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NEUE-serie – Teil 70

Imposante Naturbrücke im Kleinwalsertal

Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt interessante Wege und Stege im Ländle. Heute empfiehlt sie eine Rundwanderung über die Naturbrücke im Kleinwalsertal.

Das Kleinwalsertal wurde um 1300 vom Tannberg her besiedelt. Der Legende nach sollen fünf Walliser Familien unter Führung von Hans Wüstner vom Tannberg über den Hochalppass das noch unbewohnte Breitachtal erschlossen haben. Die ersten Häuser standen vermutlich in Bödmen, einem Ortsteil von Mittelberg. Die Neusiedler erhielten das Land von den schwäbischen Grafen von Rettenberg zum Erblehen. Zuvor wurden Teile des Tales als Alpen und Jagdgebiet genutzt.

Das Tal gehörte zunächst zum Walser Gericht Tannberg und erhielt im Jahr 1563 ein eigenes Gericht zuerkannt, das bis 1807 bestand. Die vier Orte Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad liegen zwischen 1100 und 1280 Metern über dem Meeresspiegel. Die das Tal umschließenden Berggipfel erreichen eine Höhe von bis zu 2535 Metern. Dieses Hintergrundwissen rückt die Wanderung in das richtige Licht und lässt Erlebtes noch besser verstehen.

Mit dem Sportplatz Au/Hirschegg (1100 m) im Rücken lässt sich der vorab flache Auweg in Richtung Naturbrücke/Schwende/Riezlern gut beginnen. Linksseitig offeriert sich Walsergeschichte mittels eines alten Hauses mit „Schreehaag“, dem typischen Holzzaun, der früher im ganzen Kleinwalsertal üblich war. Bald dringt Wasserrauschen ans Ohr und nach ein paar Schritten ist die Naturbrücke, die den Schwarzwasserbach überspannt, erreicht.

Dieser verlief ursprünglich unterirdisch. Jedoch ist der hier befindliche Schrattenkalk wasserdurchlässig und mit den Jahrtausenden hat die immense und stete Wasserkraft eine Höhle geformt. Somit ist dieses Naturwunderwerk entstanden. Eine Eisentreppe hilft dem Wanderer aufzusteigen. Wer dies nicht wagt, oder gar mit Kinderwagen oder Hund unterwegs ist, kann ein paar Schritte zurück und flussabwärts gehen und über die nächste Brücke übersetzen.

Artenreiche Magerwiesen

Unglaubliche Blicke, Strudellöcher, die das Wasser zusammen mit Bachgeröll mittels Drehbewegungen erschaffen hat, 16 Meter hohe Fichten, Moosflächen, Licht-Farb-Spiele und die frische Luft begeistern jeden aufmerksamen Betrachter. Der Wanderer hält sich rechts hinauf und gleich wieder links in Richtung Schwende/Riezlern. Durch artenreiche Magerwiesen gelangt er auf den schattigen Karolinenweg mit dem 40 Meter hohen Wasserfall.

Über Stock und Stein, über die Straße, den Hang hinab und durch ein Hochmoor mit vielen vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten (Moorbirke, Schwalbenwurz-Enzian, Sonnentau und Moor-Preiselbeere) führt der Weg zur Höflebrücke. Einst gab es im Kleinwalsertal zwölf Holzbrücken. Heute nur noch drei. Und dieses Holzkunstwerk zählt dazu. Rechts weiter schlendert der Wanderer am Schwarzwasser entlang. Stille und Ruhe umhüllt den Talboden und man kann so richtig die Seele baumeln lassen. Wieder ein Wasserfall und schon bald ist das Schwendetobel in der Höhe von 1000 Metern, der tiefste Punkt der Route, erreicht.

Wieder rechts zweigt der Weg über die Alte Schwendetobelbrücke ab und in der Tiefe vereinen sich Breitach und Schwarzwasserbach. Aufwärts und ziemlich steil (=gäach) führt der Schmiedebachweg nach Unterwestegg und bei der Durchzugsstraße heißt die Zivilisation den Wanderer herzlich willkommen. Weiter geht es über die Straße, direkt rechts vom Zaun hinauf in den Wald. Die gelb-weiße Beschilderung geht in weiß-rot-weiß über und schlängelt sich den Wald hinauf und lässt somit sicher den Riezler Höhenweg finden.

Imposante Blicke

Der Wanderer befindet sich jetzt auf dem historisch bedeutenden Weg, den die Walser im Jahre 1423 von den Herren Heimenhofen kauften. Imposante Blicke auf den Ifen, das Gottesackerplateau und den Ortsteil Riezlern mit den Weilern Egg und Schwende begleiten den meist flach verlaufenden Weg in Richtung Kanzelwandbahn-Bergstation. Vorbei an Bauernhöfen und Heubargen, unter Bahndrähten hindurch, entlang seltsamer Hügelpyramiden und an der Wegkreuzung rechts auf die Forststraße zweigt der Weg in Richtung Ausgangspunkt ab.

