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Im Namen von Kalinka: Vater vor Gericht

Kalinkas Vater sieht sich als Kämpfer, er will Gerechtigkeit für seine tote Tochter. Den Vorwurf der Selbst- justiz weist er zurück. Seit gestern steht er vor Gericht

André Bamberski gibt sich unerschütterlich und von seiner Sache überzeugt. Er sieht sich als Kämpfer für seine Tochter Kalinka, die vor mehr als 30 Jahren unter nie ganz geklärten Umständen im Haus ihres Stiefvaters Dieter K. in Lindau ums Leben kam. Bamberski hält ihn für den Mörder des damals 14 Jahre alten Mädchens. Nun steht Bambers­ki im elsässischen Mulhouse selbst vor Gericht: Er soll für die Entführung von Dieter K. verantwortlich sein, um ihn in Frankreich vor Gericht zu stellen und ihn nach seiner Auffassung endlich zur Rechenschaft zu ziehen.

Jahrzehntelang hatte Bamberski den Arzt zuvor verfolgt. Nach der Verschleppung verurteilte die französische Justiz Dieter K. zu 15 Jahren Haft. Für Kalinkas Vater ein Erfolg. Deutschland hatte den heute 79-Jährigen nicht ausgeliefert, die deutsche Justiz stellte die Ermittlungen gegen ihn 1987 ein. Der Arzt beteuerte stets seine Unschuld.

Ruhig und gefasst

Der weißhaarige Bambers­ki trat am Donnerstag im Gerichtssaal ruhig und gefasst auf, gekleidet in ein kariertes Hemd unter einer hellen Weste. Er lehnte es ab, als Auftraggeber der Entführung dargestellt zu werden. „Ich habe keine Anweisung gegeben, sondern einen Vorschlag angenommen, den man mir gemacht hat“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur AFP. Auch den Vorwurf der Selbstjustiz weist er von sich. „Er ist angespannt und besorgt“, sagte sein Anwalt Laurent de Caunes vor Prozessbeginn. „Er kennt die französische Justiz und fürchtet sie.“

Der ehemalige Wirtschaftsprüfer Bamberski war sich immer sicher, dass Dieter K. seine Tochter 1982 vergewaltigte und anschließend tötete. „Am Grab meiner Tochter habe ich geschworen, im Kampf um Gerechtigkeit für sie niemals nachzulassen“, sagte er kürzlich in einem Interview der französischen Zeitung „Le Parisien“.

An dem ersten von zwei Prozesstagen ging es hauptsächlich um den Hergang der Entführung. Mit Bamberski angeklagt sind die beiden mutmaßlichen Entführer. Sie sprachen von einem mysteriösen „dritten Mann“. Sie selbst hätten im Auto gesessen und nicht gesehen, wer wen geschlagen habe.

Übel zugerichtet

Dieter K. war im Oktober 2009 gefesselt und mit Kopfverletzungen in Mulhouse in der Nähe des Gerichts gefunden worden. Nach einem Foto zu urteilen, das die Vorsitzende Richterin Françoise Bardoux hochhielt, war er übel zugerichtet und hatte ein dick geschwollenes Auge.

Bamberski hat immer behauptet, er habe handeln müssen, da die französische Justiz jahrelang untätig geblieben sei. Dass eine Straftat als gerecht betrachtet werden kann, hatte die französische Staatsanwaltschaft beim Prozess gegen Dieter K. 2012 festgestellt: „Es gab eine Entführung, doch es war eine gerechte Sache“, hieß es damals. Nur so habe der Stiefvater Kalinkas verurteilt werden können.

„Bamberski wird hoffentlich so bestraft, wie er es verdient“, sagte der Anwalt von Dieter K., Yves Levano, bevor die Verhandlung begann. Vielleicht gibt es in diesem Justizdrama noch einen nächsten Akt. Levano will vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die Frage nach dem Grundrecht auf ein faires Verfahren klären lassen. „Ist ein Verfahren legal, das durch eine Straftat (die Entführung) möglich wurde? Frankreich hat diese Frage bejaht. Man muss sehen, was der EGMR dazu sagt.“

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