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NEUE-serie – Teil 69

Durch Schlucht und zum Gütle

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt Wege und Stege im Ländle. Heute empfiehlt sie eine Wanderung von der Bergstation Karrenseilbahn durch die Rappenlochschlucht.

Die Wanderung beginnt in Dornbirn bei der Bergstation der Karrenseilbahn. Es überrascht, dass nahe der bevölkerungsreichsten Stadtgemeinde Vorarlbergs so ein schönes Erholungsgebiet liegt. Die Gondelfahrt hinauf dauert nur wenige Minuten und sogleich entschwindet der Alltag. In der Höhe von 976 Metern überwältigt ein fantastischer Ausblick ins Rheintal, bis zum Bodensee und darüber hinaus, auch die Schweizer Berge begeistern.

Mit der Bergstation im Rücken weist die Beschilderung mit der weiß-rot-weißen Markierung in Richtung Staufenseeweg/Rappenlochschlucht den Hang hinab und entlang des Kunstweges „AUF sehhöhe“. Beeindruckende Schauplätze von Ruth Gschwendtner-Wölfle gestaltet, die Kunst und Natur ineinander verschmelzen lassen und die Sinne schärfen.

Ein trittfester Forstweg schlängelt sich dann durch den Wald. Bei Wießtanna offeriert sich ein weiterer Aussichtspunkt mit gemütlichen Ruhebänken und der Bodensee rückt scheinbar näher. Leicht links führt der Weg und bei dem Karren-Familienweg rechts ab. Da sich der Wanderer immer noch auf einem Forstweg im leichten Auf und Ab befindet, kommt er schnell voran.

Schmale Stege

Nach geraumer Zeit gestaltet sich die Wanderung abenteuerlich und die Vorfreude auf die Rappenlochschlucht erwacht. Denn der weitere Weg führt über Holztreppen, schmale Stege, über Stock und Stein den Hang hinab durch den Mischwald. In der Alp angelangt, wechseln sich links-rechts, links-rechts mittels der Pfostenwegweiser ab.

Endlich mündet der Staufenseeweg beim Staufensee in einen großen Rastplatz mit genug Sitzplätzen im Schatten oder in der Sonne. Hier lässt es sich gut verweilen. Linker Hand zweigt der Weg ab in Richtung Rappenloch.

Die Rappenlochschlucht zählt übrigens mit dem Alploch (in Richtung Ebnit) zu den größten Schluchten Mitteleuropas. Die erste Erschließung geht in das Jahr 1862/63 zurück. Bis dahin führte in die unwegsame Talschlucht der Dornbirner Ach ein schlechter Weg nur bis zum Gütle. Franz Martin Hämmerle, der Gründer der bekannten Textilfirma, erkannte den Wert der vorhandenen Wasserkräfte für seine Fabrikanlagen und plante auf dem schmalen Areal im Gütle eine Spinnerei.

Schon 1862/63 wurde das erste Wuhr, der erste Wasserfall hinter dem Gütle, erstellt. Im Jahr darauf wurde gleich nach Inbetriebnahme der Fabrikanlagen an der Erhöhung der nutzbaren Gefälle gearbeitet. Der Weg war nur bis kurz vor das heutige Rappenloch gangbar. Aber schon 1896 wurde ein kühner Felssteig durch die Schlucht angelegt, damit der „Wassermann“ jeden Morgen den Wasserfluss kontrollieren konnte.

Zwischen 1897 und 1899 errichtete die Stauweihergenossenschaft, eine Interessensvertretung verschiedener Dornbirner Werksbesitzer, die Stauweiheranlage, die die Ebniter Ach zum Staufensee aufstaute. Dabei wurde die wenige Jahre zuvor neu errichtete Kiessperre mehrere Meter erhöht. Eine dicke Staumauer entstand. Zur selben Zeit erbaute die Gemeinde Dornbirn auf Vorschlag von Viktor Hämmerle das Kraftwerk Ebensand, sodass Dornbirn elektrisch beleuchtet und die elektrische Bahn Dornbirn–Lustenau (1901) betrieben werden konnte.

Gittertreppen hinab

Zurück zur Wanderung: Nun geht es Gittertreppen hinauf und hinunter, über kleine Brücken und gut gesicherte Stege immer mit schwindelerregenden Blicken hinab und hin­auf der Schluchtwände. Der Name der Rappenlochschlucht erinnert womöglich an die „Waldrappen“, die einzige europäische Ibisart, der wohl sein bei Feinschmeckern besonders beliebtes Fleisch zum Verhängnis geworden ist: der Waldrapp pflegt nämlich tatsächlich in solchen einsamen Fels- und Waldschlünden, die dem Kulturland nahe sind, zu wohnen. Und sein auffallendes Wesen könnte wohl geeignet gewesen sein, die Aufmerksamkeit unserer Vorfahren auf sich zu ziehen.

