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Christoph Waibel kandidiert für die FPÖ

Für eine Überraschung sorgte die Nominierung des ehemaligen „Vorarlberg heute“-Moderators auf Platz 4 der Dornbirner Bezirksliste.

Sonja Schlingensiepen

Es ist das Thema Integration, das Christoph Waibel besonders am Herzen liegt. „Über meine Schwester Uschi, die Rettungsärztin in Telfs ist und sich sehr bei Hilfsprojekten engagiert, habe ich viel zu diesem Thema mitbekommen“, sagt Waibel. Er meint zu wissen, wo der Schuh drückt. Ein klassisches Ausländerproblem sieht er in Österreich aber nicht. „Es gibt viel mehr Menschen, die am Rand stehen. Die Frage ist, wie man sie von dort weg bekommt. Ich meine, dass dies nicht mit Zwang oder Beschimpfungen funktioniert, sondern mit Hilfestellungen und Argumenten.“

Immer wieder werde seine Schwester von der Polizei um Hilfe gebeten, wenn es Probleme mit Ausländern gebe. „Dadurch habe ich auch gesehen, dass durch Engagement viele Dinge zu erreichen sind. Ich möchte wegkommen von den pauschalierten/pauschalisierten Ausländer-raus-Parolen. Es gibt so viele lässige Ausländer – egal, ob dies der Pizza-Knabe, der Mann vom Dönerstand oder andere sind, die bei uns schaffen und unser Kulturgut bereichern. Es sind nur wenige, die wir noch ins Boot holen müssen und das würde ich gerne tun.“

Waibels Worte sind Worte, die von den Freiheitlichen in der Vergangenheit nicht zu hören gewesen waren. Im Gegenteil: Im Landtagswahlkampf 2009 fiel Landesparteichef Dieter Egger mit seinem „Judensager“ negativ auf und katapultierte sich damit selbst aus dem Kreis der Regierungsmitglieder.

Sehr offene Gespräche

„Solche Sager wird es in diesem Wahlkampf und mit mir sicher nicht geben“, stellt der ehemalige ORF-Moderator klar. Egger und er hätten sich auch über dieses Thema unterhalten. „Wir haben sehr offene und ehrliche Gespräche geführt. Und eben auch Themen besprochen, wo ich mir gedacht habe, dass das knackig wird. Aber das war überhaupt nicht so.“ Nachdem jeder seine Meinung gesagt und die Karten auf den Tisch gelegt hätte, hätten die Freiheitlichen dem Quereinsteiger gleich das Integrationsressort angegeboten.

Wie es mit Angeboten der anderen Parteien ausgesehen hat? Immerhin ließ Neos-Nationalrat Gerald Loacker auf der par­teigenen Facebookseite wissen, dass Waibel für die Pinken kandidieren wollte. Einen Spitzenplatz bei den Wahlen vorausgesetzt.

„Es gab Vier-Augen-Gespräche mit Entscheidungsträgern anderer Parteien“, bestätigt Waibel. „Aber es waren Vier-Augen-Gespräche und ich werde nicht sagen, mit wem ich über welche Themen geredet habe.“ Am Ende habe sich nur mehr die Frage gestellt, ob er die FPÖ unterstütze oder gar nicht politisch tätig werde.

Ganz so überraschend war die Entscheidung dann doch nicht, schließlich kommt der Journalist aus einer freiheitlich-konservativen Familie. Vater Winfried Waibel war lange Zeit Obmann des Rings der Freiheitlichen Wirtschaftstreibenden Österreichs. „Er war aber nie Mitglied in einer Partei. Ich weiß, dass Jörg Haider ihm oftmals ein Nationalratsmandat angeboten hat. Aber das hat er nie angenommen.“

Der FPÖ ist Waibel junior noch nicht beigetreten. Ob er diesen Schritt gehen wird, hält er sich offen, sieht dies ähnlich wie bei der Mitgliedschaft in einem Sportverein. „Auch bei den Fechtern oder Keglern ist es so, dass es eine Zeit gibt, in der man sich gegenseitig kennenlernt. Und dann kann man sich entscheiden, ob man Mitglied wird.“

Andere Pläne

Die Pläne nach dem Abschied vom ORF wären zunächst andere gewesen: Vor eineinhalb Monaten gründete der TV-Moderator eine eigene Medienberatung und Filmproduktionsfirma und wollte diese aufbauen. Logisch, dass sich Waibel an den neuen Job noch nicht gewöhnt hat. „Ich weiß auch noch nicht, ob es mir überhaupt gelingt, Politiker zu sein. Und mir ist bewusst, dass ich anecken und den einen oder anderen Fehler machen werde. Vielleicht gehe ich die Sache auch etwas blauäugig an.“

Nahe liegt natürlich ein Vergleich mit ZiB-Moderator Eugen Freund, der bei den EU-Wahlen für die Roten ins Rennen ging. „Ich denke, dass es schon einen Unterschied gibt, denn Freund hat bis zum letzten Tag beim ORF gearbeitet und ist dann in Pension gegangen. Ich bin als freier Mitarbeiter ausgeschieden – ohne einen Anspruch auf Abfertigung.“

Nach über 1700 Sendungen blickt Waibel auf eine „megageile Zeit, während der ich mir gar nicht vorstellen konnte, etwas anderes zu tun“ zurück. Er schätze viele der Kollegen und werde nun sicher nicht auf den alten Arbeitgeber losprügeln. „Beim ORF laufen ein paar Dinge, wie sie laufen und deswegen bin ich nicht mehr da“, sagt er. Und: „Die Landesregierung hat den Chef bekommen, den sie wollte. Das habe ich zur Kenntnis zu nehmen und wenn mir das nicht passt, muss ich gehen.“

Gegangen ist er überraschend – weg vom ORF, hin zur FPÖ.

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