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Unterricht mit Geschmack

Zehn Jahre war Markus Breuß (31) als Koch tätig. Nun bringt der Feldkircher Mädchen und Buben im Lerncafé Götzis auf den Geschmack, den Kochlöffel zu schwingen.

Dunja Gachowetz (Text) und Dietmar Stiplovsek (Fotos)

Was sind das da für Haare“, fragt Melissa und zeigt mit der Messerspitze auf die dünnen, braunen Lamellen eines halbierten Champignon-Kopfes. Markus Breuß geht zu der Schülerin, blickt ihr über die Schulter und muss lächeln. Der gelernte Koch sagt: „Das sind keine Haare, Melissa, das sind Sporen.“ Die Zwölfjährige ist beruhigt und schneidet das Gemüse weiter in dünne Scheiben. Der neben ihr stehende Batuhan kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, während er eine Tomate in kleine Stücke schneidet. Um zu sehen, was gerade auf der anderen Seite des Küchenblocks passiert, heben Tansila (12) und Mariam (9) nur kurz ihren Kopf und blicken zu dem Mädchen und dem Bub hinüber. Dann widmen sich die beiden Mädchen sofort wieder dem Inhalt des vor ihnen auf der Herdplatte stehenden Topfs. In diesem köchelt eine Tomatensauce. Tansila fügt Salz, Pfeffer und Zucker hinzu, Mariam zerreibt zwischen ihren Fingerspitzen einen Suppenwürfel. Markus hat sich einstweilen gegen die Fensterbank gelehnt, beobachtet die Grupp. Neben ihm steht ein mit einem Geschirrtuch abgedeckter Topf. In diesem rastet der Germteig. Denn die Kinder und Markus werden heute gemeinsam eine Pizza zubereiten. „Ein wenig muss der Teig noch ziehen“, erklärt der Koch.

Auf Geschmack bringen

Das Quintett hat sich aber nicht bei einem der Kinder oder Markus zu Hause getroffen. Nein, sie sind in der Küche der Kathi-Lampert-Schule im Götzner Garnmarkt. Seit Februar treffen sich die Mädchen und Buben dort jeden Montag, um gemeinsam Speisen zuzubereiten. „Es ist ein Pilotprojekt im Rahmen des Lerncafés der Caritas. Und wird von Fabian Ziesig und mir betreut“, erklärt Markus. Er hat sichtlich Freude, den heranwachsenden die Welt der Gewürze, Kräuter und Lebens- und Nahrungsmittel näherzubringen.

Der 31-Jährige hat eine Koch- und Kellnerlehre absolviert. Ist zehn Jahre beruflich in der Küche gestanden. „Ich habe den Job schon gerne ausgeübt. Aber irgendwie, so richtig Freude hat es mir nie bereitet“, gesteht der Feldkircher. In der Zwischenzeit haben die Kinder Zwiebel, Knoblauch, Tomaten und Paprika geschnitten und in kleine Schüsseln gegeben, die Tomatensauce köchelt weiterhin auf kleiner Stufe. Nur der Teig, der ist noch nicht ganz fertig. Das stellt auch Markus fest: „Ein wenig muss er noch ziehen.“ Das ist kein Grund, dass Mariam, Melissa, Tansila, Batuhan und der Koch tatenlos herumstehen. Sie setzen sich an den Tisch. Markus erklärt: „Es wird nicht nur gemeinsam gekocht. Sondern wir versuchen den Kindern auch immer etwas über die Länder beizubringen, aus denen die Speisen stammen. Aber zuerst müssen wir noch etwas klären. Und zwar wer welche Tätigkeit beim Aufräumen übernimmt. Denn das ist jedes Mal ein Problem“, sagt Markus und sieht ein Kind nach dem anderen an. Ein eindringlicher Blick genügt und sofort meldet sich jedes für eine Aufgabe. „Batuhan, du hilfst Mariam beim Abwaschen.“ „Abwaschen, was ist das“, sagt der Bub und grinst frech. Die knappe Antwort von Markus: „Das zeigt dir Mariam dann schon.“ Schnell sind die Aufgaben unter den heranwachsenden verteilt und der Feldkircher gibt jedem zwei Zettel. Auf dem einen ist eine Italienkarte aufgezeichnet, auf dem anderen stehen beispielsweise Ortsnamen wie Venedig oder Palermo oder Comosee, Gardasee, Vesuv und Ätna. „Im Atlas sucht ihr jetzt nach diesen Namen und schreibt sie auf die Karte“, erklärt der 31-Jährige. Sofort machen sich die Kinder an die Arbeit die Aufgabe in Zweierteams zu lösen.

Währenddessen erzählt der gelernte Koch, dass er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura absolviert hat. „Wie schon vorhin gesagt, so gern ich den Job als Koch ausgeübt habe, so richtig erfüllt hat er mich nicht.“ Nachdem er die Reifeprüfung in der Tasche hatte, beschloss er, seine Schürze an den Nagel zu hängen und schrieb sich an Pädagogischen Hochschule in Feldkirch ein. „Seit einem halben Jahr studiere ich nun und ich merke, wie gut mir das tut. Meine Entscheidung bereue ich nicht.“

Mittlerweile haben die Kinder die ihnen gestellte Aufgabe gelöst und auch der Teig ist zur weiteren Verarbeitung bereit. Dieser wird von Markus in gerechte Portionen aufgeteilt und an die heranwachsenden verteilt. Die unförmigen Klumpen werden ausgewalkt, mit der Tomatensauce bestrichen und je nach Belieben von den Kindern mit Zutaten belegt. Während Mariam, Melissa, Tansila und Batuhan ihre Pizzen formen und belegen, erzählt Markus, wie er zum Lerncafé gekommen ist. „Das hat sich so ergeben. Ich war auf der Suche nach neuen Aufgaben. Der Kochkurs kam dann dank eines glücklichen Zufalls zustande“, erzählt er. Er sieht die Arbeit bei der Caritativen Einrichtung aber auch als gute Gelegenheit an, um sich auf seinen Job als Lehrer vorzubereiten.

Zeigefinger bleibt unten

In den vergangenen Wochen haben die fünf aber nicht nur miteinander gekocht. Sondern sie waren gemeinsam einkaufen und haben in eine Restaurantküche geblickt. „Spielerisch wollen wir die Kinder auch über den Umgang mit Alkohol aufklären. Aber nie mit erhobenem Zeigefinger“, betont der angehende Pädagoge. Zweimal werden die fünf noch gemeinsam in der Schulküche aufkochen. „Beim letzten Treffen werden wir die Eltern einladen und ihnen zeigen, was wir gelernt haben. Wahrscheinlich werden wir verschiedene belegte Brötchen, Dips und eventuell Salate zubereiten. Am Montag werden wir das noch besprechen“, sagt er. Markus hofft, dass das Projekt auch weiterhin im Rahmen des Lerncafés in Götzis angeboten wird. „Es taugt mir, wenn ich den Kindern etwas beibringen kann. Dass sie zukünftig, wenn sie Hunger haben, nicht den Weg zu einem bekannten Fast-Food-Restaurant wählen. Sondern die Kühlschranktüre aufmachen und sich selbstständig eine gesunde Jause zubereiten können.“

Information

Lerncafé Götzis

„Bildung am Garnmarkt“

Adresse:
Am Garnmarkt 12

6840 Götzis

Kontakt: Margaritha Matt, Telefon 0664/8240133

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