Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

landesmuseumsverein

Ein Verein für das ­ganze Land

Er ist stolze 157 Jahre alt: der Vorarl­berger Landesmuseumsverein, der seit letztem Jahr mit Brigitte Truschnegg auch eine neue Präsi­dentin hat.

Brigitte Kompatscher (text) Bernd Hofmeister (Fotos)

Es sind nicht nur sein Gründungsjahr 1857 und seine rund 1300 Mitglieder, die ihn zu einem der beeindruckendsten Vereine des Landes machen. Es ist seine Bedeutung für die kulturelle Entwicklung des Landes, die den Landesmuseumsverein in gewisser Weise zum Ursprung des heutigen vorarlberg museum und zum Impulsgeber für eine landeskundliche Forschung in Vorarlberg macht. Aber der Reihe nach. Als ab den 1850er- Jahren am Bregenzer Ölrain vermehrt römische Funde gemacht wurden, war es eine Gruppe von größtenteils Fabrikanten und politisch Engagierten, die den Verein gründete, um diese Funde für das Land sichern und vor einem Verkauf ins Ausland zu retten. Nachdem einiges vorher schon nach Tirol abgewandert war, erzählt die heutige Präsidentin des Vereins, die an der Universität Innsbruck lehrende Historikerin und Archäologin Brigitte Truschnegg.

In der ehemaligen Villa Güllich, dem heutigen Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis, wurden erste Objekte noch privat ausgestellt. Nach der Vereinsgründung zeigte der Verein die Funde, die er angekauft hatte, in der Maurachgasse und in anderen Gebäuden der Stadt. Um auch zukünftige Finanzierungen zu sichern und die geplante Schaffung eines eigenen Museums zu realisieren, wurde 1885 ein eigener Museumsfonds gegründet. Und bereits 1905 konnte am Kornmarktplatz das erste Landesmuseum eröffnet werden. Das Grundstück wurde von der Stadt Bregenz zur Verfügung gestellt, die sich auch an den Kosten von rund 250.000 Kronen beteiligt hat. Knappe 500 Mitglieder hatte der Verein in jener Zeit, nach der Museumseröffnung schoss die Zahl sprunghaft nach oben und verdoppelte sich fast.

Großzügige Mäzene

„Gelebt hat der Verein in dieser Zeit von den Spenden seiner Mitglieder“, beschreibt Truschnegg die Anfangsjahr­zehnte. „Ohne die immensen Gelder, die da geflossen sind, wäre das nie möglich gewesen.“ Mit Carl von Schwerzenbach, Vereinsvorsitzender von 1901 bis 1921, ist 1926 der letzte der gro­ßen Mäzene gestorben, erzählt sie. 1942 wurde der Verein dann wie alle anderen in dieser Zeit aufgelöst, das Landesmuseum wurde zum „Reichsgaumuseum“ und die Sammlung ging in jene des „Reichsgaus“ über.

Nach dem Krieg übergab der Verein auf Betreiben vom damaligen Vorstand Otto Ender alle Besitztümer an das Land. nachdem klar war, dass es für den Verein schwierig werden würde, alles zu erhalten. Und so ging 1947 die umfangreiche Sammlung an das Land und das Museum wurde der Stadt Bregenz übergeben – die es dann 1958 an das Land weitergab.

Ebenfalls 1958 wurde der naturwissenschaftliche Bestand an die Naturschau in Dornbirn übergeben, die Vorgängerin der heutigen inatura. Bereits 1905 waren die vom Verein gesammelten Archivalien an das 1898 gegründete Landesarchiv gegangen. Und somit hatte der Verein knapp hundert Jahre nach seiner Gründung große Teile seiner Sammlungen neu entstandenen Institutionen zur Verfügung gestellt.

