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Entführer Dieter Krombachs steht vor Gericht

André Bamberski muss sich am Donnerstag und Freitag in Frankreich wegen Entführung eines Lindauer Arztes verantworten.

Jürgen T. Widmer

Nächster Akt im Justizdrama um Kalinka. Das damals 14-jährige Mädchen wurde 1982 tot im Haus ihres Stiefvaters Dieter Krombach in Lindau aufgefunden. Nach Überzeugung der französischen Justizbehörden hatte der Arzt das Mädchen zunächst sexuell missbraucht und dann getötet. Der leibliche Vater des Mädchens, André Bamberski, ließ Krombach im Oktober 2009 aus Scheidegg entführen und nach Frankreich bringen, wo Krombach zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde. Jetzt muss sich Bamberski ab Donnerstag vor dem Gericht im elsässischen Mülhausen wegen Entführung verantworten.

Bamberski hatte sein Handeln stets mit einer Art Notwehr gerechtfertigt. Denn die deutsche Justiz hatte das Verfahren gegen den heute 78-jährigen Krombach eingestellt. Vorausgegangen war eine von vielen Pannen und Ungereimtheiten geprägte Ermittlung gegen den angesehenen Arzt. Später war Krombach wegen Vergewaltigung einer Patientin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das milde Urteil hatte damals in Lindau für Proteste gesorgt.

Bamberski war von Anfang an überzeugt, dass Krombach das Mädchen getötet hat. Im Oktober 2009 wurde Krombach vor seinem Haus in Scheidegg niedergeschlagen und entführt. Am Tag darauf lag er in Mülhausen an eine Tür gefesselt, wo ihn die Polizei nach einem anonymen Anruf fand.

Wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde Krombach am 22. Oktober 2011 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll Krombach das Mädchen mit einem Schlafmittel betäubt haben, um es zu vergewaltigen. Am 20. Dezember 2012 wurde das Urteil bestätigt. Allerdings will Krombach gegen das Urteil vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagen.

Bamberski war nach eigenen Angaben selbst nicht an der Entführung beteiligt gewesen. Auf der Internetseite der Vereinigung „Gerechtigkeit für Kalinka“, die Bamberski unterstützt, wird der Tathergang so geschildert: Am Abend der Entführung sei Bamberski in einer Gebetsversammlung in einer Dorfkirche gewesen. Er sei nicht persönlich an der Entführung beteiligt gewesen, aber einverstanden, als ein Unbekannter sie ihm vorgeschlagen habe. Ein 38-jähriger Kosovare habe die Entführung angeblich zusammen mit zwei Komplizen aus Sympathie für Bamberski ausgeführt.

Der Täter verlor am Tatort seine Ausweispapiere, was die Polizei sofort auf seine Spur brachte. Angeblich sollte der Entführer von Bamberski 19.000 Euro bekommen, die die Polizei im Hotelzimmer von Bamberski fand. Dieser muss sich jetzt wegen Entführung, willkürlicher Freiheitsberaubung, Körperverletzung und krimineller Vereinigung verantworten. Diese Anklagen können ihm eine Gefängnisstrafe von mehreren Jahren einbringen. Bamberski hatte dieses Risiko wohl auf sich genommen, weil die Tat von Krombach bald verjährt gewesen wäre. Nach Angaben von „Gerechtigkeit für Kalinka“ hat die Polizei einen Komplizen des Entführers ausfindig gemacht, einen Mann aus Georgien. Seine Version stimmt angeblich mit den Aussagen Bamberskis und des Entführers überein.

Während Bamberski und die französische Justiz von Krombachs Schuld überzeugt sind, prangert die Familie des Arztes auf einer Internetseite das angebliche Unrechtsurteil gegen den Arzt und angeblich unmenschliche Haftbedingungen an. Die Angehörigen schreiben zudem, dass Krombach heute noch gesundheitlich unter den Folgen der bei der Entführung erlittenen Verletzungen leide. Laut der Internetseite unterstützt die Familie weiterhin den Arzt bei den Versuchen, seine Unschuld zu beweisen.

Weitere Informationen unter www.dieter-krombach.com und der Seite von „Gerechtigkeit für Kalinka“ unter http://sebastien.barde.pagesperso-orange.fr/de/accueil.html.

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