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„Der Gesichtsausdruck und der Bart – das passt!“

Einer der Stars der Klassikwelt Bodensee in Friedrichshafen ist die „Duchess of Argyll“. Und mit dem Dampfschiff ihr Kapitän Reinhard Kloser.

Jochen Dedeleit

Wie Reinhard Kloser da an seiner neuen Liebe steht, hat etwas Imposantes. Etwas Stolzes sowieso. Ob nun der Kapitän der „Duchess of Argyll“ oder das Schiff selbst der Blickfang ist, kann vielleicht niemand der anwesenden Journalisten und Fotografen mit Bestimmtheit sagen. „Der Gesichtsausdruck und der Bart – das passt!“, sagt eine Frau anlässlich der Präsentation des Dampfschiffes im Hintergrund. Und als ob es Reinhard Kloser (66) gehört hat, schaut er ein weiteres Mal an seinem neuen Stolz hinauf. Und lacht. „Bei mir herrschte innere Aufruhr. Ich habe das Schiff, als ich es das erste Mal gesehen habe, schon im fertigen Zustand vor mir gesehen. Und genau so ist es geworden. Denn Zugeständnisse sind nicht mein Ding“, sagt der Harder.

Konkurrenz für Hohentwiel

In der Presseinformation der Klassikwelt Bodensee, die noch bis Sonntag in Friedrichshafen über die Bühne geht, heißt es auch folgerichtig: Das Juwel vom Bodensee, die Hohentwiel, bekommt ernsthafte Konkurrenz. Nicht was die schiere Größe angeht, aber zumindest bei Schönheit und Eleganz kann die „Duchess of Argyll“ (Herzogin der schottischen Grafschaft Argyll; Anmerk.) ihr das Wasser reichen. Was für drei Vorarlberger Klassikerfreunde, allen voran Reinhard Kloser, der schon federführend die Hohentwiel flottgemacht hat, vor ein paar Jahren mit einer fixen Idee begann, ist seit ein paar Tagen wahrhaftige Realität. Nach Tausenden von Arbeitsstunden bekommt das Dampfboot „Duchess of Argyll“ im Sommer, wenn auch das Sonnensegel gehisst werden kann, Bodenseewasser unter den Kiel.

Und weiter: Ein Dampfschiff aus Mahagoni und poliertem Messing, das über 130 Jahre lang königliche Herrschaften zu Kaffeefahrten auf der Themse in London geschippert hat, ist vor dem Stapellauf auf der Klassikwelt in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Über zwölf Meter lang und 4,5 Tonnen schwer, mit einem holzbefeuerten Dampfkessel, einem beeindruckenden Kamin und mit unzähligen Messinguhren bestückt, steht die „Duchess of Argyll“ als majestätischer Hingucker im Foyer West des Häfler Messegeländes. Nur noch fünf dieser Art soll es weltweit geben.

„Wir sind seit etwa sechs Jahren gute Freunde. Die Idee entstand zuerst, dann habe ich im Internet gesucht. Als ich fündig geworden bin, sind wir nach England gefahren“, erklärt Erich Hoop, dass zuerst nach einem geeigneten Schiff gesucht wurde. Mit diesem habe er sich schnell angefreundet, „ich bin sowieso ein spontaner Typ“, sagt der Liechtensteiner lachend, der just in dem Moment, als er ­dies sagt, den Dritten im Bunde begrüßt: Bootsbauer Hubert Hartmann.

Ende der 1960er-Jahre kaufte der Schiffsbauer Reg Jacobs die im River Wey gesunkene Dampfjacht für 50 Pfund und begann eine erste Restauration in der Schiffswerft von Weybridge. Die „Herzogin“ wurde dann im Dezember 2011 von den drei hiesigen Oldtimerfreunden gekauft. Nach der Überführung der 1883 erbauten Dampfjacht von England nach Vorarlberg wurde sie in der Holzbauhalle Hartmann in Hard untergebracht. Ziel war es, dem Dampfschiff wieder das majestätische Erscheinungsbild einer „Steam Launch“ aus der Region des Lake Windermere in England zu geben. Zu diesem Zweck wurde der ölbefeuerte Dampfkessel durch einen dem heutigen Standard und technisch korrekten Scotch Type Marine Zweizug-Dampfkessel mit Holzbefeuerung ersetzt. Der Druckteil wurde von der Firma Bertsch Kesselbau in Bludenz hergestellt.

Anstelle der ursprünglichen Dampfmaschine wurde eine leistungsfähige Dreifach-Expansionsdampfmaschine der Marke Sisson von 1906 eingebaut. Die Maschine wird im Kondensatbetrieb gefahren. Alle Beschläge wurden im Stil einer klassischen englischen Dampfjacht rekonstruiert, der Kamin aus gewalztem Blaublech neu aufgebaut und die meisten Zierteile für einen optimalen Korrosionsschutz vergoldet. Neben der Original Dampfpfeife erhielt die „Duchess of Argyll“ zusätzlich die Dampfnebelpfeife des ehemaligen k. u. k. Salondampfers „Stadt Bregenz“. Erich Hoop erinnert sich, als er in dem Schiff Platz genommen hat: „Ich habe bei Reinhard die Begeisterung gesehen. Und wusste um seine Vorstellungskraft. Wir sind auf einer Wellenlänge.“

Kapitän und Restaurator Reinhard Kloser, der noch der Vorstandschaft der schon legendären Hohentwiel angehört und den Wert des Schiffes zwischen 600.000 und einer Million Euro angibt, ist derweil ebenfalls wieder an Bord, auch eine weitere Bemerkung über sein Erscheinungsbild greift er sogleich auf. „Ich wurde in England schon einmal darauf angesprochen, dass ich dem Titanic-Kapitän Edward John Smith täuschend ähnlich sehe. Der Engländer meinte, er freue sich, mich auch nach 100 Jahren so lebendig zu sehen.“ Das Aussehen sei aber keine Absicht, versichert der 66-Jährige, „so sehe ich auch aus, wenn ich in den Garten gehe.“

■ Information: Die Klassikwelt Bodensee und die „e-mobility-world“ sind noch heute und morgen geöffnet. Die Öffnungszeiten: Samstag von 10 Uhr bis 19 Uhr, Sonntag von 10 Uhr bis 18 Uhr. Die Tageskarte kostet 15 Euro, ermäßigter Eintritt 13 Euro.

Technische Daten der Dampfjacht „Duchess of Argyll“

Erbaut: 1883 von der Schiffswerft Turks of Cookham als Dampfjacht

Bauform: Clipper Bug und ausgeprägtes Kreuzerheck gefertigt aus massivem Teak und Eichenholz

Gesamtlänge: 12,60 m

Gesamtbreite: 2,40 m

Gesamtgewicht: 5 Tonnen

Leistung der Dampfmaschine: 30 PS

Leistung des Dampfkessels: 180 kg/h

Maximaler Betriebsdruck: 14,5 bar

Maximale Heißdampftemperatur: 240 Grad Celsius

Geschätzte Geschwindigkeit: max. 20 Knoten

Zulassung: bis 14 Personen

Eignergemeinschaft:

Erich Hoop, Oldtimerliebhaber

Reinhard Kloser, Senior Kapitän und Dampfbootexperte

Hubert Hartmann, Bootsbauer

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