„Die Zeit zwischen 1950 und 1980 ist die am schlechtesten dokumentierte des Vereins“, erzählt die Präsidentin, „damals hat man sich vor allem auf Vereinsagenden konzentriert.“ Aber auch in jener Zeit ist das Jahrbuch erschienen, das es seit 1857 gibt. Und über dieses Jahrbuch ist auch Trusch­negg zum Verein gestoßen. Sie hat in jenem von 2002 dessen umfangreiche Geschichte präsentiert – und damals auch festgestellt, dass der Landesmuseumsverein die „Institution schlechthin“ für die Kulturgeschichte des Landes war. Ob es nun Landes- oder Sozialkunde war, sprachwissenschaftliche oder geologische Studien: Der Verein hat auf allen Gebieten geforscht. „Vorarlberg ist etwa das einzige Bundesland, das schon seit den 1970er-Jahren eine flächendeckende Flurnamenerfassung vorzuweisen hat, die von Werner Vogt ausgearbeitet und vom Verein herausgegeben wurde“, führt Truschnegg ein Beispiel an.

„Schatztruhe“

Mitte der 1970er-Jahre kam es dann zu einer finanziellen Schräglage. Edwin Oberhauser hat damals als Vereinsvorsitzender die Finanzen saniert und in seiner langjährigen engagierten Präsidentschaft auch die Mitgliederzahlen erhöht. „Der Verein verfügt über ein ausgezeichnetes Archiv, das noch nicht aufgearbeitet ist“, erzählt Truschnegg, „die alten Besucherbücher zum Beispiel zeigen das ‚Who is Who‘ in Vorarlberg des 19. Jahrhunderts.“ Die Aufarbeitung dieses Archivs, „das eine richtige Schatztruhe ist“, sieht die seit letztem Jahr amtierende Präsidentin als eine ihrer Aufgaben für die Zukunft. Ein weiteres Ziel war und ist es, Kulturgüter zu sammeln, sie fürs Land zu bewahren, das Museum zu unterstützen und landeskundliche Forschung zu betreiben und vor allem zu fördern – was auch mit vier sehr aktiven Ausschüssen passiert. „Wir sind ein Verein für das ganze Land“, sagt Trusch­negg, der sich mit den Beiträgen seiner Mitglieder auch um die Kulturlandschaft kümmert. Die Mitglieder erhalten wiederum einige Vergünstigungen und auch eine Reihe von Veranstaltungen und Exkursionen werden angeboten.

Seit zwei Jahren wickelt der Verein, der jetzt auch über Büroräumlichkeiten im neuen Museum verfügt, in Zusammenarbeit mit Bundesdenkmalamt und Landes-Kulturabteilung ein Burgenprojekt ab, für das bisher rund 400.00 Euro von Bund und Land zur Renovierung von Burgen ausgeschüttet wurden. Ein Projekt, das wenn möglich weitergeführt werden soll. Und auch Schnittstelle für die Museen im Land zu werden, kann sich der Verein vorstellen, als „unabhängige Plattform“.

Neuer Schwung

Mit Brigitte Truschnegg, Thomas Klagian (Vizepräsident), Edeltraud Wirth (Kassierin) und Christof Thöny (Geschäftsführer) ist auch ein verjüngter Vorstand am Zug, der mit seiner einschlägigen Berufserfahrung auch inhaltlich manches auf den aktuellen Stand bringen kann. „Wir sind ein Superteam“, sagt die Präsidentin, das neuen Schwung in den altehrwürdigen Verein bringen und diesen auch öffentlich wieder präsenter machen will. Und dass bei der letzten Generalversammlung um Längen mehr Leute waren als in den Jahren zuvor, ist wohl ein Indiz dafür, dass sich da einiges bewegt und tut, das man mit Spannung verfolgen kann.

■ Ihr Verein soll im Rahmen der Serie vorgestellt werden? Dann schicken Sie eine E-Mail an dunja.gachowetz@neue.at.

Landesmuseumsverein

Gegründet: 1857.

Präsidentin: Brigitte ­Truschnegg. Vierköpfiger Vorstand, vier Ausschüsse. Über 1300 Mitglieder.

Informationen und Kontakt: www.vlmv.at

Artikel 1 von 11
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.