Der muntere Zwerbach plätschert nahe des Weges und schon ist die Bushaltestelle Kanzelwand erreicht. Wenn es sehr heiß ist, empfiehlt es sich den Bus (3) zurück zum Sportplatz Au zu nehmen, ansonsten ist es ein Gehen an der Straße bis zur Breitachbrücke, darüber hinweg, den Hang hinauf die Schwarzwassertalstraße und über die Wäldelestraße zum Beginn der Route.

Kurzbeschreibung

Besonderes: Rundwanderung mit Naturerlebnissen untermalt.

Anforderung und Gehzeit: In zweieinhalb bis drei Stunden etwa 350 Höhenmeter im Aufstieg und Abstieg.

Charakter der Wege: Wald-Wiesenwege, wenig Straße, breite Forstwege.

Kultur und Natur: Breitachklamm, Wasserfälle, Lourdeskapelle, Natur-Lebens-Park, Pfarrkirche Mariä Opferung, Kapelle St. Martin, Walsermuseum, Pfarrkirche St. Jodok, denkmalgeschützte Objekte wie Dorfbrunnen, Bauernhäuser, Stallscheune und Sühnekreuz.

Anziehen und Mitnehmen: Knöchelhohe Wanderschuhe (Profilsohle), wetterfeste Kleidung, Wanderstöcke empfohlen, Sonnen-/Regenschutz.

Einkehrmöglichkeiten: Riezlern, Hirschegg.

Start und Ende: Sportplatz Au, Hirschegg, Bushaltestelle Au (3), erreichbar über die Breitachbrücke, Schwarzwassertal-/Wäldlestraße.

Der Spuk im Westeggertobel

Wenn man in Riezlern im Walserthal auf die obere Westegg geht, hat man ein tiefgeschnittenes Tobel, das Westeggertobel zu durchqueren, in welchen es ehedem nie richtig geheuer war und besonders Sonntags- und Heiligtagskinder oft allerlei Erscheinungen wahrnehmen konnten. Man sah da zuweilen einen großen Mann des Nachts mit einem großen, weißen Sack, der einem Strohsack ähnlich sah, sich abschleppen. Einmal erblickte ihn auch ein heimkehrender Westegger eine Strecke vor sich, glaubte, dass er einen Nachbar vor sich habe und eilte etwas, um ihn einzuholen. Obwohl der Nachbar nur neun Schritte vor ihm war, konnte er ihm doch nicht näher kommen; lief er schneller, so tat es auch jener und als sie nun in das Tobel kamen, merkte er erst, dass er da nicht einen Nachbarn, sondern einen Geist vor sich hatte. Auf der anderen Seite über dem Brückle wich dieser vom Wege und ging den Hang hinab und nun fing es in dem Holz ganz entsetzlich an zu krachen und zu prasseln, als würden die Äste allesamt abgeschlagen.

Andere haben in der Nähe des Tobels zuweilen ein kleines Mändle laufen sehen und auch die Erzählerin sah es einmal als Mädchen auf dem Schulweg. Es war ganz altertümlich gekleidet, hatte einen großen, bis zu den Augen her­abreichenden Hut mit hohem „Gopf“, aber kleinem „Stürmel“ (Hutkrempe). Es ging unter dem Weg und obwohl es Neuschnee hatte, hinterließ es in demselben nicht das mindeste „Gschpor“ (Spur), woran dann die Erzählerin erkannte, dass das Mändle ein Geist sei. Einige, die es auch gesehen hatten, wollten behaupten, es habe gar keinen Kopf gehabt. Manche sahen bei dem Brückle, das über dem Bach führt, zuweilen eine Kröte, die immer größer wurde, je länger man sie anblickte. Wiederum andere hörten Stöhnen und Ächzen ohne sonst etwas wahrnehmen zu können. Da um einen am Tobel gelegenen Waldteil vor Zeiten einmal ein Prozeß geführt worden war, vermuteten viele, dabei sei es nicht recht hergegangen und daher stamme wohl all die Geisterei in dem Tobel. Seit man indes in der Nähe ein „Kruzifix“ aufgestellt hat, hat der Spuk ein Ende, nur daß man hin und wieder etwas „chlöckla“ (klopfen) hört.

Quellen: Seltsames und Unheimliches, Die Sagen des Kleinen Walsertales, herausgegeben und mit Holzschnitten versehen von Detlef Willand, www. kleinwalsertal.at, Kleinwalsertaler Tourismus eGen, persönliche Informationen vom PR Manager Elmar Müller, Walserweg Vorarlberg, Stefan Heim, Tyrolia Verlag, ISBN 978-3-7022-3256-6

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