Und schon befindet sich der Wanderer im Gütle mit Kiosk, Gasthaus und großem Berg-Mammutbaum im Park. Weitere Attraktionen bieten Kurzweil: Denn die Spinnerei gibt es schon seit über Jahren nicht mehr. Alle Gebäude wurden einer neuen Nutzung zugeführt. Der Hochbau wurde 1999 zum Rolls-Royce-Museum und das Feuerwehrhäuschen zum Krippenmuseum.

Ab hier kann man auch mit dem Bus zurückfahren oder an der Dornbirner Ach entlang zurücklaufen. Auch noch ein schöner Weg, der nur kurz an der Straße entlang verläuft und anschließend über die Brücke zwischen Wald und Wasser flach dahin geht.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Wasserreiche und kühle Wanderung, auch für wanderbegeisterte Kinder.

Anforderung und Gehzeit: In zweieinhalb bis drei Stunden werden 521 Höhenmeter im Abstieg, 30 Höhenmeter im Aufstieg bewältigt.

Charakter der Wege: Straße, Wiesen-Forstwege, gut gesicherte Treppen, Brücken.

Tipp: Kopfbedeckung gegen die Wassertropfen in der Schlucht.

Natur und Kultur: Unzählige Gebäude, Brücken, Kirchen, Kapellen, Museen und die Wanderung betreffend: Rappenlochschlucht, Rolls-Royce-Museum, Krippenmuseum.

Einkehrmöglichkeiten: Dornbirn, Karren-Bergstation, Gütle, unterwegs.

Start: Bergstation Karrenseilbahn, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Ende: Gütle, mit dem Bus zur Talstation Karrenseilbahn oder in knappen 40 Minuten zu Fuß erreichbar.

Auf der Spinnstubet

Als in Dornbirn noch an den langen Abenden die Nachbarn in den Spinnstubeten zusammenkamen – das Weibervolk mit Kunkel und Rädle, die Mannsleute mit der Tabakspfeife – da kam in eine solche Stubet all Abend ein altes Mütterle und setzte sich mit seinem Spinnrad in das hinterte Eck und spann, bis alle – oft in später Nacht – wieder heimgingen. Das Weible mischte sich nie ins Gespräch, mochte noch so viel erzählt und gescherzt werden. Keiner kannte eigentlich das merkwürdige Weible, aber man ließ es unbefragt kommen und gehen.

Unter den Mannsleuten war ein junger Bursch, der Kopf und Herz auf dem rechten Fleck hatte. Während seine Altersgenossen sich mit den jungen Motla unterhielten, dachte er, ich muss doch wissen, was mit dem alten Weible ist. Das alte Mütterle schaut so lieb und mild und dann ist wieder etwas in ihrem Gesicht, als trage sie einen schweren Kummer.

Das ging so drei Jahre lang. Wieder waren alle in der Spinnstubet versammelt, und der Bursch schaute still und versonnen der alten schweigsamen Spinnerin zu. Da ward er auf einmal gewahr, dass sie das Spinnrad verkehrt herum drehe. Er setzte sich zu ihr, schaute eine Weile zu und fragte dann: „Immer links um Mütterle?“ Da fuhr ein heller Strahl über das verhärmte Gesicht der Alten. Sie stand schnell auf und bedeutete dem Burschen, sie zu begleiten. Schweigend wanderten die beiden in die stille Nacht hin­aus.

Die Alte schritt voran, über Acker und Wiese, bis sie zu einem Busch kamen, der einzeln auf dem Felde stand. Da sagte das Weible: „So entsetzlich viel Jahr hab ich gesponnen und immer links um, und erst du hast es endlich inacht genommen zu meinem Glück. Dafür tue ich dich auch lohnen. Grabe morgen an dieser Stelle da. Was du findest, magst du getrost als dein Eigentum betrachten.“

Nach den Worten war sie verschwunden. Der gute Bursche aber hob am nächsten Morgen einen Hafen voll Taler aus der Erde. Der Schatz brachte ihm Glück. Im hohen Alter starb er als der reichste Bauer im Dorf.

Quellen: Die Sagen Vorarlbergs. Mit Beiträgen aus Liechtenstein, Franz Josef Vonbun, Nr. 61, Seite 81, www.google.at, www.rappenlochschlucht.at, www.karren.at

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