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Adeg Schnifis

Nahversorger, Dorftreff und mehr

Viele kleine Geschäfte im Land kämpfen ums Überleben. Die Schnifner Bevölkerung nimmt ihren Adeg gerne an. Daher ist er auf einem guten Weg, erhalten zu bleiben.

susanne geissler (text) und Bernd hofmeister (fotos)

Calippos müssen unbedingt dabei sein und auch verschiedene Magnum-Versionen. Die neunjährige Lena aus Schnifis weiß genau, welche Eissorten die Geschäftsführerin des hier ansässigen Adegs, Erika Petritsch, in ihrem Angebot haben soll. Das hat sie ihr unlängst mit großem Ernst erklärt. Petritisch lächelt. Tatsächlich ist es nichts Ungewöhnliches, dass Stammkunden die 49-Jährige manchmal um die Bestellung eines bestimmten Produktes bitten. Wann immer es möglich ist und in irgendeiner Form für das Geschäft tragbar, versucht sie auch, auf diese Wünsche einzugehen. Das ist eines der vielen Zusatzangebote, mit dem der kleine Nahversorger im 800-Seelen-Dorf versucht, für die Bevölkerung attraktiv zu sein. Weitere sind ein Schwarzes Brett zum Aushängen wichtiger Termine oder Aktionen wie der Besuch eines Messerschleifers oder der „Hennele-Tag“, wo man gegrillte Hühnchen kaufen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeit, von regionalen Hobby-Produzenten hergestellte Produkte wie Marmeladen, Cremes oder etwa auch Eier im Laden anzubieten oder eben zu kaufen.

Dabei ist das Sortiment an sich schon äußerst umfangreich. Etwa 70 Prozent des Angebots einer vollbestückten Adeg-Filiale sind auch in Schnifis erhältlich. „Es gibt halt zum Beispiel nur eine Soja-Sauce. Nicht fünf von unterschiedlichen Anbietern“, erläutert Sabine Duelli. Aber sogar Tofu kann man im „Konsum“, wie die Einheimischen ihr Geschäft eigentlich nennen, kaufen, oder auch Fair-Trade-Kaffee.

Konsumgenossenschaft

Duelli ist die Obmannstellvertreterin der örtlichen Konsumgenossenschaft. Diese Genossenschaft gründete das Geschäft 1905. Daher rührt auch die Bezeichnung („Konsum“) die viele, besonders die Älteren, immer noch für das Geschäft verwenden. Auch heute noch sind rund 130 Familien im Dorf Genossenschafter. „Und es stoßen immer noch neue dazu“, betont Duelli. „Das ist ein klares Zeichen, dass der Bevölkerung der Erhalt des Ladens wichtig ist“, meint die 36-Jährige weiter. Einkaufsvorteile wie zu früheren Zeiten ergeben sich daraus nämlich nicht mehr. Es ist vielmehr ein ideelles Zeichen, das man setzen kann.

In den 1950er- und 60er-Jahren florierte der Laden. Zu dem Zeitpunkt wurde es von Willi Berchtel, dem „Lada-Willi“, geführt. Das Aufkommen der Supermärk­te, Diskonter und das Entstehen der größeren Einkaufszentren setzten ihm aber in den darauffolgenden Jahrzehnten wie allen anderen kleineren Geschäften überall sonst auch sehr zu.

Heute ist es wie die meisten kleinen Nahversorger auf finanzielle Hilfe angewiesen. „Auch wenn sich die Lage in den vergangenen Jahren sehr verbessert hat, könnte es ohne Förderung durch das Land nicht überleben. Vor fünf Jahren stand das Geschäft tatsächlich beinahe vor dem Aus.“

