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interview

Freiheitliche Allianz gegen die „EU-Pfarrer“

Die beiden FPÖ-Chefs HC Strache und Dieter Egger zur bevorstehenden EU-Wahl, Nachwuchs in der Partei und Conchita Wurst.

Wie würden Sie denn Europa definieren? Was verbinden Sie damit?
HC Strache: Europa ist für mich ein wunderbarer Kontinent mit einer kulturellen und sprachlichen Entwicklungsvielfalt. Europa hat eine interessante Geschichte und Völker. Österreich liegt im Herzen dieses Kontinents und ist Teil davon.

Das klingt sehr positiv. Ihre Wahlplakate hingegen lesen sich eher europafeindlich. Wie passt das zusammen?

Strache: Ich bin ein österreichischer Patriot, der Österreich, aber auch Europa im Herzen hat. Europa ist nicht die Europäische Union. Ich sehe es als Verpflichtung an, die Fehlentwicklungen des „Vereins Europäische Union“ aufzuzeigen. Die EU steuert weiter Richtung Zentralismus. Ich möchte aber mehr Föderalismus, mehr Selbstbestimmung und nicht noch mehr Kompetenzen auslagern. Und schon gar keine unsinnigen Glühbirnen- oder Gurkenkrümmungsverordnungen.

Positive Errungenschaften wie etwa die Abschaffung der Roaming-Gebühren erwähnen Sie eher selten.

Strache: Natürlich kann man alles differenziert betrachten. Als eine ganz wichtige zentrale Aufgabe hat die EU die Erhaltung des Friedens. Aber genau dieser positive Aspekt ist gefährdet. Durch zentrale Fehlentwicklungen sowie eine falsche Währungs- und Finanzpolitik wird der soziale Frieden Europas gefährdet. Wir erleben Bürokratismus, Lobbyismus der Banken und Konzerne. Die Menschen haben bei den Reallöhnen verloren. Wir haben eine Rekordarbeitslosigkeit.

Im Vergleich mit anderen Ländern und Bundesländern schneidet Vorarlberg in Sachen Arbeitslosigkeit aber ganz gut ab.

Strache: Im Vergleich zu anderen haben wir die Hungersnot noch nicht. Das ist doch ein schwacher Trost? Wir haben die höchste Arbeitslosigkeit in der Zweiten Republik. Es kann nicht sein, dass man alles schönfärbt und ruhig betet, wie dies die EU-Pfarrer Karas und Freund tun.

Dieter Egger: Es kann ja auch nicht sein, dass wir uns immer mit den Schlechteren vergleichen. Ich kann doch nicht zufrieden sein, wenn es jemanden gibt, dem es noch schlechter geht. In der Schweiz ist die Arbeitslosigkeit unter drei Prozent. Daran könnten wir uns orientieren.

Aber über die von Ihnen kritisierten Punkte – Arbeitsmarktpolitik, Reallöhne – wird ja nicht in Brüssel entschieden. Das liegt wohl eher in den Händen der Nationalräte?

Strache: Das ist der entscheidende Punkt. Und deshalb ist der 25. Mai in zweifacher Hinsicht wichtig. Zum einen geht es darum, gegen die EU-Zentralisten zu stimmen und zum anderen auch darum, den rot-schwarzen Belastungspolitikern einen Denkzettel zu verpassen. Faymann und Spindelegger müssen mehr für die Bürger tun – etwa durch Steuerent­lastungen.

Was schwierig sein dürfte, da die finanziellen Spielräume stark eingeschränkt sind. Da gibt es ja eine Bank in Kärnten …

Strache: Das stimmt. Und deswegen ist es auch so unverständlich, dass ÖVP und SPÖ inzwischen 18 Anträge auf einen Untersuchungsausschuss abgelehnt haben. Die Frage ist: Warum? Und ich sage: Der U-Ausschuss wird zeigen, dass der Schaden durch die Verstaatlichung passiert ist. Es war kein guter und richtiger Schritt, die Haftungen in Kärnten zu übernehmen. Es ist richtig, dass auch Jörg Haider eine gewisse Mitverantwortung hat. Aber der Verkauf der Hypo an die Bayern war richtig. Das Verbrechen war die Verstaatlichung ohne Not.

