragen ergeben, die in Zukunft untersucht werden könnten. Ebenso zufrieden ist Frank Steinbacher, Geschäftsführer der AirborneHydroMapping GmbH. Sein Unternehmen ist für die Erhebung der Daten aus der Luft und deren Auswertung zuständig. Dabei wird der Seeuntergrund im Uferbereich mithilfe eines Lasers gescannt. Gemeinsam mit den Werten, die mittels Fächerecholot vom Forschungsschiff Kormoran aus gesammelt worden sind, soll so der Grund des gesamten Sees kartiert werden.

Zuletzt sei das „Schwäbische Meer“ im Jahr 1990 vermessen worden, erzählt Wessels. Die Datendichte beim aktuellen Projekt sei jedoch um das hundert- bis tausendfache höher als damals. Dadurch ergebe sich ein detaillierteres Bild des Seebeckens. Die Experten erhoffen sich zahlreiche Erkenntnisse in den unterschiedlichsten Bereichen. So könnte das Wissen um die genaue Bodentopografie künftig in die Planung von Bauvorhaben am und im See einbezogen werden. „Es haben sich auch Fragen ergeben, etwa bezüglich der Interaktion von See- und Grundwasser. Dies könnte sich auf die Diskussion um das Thema Fracking auswirken“, sagt der Geologe. Aber auch Tauchern und anderen Interessierten soll das Kartenmaterial zugänglich gemacht werden.

Um Daten in den Uferbereichen zu sammeln, haben die Experten eine neue Technologie angewandt. Ein Flugzeug überfliegt dabei in etwa 500 Metern Höhe die Flachwasserzone. Diese wird mittels eines Lasers abgetastet. Aus den so ermittelten Werten wird anschließend eine Karte des Seegrundes gefertigt. Zugleich werden hochauflösende Luftaufnahmen erstellt. Eine Thermobildkamera misst zudem die Temperaturen im Gewässer und am Ufer. Selbst kleinste Unterschiede können dabei festgestellt werden.

Vier Tage für Messungen

„Diese Technik bringt gegenüber den althergebrachten Methoden einen enormen Vorteil“, erklärt Steinbacher, der das System im Zuge seiner Doktorarbeit entwickelt hat. So haben die Messungen lediglich vier Tage in Anspruch genommen. Dabei ist jeder Punkt mindes­tens zweimal überflogen worden. Wäre mit traditionellen Methoden vorgegangen worden, hätte diese Arbeit mehr Zeit in Anspruch genommen, erläutert der Geschäftsführer von AirborneHydroMapping. Dann hätten die Messungen nämlich händisch durchgeführt werden müssen. „Das ist mit einem enormen Aufwand und natürlich dementsprechend hohen Kosten verbunden. Außerdem sind solche Arbeiten in Bereichen mit starker Strömung nicht ungefährlich.“

612.000 Euro kostet das Projekt Tiefenschärfe. Finanziert wird es mit Geldern aus Vorarlberg, der Schweiz, Baden-Württemberg und Bayern. Die EU übernimmt über das Interreg-Programm etwa 226.000 Euro der Kosten. „Das Projekt ist ein Schulbeispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit“, meint Hubert Hämmerle, Leiter der Interreg-Netzwerkstelle Vorarlberg.

Michael Steinlechner

Drei Fragen an ...

1. Die Bodensee-Vermessung ist nicht das erste Vorhaben dieser Art, das Ihr Unternehmen in die Tat umsetzt. Welchen Stellenwert hat das Projekt Tiefenschärfe?

Für uns ist es ein Prestigeprojekt. Denn wir haben die Möglichkeit zu zeigen, wozu unsere Technik fähig ist. Dazu wird eine sehr große Anzahl an Daten ausgewertet, die mit den Mess­ergebnissen des Fächerecholots auf dem Schiff verknüpft werden müssen.

2. Wie viele Personen sind mit der Auswertung beschäftigt?

Ein sechsköpfiges Team arbeitet daran. Dazu haben wir das Bodenseeufer in mehrere Abschnitte unterteilt, von denen jeder Mitarbeiter einen bearbeitet. Zusätzlich werden die Ergebnisse der Teammitglieder untereinander abgeglichen. So gibt es eine gegenseitige Kontrolle.

3. Wo sind die Grenzen Ihres Systems?

Wie lange die Küs­tenlinie ist, die erfasst werden soll, spielt keine große Rolle. Da unser System jedoch optisch arbeitet, ist es von den Sichtverhältnissen abhängig. In der Nordsee beispielsweise, wo das Wasser eher trüb ist, könnte es daher schwierig werden, Daten zu sammeln.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.