Erika Petritsch übernahm zu diesem Zeitpunkt die Geschicke als Geschäftsführerin. Die gebürtige Bregenzerin hatte bis dahin in verschiedenen Adeg-Zweigstellen im Land als Filialleiterin gearbeitet. „Eigentlich wollte ich mich selbstständig machen“, erzählt sie. „Doch als ich von der Stelle in Schnifis erfuhr, war mir klar, dass ich das probieren wollte.“ Worauf sie sich da wirklich einließ, wurde ihr erst mit der Zeit so richtig bewusst. „Es ist schon etwas Besonderes, so ein Laden in einem Dorf“, sagt sie und grinst. „Es dauert nicht lange und man kennt die meisten seiner Kunden persönlich. Kennt ihre Vorlieben oder weiß, wie es ihnen gerade geht. Über die Jahre sieht man die Kinder größer werden, bis sie schließlich selbst einkaufen kommen“, erzählt sie. „Das ist schon etwas Wunderschönes.“

Als sie hier anfing, gestaltete sie die Verkaufsräumlichkeiten neu. Die Regale wurden niedriger gemacht, das Sortiment angepasst und die Beleuchtung so ausgerichtet, dass das Geschäft in einem freundlicheren Licht erstrahlt. Natürlich verbesserten diese Maßnahmen und die herzliche, umgängliche und kompetente Art von Erika die Situation.

„Wesentlich war aber auch das Umdenken innerhalb der Bevölkerung“, erzählt Duelli. „Es wurde vielen bewusst, dass ein Geschäft im Dorf wichtig ist. Nicht nur für ältere Bewohner oder etwa Mütter mit kleinen Kindern, die von der Möglichkeit profitieren, nicht ins Auto steigen zu müssen.“ Ein Geschäft bedeutet auch Arbeitsplätze für die Bevölkerung im Ort. Tatsächlich hat Geschäftsführerin Petritsch vier Mitarbeiterinnen, die bis auf zwei direkt aus Schnifis stammen. Die meisten arbeiten in Teilzeit und können so ideal zur Familie oder etwa der Arbeit im heimischen Landwirtschaftsbetrieb dazuverdienen. Sie sind ein eingespieltes Team und haben nicht nur während der Arbeit viel Spaß. Sie unternehmen auch in der Freizeit einiges miteinander.

Doch der Schnifner Adeg kann noch viel mehr. Für viele ist er ein sozialer Treffpunkt. So auch für Duellis 80-Jährige Schwiegermutter Paula. „Ich wollte ihr anbieten, die Einkäufe für sie mitzuerledigen“, erzählt Sabine. „Aber das kam nicht in Frage.“ Der Besuch des kleinen Nahversorgers ist für die rüstige ältere Dame nämlich viel mehr als nur eine Möglichkeit, die Dinge des täglichen Bedarfs zu erwerben. Dort trifft sie Freunde und Bekannte und kann sich austauschen. Kurz, es ist ein geselliger Anlass, den sie nicht missen möchte. Nicht umsonst heißt der Laden daher offiziell auch „Dorftreff. Adeg & mehr“. Der Name wurde von den Schnifner Volksschülern vor zwei Jahren in einem Wettbewerb ermittelt. Die Kinder besprachen im Unterricht die Bedeutung eines Lebensmittelgeschäfts für ein Dorf. Und suchten dann nach der geeignetsten Bezeichnung.

Lehrling gesucht

Im Schnifner Adeg kann man auch die Lehre zur Einzelhandelskauffrau beziehungsweise zum Einzelhandeslkaufmann machen. Evi Konzett (21) aus Thüringerberg hat ihre vor zwei Jahren dort abgeschlossen. „Erika ist eine wirklich gute Ausbildnerin“, schwärmt sie. „Außerdem ist der enge Kundenkontakt schön und die Möglichkeit, wirklich alles, vom Obst über die Feinkost bis zur Kassa auszuprobieren und erlernen zu können“, sagt sie. Jetzt wird ein neuer Lehrling gesucht. Konzett ist jedenfalls gekommen, um zu bleiben. „Jetzt müssen nur die Kunden auch weiterhin in den Adeg kommen“, sagt Duelli und lächelt. „Dann wird er ihnen auch erhalten bleiben.“

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Adeg Schnifis

Jagdbergstraße 200

6822 Schnifis
Tel. 05524/8502
E-Mail: kv.schnifis @ aon.at

Geschäftsführerin: Erika Petritsch

Öffnungszeiten:

Mo.–Sa.: 7.30 bis 12 Uhr und Mo.,
Di., Mi., Fr. von 15 bis 18 Uhr.

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