interview

Ein Stück des Weges mit Bruno Kreisky gehen

Der Partei ist Eugen Freund zwar nicht beigetreten, bei der EU-Wahl am 25. Mai geht er dennoch als SPÖ-Spitzenkandidat ins Rennen.

Sehnen Sie sich nicht ab und zu nach Ihrem alten Job als Moderator der „Zeit im Bild“ zurück?

Eugen Freund: Überraschenderweise nicht. Ich bin selbst ein wenig verwundert, wie wenig Sehnsucht ich nach meiner alten Tätigkeit habe. Ich komme allerdings auch nicht oft dazu, Zeit im Bild zu schauen und Erinnerungen nachzuhängen. Ich bin meistens unterwegs und habe auch große Freude an den neuen Aufgaben.

Wie ist es, zwar weiter im Rampenlicht zu stehen, aber plötzlich auch heftiger Kritik ausgesetzt zu sein? Gegen Sie wurden ja auch Spionagevorwürfe erhoben.

Freund: Das ist eine bodenlose Sauerei, die da mit mir betrieben wird. Ich hatte nie Kontakt mit einem Geheimdienstmitarbeiter des ehemaligen Jugoslawiens. Was ich aber noch viel schlimmer finde ist, dass eine derartige Schmutzkübelkampagne losgetreten wird. Ich muss mich für etwas verteidigen, das absolut jeder Grundlage entbehrt. Man hätte ja nur ein bisschen im slowenischen Staatsarchiv recherchieren müssen. Dann hätte man festgestellt, dass ich nicht als Informant, sondern als jemand der unter Beobachtung stand, geführt worden bin.

Also nicht unbedingt eine Sternstunde des Journalismus?

Freund: Es ist jedenfalls mal kein Höhepunkt des Journalismus. Viel weniger aber ein Höhepunkt der Politik. Was vom politischen Gegner über Slowenien nach Österreich hineingespielt wird, ist wirklich der Tiefpunkt der Wahlkampagne. Ich hab gewusst, dass es tief wird, aber dass die Hackln so tief fliegen werden, das habe ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Und ich bin der Meinung, dass hier eine Entschuldigung fällig ist.

Wie empfinden Sie den Wahlkampf generell? Die Grünen greifen ja Herrn Strasser massiv an.

Freund: Ich will nicht den Wahlkampf der anderen kommentieren. Im Hinblick auf unsere Kampagne, kann ich in den Spiegel blicken. Wir haben europäische Themen verwendet und auch im Wahlkampf nur über Europa gesprochen. Das ist schließlich das Hauptthema.

Sie werben mit dem Slogan „Sozial statt egal“. In welchen Bereichen muss Europa denn sozialer werden?

Freund: Wenn wir den Stand Europas nach fünf Jahren vorwiegend konservativ dominierter EU-Institutionen ansehen, glaube ich, dass es im sozialen Bereich sehr viel zu tun gibt. Wir haben fast 27 Millionen Arbeitslose. In einigen Ländern wie Griechenland oder Spanien ist die Hälfte der Jugendlichen nicht mehr am gesellschaftspolitischen Prozess beteiligt, weil die jungen Menschen keine Arbeit haben. Dadurch verlieren sie nicht nur den Glauben an die Gesellschaft, sondern auch die Hoffnung auf die Zukunft. Gerade Österreich hat hier durch Einrichtungen wie der dualen Ausbildung oder der überbetrieblichen Lehrwerkstätten bewiesen, dass man diesem Trend etwas entgegensetzen kann.

Fehlt dem einen oder anderen das soziale oder wirtschaftliche Verständnis?

Freund: Durch die Globalisierung sind die Länder viel enger miteinander verflochten. Gerade, wenn ein Land so export­orientiert agiert wie Österreich, wirkt sich die wirtschaftliche Situation in anderen Ländern natürlich auch auf uns aus. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel nach Italien exportiert, dieses Land aber kein Geld hat, unsere Waren einzukaufen, spüren unsere Betriebe das auch. Deswegen muss man den Menschen klar machen, dass kein Geld zum Fenster hinausgeworfen wird, wenn Länder wie Spanien oder Griechenland unterstützt werden. Das ist doch in unserem eigenen Interesse.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, für die SPÖ zu kandidieren?

Freund: Ich bin zu einer Zeit politisch geworden, als Bruno Kreisky Regierungschef war. Und ich habe miterlebt, wie er gemeinsam mit Olof Palme und Willy Brandt weitblickend agiert hat. Kreiskys Licht leuchtete damals weit über die Grenzen Österreichs – das hat mir schon sehr imponiert. Und Bruno Kreisky hat auch etwas gesagt, was mir gut in Erinnerung geblieben ist: Er hat die Österreicher aufgefordert, ein Stück des Weges mit ihm zu gehen. Die gleiche Frage hat auch Werner Faymann gestellt. Es gab intensive Gespräche über Europa und wir haben festgestellt, dass meine Ansichten mit denen der Sozialdemokraten übereinstimmen.

Haben Sie schon als Journalist mit der SPÖ sympathisiert?

Freund: Hatten Sie diesen Eindruck aufgrund meiner Berichterstattung?

Nein. Wie haben Sie es geschafft, objektiv zu sein?

Freund: Audiatur et altera pars – auch die andere Seite möge gehört werden. Das war ein Prinzip, dem ich mich in meiner Berichterstattung verschrieben hatte. Von der österreichischen Innenpolitik bis zur Weltpolitik habe ich vieles abgedeckt und glaube, mich auch immer an meine Grundsätze gehalten zu haben.

Sind Sie inzwischen der SPÖ beigetreten?

Freund: Nein. Ich habe darüber jetzt nicht wirklich intensiv nachgedacht. Wichtig ist, dass man diese sozialdemokratischen Ideale mit Herz und Hirn vertritt. Um auf Kreisky zurückzukommen. Der hat auch nicht nicht gesagt, dass alle Parteimitglieder werden müssen, die ein Stück des Weges mit ihm gehen wollen.

Gibt es andere Parteien, für deren Themen Sie sich auch begeistern hätten können?

Freund: Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Die Europafreundlichkeit der ÖVP und der Neos fällt mir spontan ein. Aber es gibt inhaltlich Unterschiede. Wir sind nicht alle für das gleiche Programm.

Was bedeutet denn Europa für Sie?

Freund: Jedenfalls mal kein Land, in dem 27 Millionen Menschen ausgeschlossen werden, weil sie keine Arbeit haben. Und auch kein Land, in dem die Jugend keine Chance hat. Europa ist für mich aber ein gerechteres, ein sozialeres, solidarischeres Gebilde als es sich derzeit präsentiert.

Sonja Schlingensiepen

Zur Person

Eugen Freund wurde am 15. April 1951 in Wien geboren und wuchs in Kärnten (Sankt Kanzian am Klopeiner See) auf. Nach der Matura folgten verschiedene nicht abgeschlossene Studien (Medizin, Geschichte, Theaterwissenschaften). Erste Artikel erschienen in der Kärntner Tageszeitung.

Im Jahr 1974 wechselte er in die innenpolitische Redaktion des ORF-Hörfunks. 1978 holte ihn der damalige Außenminister Willibald Pahr als Pressesprecher in sein Ministerium.Im Jahr danach übersiedelte Freund für den Presse- und Informationsdienst der Republik Österreich nach New York.

1986 wechselte Freund wieder zum ORF. Dort moderierte er unter anderem die Nachrichtensendung Zeit im Bild und war als Korrespondent und Bürochef in Washington D.C. tätig.

Freund ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes.

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