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Neue Wege bei der Entsorgung von Abfällen

Anfang Mai wurde in Feldkirch das Altstoffsammelzentrum eröffnet. Die Einrichtung soll neue Maßstäbe in der Abfallentsorgung setzen.

Elisabeth Maier

Müll ist nicht gleich Müll, das weiß jedes Kind.“ Wir Vorarlberger können uns zu den weltweit führenden Abfalltrennern zählen. Dazu wurden wir im wahrsten Sinne des Wortes erzogen. Unsere Einstellung zur Entsorgung ist unter anderem das Ergebnis einer umsichtigen Abfallpolitik während der vergangenen Jahrzehnte. Denn Mülltrennung ist zwar mit einem gewissen zeitlichen Aufwand verbunden. Doch den Abfall nicht zu trennen, bringt einen weitaus größeren Aufwand mit sich – einen finanziellen: Wer nicht trennt, zahlt empfindlich drauf. Mittlerweile hat sich auch eine gewisse Umweltethik in unserem kollektiven Bewusstsein entwickelt. Nachhaltig, ökologisch – neuerdings enkeltauglich wollen wir agieren. Da ist Mülltrennung doch ein guter Anfang. Das Wort „Recycling“ wurde jedenfalls ins Österreichische Wörterbuch aufgenommen.

Die primäre Intention hinter der Mülltrennung war zunächst die Problematik des Entsorgens. Die Berge an Unrat wuchsen langsam ins Uferlose und es wurde gegengesteuert, indem recycelbarer Abfall wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt wurde. Mittlerweile wird unser Restmüll verbrannt, da sind Abfallberge kein Thema mehr. Doch der Müll wird heute nicht mehr nur als lästiges „Überbleibsel“ gesehen, sondern vor allem als Rohstoff – als Sekundarrohstoff, um genau zu sein. Längst geht es nicht mehr nur um die bloße Beseitigung von Abfällen. Die Industrie ist zunehmend auf Ressourcen angewiesen, die durch das Recyceln wieder zugänglich gemacht werden. Deshalb hat sich um die Aufbereitung und Wiederverwertung dieser Sekundarrohstoffe ein großer Industriezweig gebildet. Auch im Ländle gibt es Unternehmen, die sehr gut damit wirtschaften.

Gerade in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen soll verhindert werden, dass wertvolle Rohstoffe in einer Verbrennungsanlage verloren gehen. Gerade in Siedlungsmüll steckt sehr viel Potenzial an verwendbaren Stoffen unterschiedlichster Art. Doch um dieses Potenzial wirklich auszuschöpfen, braucht es neue Wege in den Strukturen der kommunalen Abfallentsorgung.

45 verschiedene Abfallarten

Das in Feldkirch neu erbaute Altstoffsammelzentrum setzt deshalb in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe: Zunächst galt es, die Entsorgungsstrukturen so einfach und kundenfreundlich wie möglich zu gestalten. Durch getrennte Fahr- und Haltezonen sollen lange Wartezeiten und Staus vermieden werden. Abgesenkte Container erleichtern und beschleunigen das Einwerfen. Außerdem kann nun wirklich alles abgegeben werden, was in einem durchschnittlichen Haushalt an Altstoffen anfällt. Wobei viel stärker differenziert wird als bisher. Über 45 verschiedene Abfallsorten werden gesammelt. Reinold Lins, Teamleiter des Altstoffsammelzentrums, erläutert warum: „Es geht darum, möglichst sortenrein zu sammeln. Denn nur so können die Sekundarrohstoffe bestmöglich weiterverwendet werden. Außerdem erzielen die sortenreinen Wertstoffe am Recyclingmarkt bessere Konditionen. Das trägt dazu bei, die Abfallgebühren stabil zu halten.“ Allein bei den Metallen wird in acht verschiedenen Kategorien gesammelt – von Kupfer, Messing und Chromstahl bis zu Aluabfällen, Alteisen und Kaffeekapseln.

So mancher benötigt bei diesen vielen neuen Entsorgungsmöglichkeiten Unterstützung. Die Mitarbeiter vor Ort haben jedenfalls alle Hände voll zu tun, um beratend zur Seite zu stehen. Doch den Abfall so genau zu trennen, lohnt sich auch für den Bürger. 35 Sorten können nämlich kostenlos abgegeben werden. Und wer gut sortiert, kann sein Restmüllaufkommen stark reduzieren.

Angenehmes Umfeld

Neben dem funktionellen Raumkonzept war es aber ebenfalls ein Anliegen, mit einem ansprechenden Gebäude ein angenehmes Umfeld für die Abfallentsorgung zu schaffen – sowohl für die Kunden wie auch für das Betreuungspersonal. Zudem steht die Infrastruktur für die neue Grundhaltung in der kommunalen Abfallwirtschaft. Stand früher noch „Kein Müll ist der beste“ auf Feldkirchs Restmüllsäcken, so soll mit dem neuen Sammelzentrum eine Ideologie vermittelt werden, die das Wertpotenzial des Sekundarrohstoffes Abfall wertschätzt und nützt.

Natürlich ist der beste Umweltschutz immer noch, Abfall so gut als möglich zu vermeiden. Denn trotz guter Recyclingquoten sind wir doch eine Wegwerfgesellschaft. Gerade bei Elektrogeräten werden oft völlig einwandfreie Geräte entsorgt. Mittlerweile gibt es in Vorarlberg vielfache Bestrebungen, dem gegenzusteuern.

Deshalb ist im Altstoffsammelzentrum Feldkirch zukünftig ein „Re-Use“-Bereich vorgesehen, in dem gebrauchte, aber noch funktionstüchtige Elektrogeräte abgegeben werden können. Bau-Projektleiter Bernhard Kircher erklärt: „Dies ist ein erster Schritt und es werden sicherlich weitere folgen. Wir arbeiten jedenfalls konstant in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung. Das war bereits bei der Planung und beim Bau des Gebäudes ein großes Anliegen. Deshalb kam auch nur ein Baustoff in Frage: heimisches Holz, natürlich unbehandelt.“

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