Zurück zu den EU-Wahlen: Sie sind auf den Wahlplakaten, sind aber nicht wählbar. Warum?

Strache: Ich unterstütze meinen Spitzenkandidaten Harald Vilimsky. Ich muss mich im Gegensatz zu Werner Faymann und Michael Spindelegger auch nicht verstecken. Wir sind eine Mannschaft und ein Team, das die rot-weiß-roten Interessen vertreten wird.

Mit wem wollen Sie diese Interessen in Brüssel durchsetzen?

Strache: Da haben wir eine Partei gegründet, die Europäische Freiheitspartei. Unser zweiter EU-Abgeordneter Franz Obermayr ist Präsident, Marine Le Pen Vizepräsidentin. Vertreter der italienischen Lega Nord, die belgische Vlaams Belang, die holländische Freiheitpartei von Geert Wilders und die Schwedendemokraten sind Partner. Die Vertreter der europäischen Freiheitsparteien haben die Kernpunkte fixiert, um auf europäischer Ebene gegen den Zentralismus auftreten zu können.

Mit dem Rückzug von Andreas Mölzer ist Ihnen ja der stärk­ste Gegenspieler abhandengekommen. Wie sieht es mit dem Personal der FPÖ aus?

Strache: Andreas Mölzer hat aufgrund der Vielzahl seiner inhaltlichen Äußerungen die Konsequenz gezogen. Das war auch richtig so. Wir haben einen tollen Spitzenkandidaten und viele andere bekannte Persönlichkeiten. Es gibt nicht nur mich.

Wobei sich der Bekanntheitsgrad von Franz Obermayr wohl auch in Grenzen hält. Wie schwer tut sich die FPÖ, junge Menschen oder Quereinsteiger zu begeistern?

Strache: In Oberösterreich ist Franz Obermayr sehr wohl bekannt. Quereinsteiger brauchen wir nicht. Wir haben sehr viele Junge und stellen auch die jüngste Fraktion im Nationalrat.

Wie kommen Sie an die jungen Menschen heran?

Strache: Unsere Politik begeistert. Die jungen Menschen kommen zu uns, können an Seminaren teilnehmen und bringen sich dann ehrenamtlich in Gemeinden ein. Auf Veranstaltungen kommen sogar schon Zwölf-, Dreizehnjährige auf uns zu.

Egger: Es gibt auch viele Jugendliche, die über Facebook Kontakt mit uns aufnehmen. Die viel zitierte Politikverdrossenheit kann ich nicht nachvollziehen.

Was sagen Sie zu den Diskussionen um Conchita Wurst?

Strache: Ich habe zum Sieg beim Song Contest gratuliert. Das bedeutet aber nicht, dass ich ein Fan der Kunstfigur Wurst oder ihrer politischen Aussagen bin. Sexualität ist Privatsache und ich bin auch tolerant. Aber man muss nicht jeden in die Geiselhaft nehmen, wenn es um permanentes Illustrieren der nach außen gerichteten Sexualität geht.

Egger: Jeder soll seine Sexualität leben, wie er will. Aber Adoptionsrechte abzuleiten, das geht zu weit. Da geht es um die Frage des Kindeswohls.

Strache: Besonders abstoßend finde ich auch das Life-Ball-Plakat, das derzeit in Wien zu sehen ist. Es zeigt eine Frau mit nackten Brüsten und Penis.

Sonja Schlingensiepen

Zur Person

Heinz-Christian Strache wurde am 12. Juni 1969 in Wien geboren. 1999 heiratete er Daniela Plachutta, die Tochter des Wiener Gastronomen Ewald Plachutta. Das Paar ließ sich 2006 scheiden. Die beiden gemeinsamen Kinder leben bei der Mutter.

Straches politische Karriere begann 1991. Im Alter von 21 Jahren wurde er jüngster Bezirksrat Wiens.

2005 wurde eine Kampfkandidatur Straches um den Posten des Bundesparteiobmanns gegen Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner erwartet. Zu einem offenen Machtkampf zwischen Haider und Strache kam es jedoch nicht, da Haider und alle FPÖ-Regierungsmitglieder im April 2005 die FPÖ verließen und das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) gründeten.

Beim FPÖ-Parteitag am 23. April 2005 wurde Strache daraufhin zum Bundesparteiobmann gewählt.

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