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Geheimnisvolle Ruine Alt-Ems erkunden

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt Wege und Stege im Ländle. Heute empfiehlt sie eine Runde über die Burg Alt-Ems zur Stoffels Säge-Mühle in Hohenems.

Die Stadt Hohenems besitzt eine der größten Burgruinen weitum. Diese liegt auf 740 Metern Meereshöhe, also etwa 300 Höhenmeter über dem Rheintal auf dem senkrecht aufsteigenden Felsrücken. Schon bei der Hohenemser Stadtpfarrkirche St. Karl zeigt eine große Infotafel die Grundrisse und Auszüge aus der Burggeschichte Alt-Ems. An der Infotafel vorbei, durch den Torbogen hindurch und rechts den Serpentinenweg hinauf und der Wanderer befindet sich auf dem Weg zum Schlossberg.

Eine reizvolle Wanderung mit vielen Kurven immer höher hinauf geht es und immer weiter wird die Aussicht. Es lohnt sich in den Kurven stehen zu bleiben, denn einmal offeriert sich der Blick weiter über den Bodensee und dann wieder hinauf ins Säntisgebirge mit den Ortschaften in der Talsohle und ganz nah Hohenems.

Obwohl die Burganlage schon in einer Dreiviertelstunde erreicht wird, steigt mit jedem Schritt die Spannung. Die außergewöhnlich schmale und lang gezogene Burganlage soll sieben Tore, eine Zugbrücke und 47 Räumlichkeiten, verteilt auf eine Länge von 800 Metern und 85 Metern Breite, besessen haben. Einst eine der größten Burganlagen im süddeutschen Raum.

Auf dem Schlossberg

Endlich öffnet sich der Wald und gibt einer großen Wiese mit alten Obstbäumen Platz. Der Schlossberg in stattlicher Höhe (670 Meter) ist erreicht. Gleich links überrascht das Haupttor, nämlich das Kaspartor (aus 1570) und der Wanderer kann in alte Zeiten eintauchen. Nun empfängt eine über 600 Jahre währende Geschichte den Wanderer, ehrenvoll aufbereitet mit Infotafeln, konservierten Mauerresten, passenden eisenartigen Skulpturen (vom liechtensteinischen Künstler Edgar Büchel gestaltet) und abgesicherten Wegen und Treppen.

Handgehauene Balken und von Hand geschmiedete Nägel sind stille Zeugen aus der Blüte der Festungsanlage Alt-Ems. Diese fügen heute so manchen Dachstuhl zusammen und tragen viele Zwischenwände der alten Häuser in Hohenems. Ja sogar Steine wurden aus den Mauern der Burg gebrochen und zu Tale gekarrt. Andere Gebäudeteile fielen bei Bergstürzen in das Tal hinab.

So ging am Ende des 18. Jahrhunderts eine über 600-jährige bewegte Historie zu Ende. Heute wird dieser Ort durch eine gebogene Torhalle begangen, von der Plattform aus bietet sich eine fantastische Aussicht: vom Bodensee im Norden bis zu der sich dahinter ausbreitenden Hegau-Landschaft. Zu Füßen liegt das Rheintal und darüber die Säntisgruppe. Auch das Schloss Glopper oder Burg Neu-Ems werden sichtbar. Nicht genug der fantastischen Aussicht, denn ganz an den Außenwerken der Burganlage auf dem „Gsätzle“ weitet sich der Fernblick bis zur Ruine Neuburg in Koblach.

Der Name „Alt-Ems“ (oder Alt-Embs) leitet sich von „Alta-Embs“ (lat. „altus“ = hoch) und bedeutet so viel wie „Hohe Ems“. Davon leitet sich heute der Name der Stadt Hohenems ab. In den Jahren von 1938 bis 1940 sowie 1965/66 wurde die Burgruine stark restauriert und 2006/07 wurde die Ruine erneut saniert.

Privatbesitz

Heute befindet sich die Ruine im Privatbesitz der Familie Waldburg-Zeil-Hohenems. Inmitten der Burganlage steht der Konradsbrunnen (aus dem 15./16. Jahrhundert) mit acht Metern Durchmesser und fünf Metern Tiefe. Hier an diesem geschichtsträchtigen Ort lässt sich gut verweilen und gedanklich in alte Zeiten abschweifen. Sogar eine gemütliche Grillstelle ist vorhanden.

Wie schon erwähnt, am Konradsbrunnen und am Kleinen Turm vorbei führt ein idyllischer Weg hinab zum „Gsätzle“, zu diesem unglaublichen Aussichtspunkt der Hochburg. Die ganze Burganlage durchschritten gelangt man wieder zum Schlossberg und mit dem Durchschreiten des Kaspartors (mit Graf Kaspar von Hohenems erfolgte um 1566 der Ausbau zur ausgedehnten Renaissance-Festung: nach dem Aussterben der Grafen von Hohenems ging die Burg 1765 an Österreich und wurde 1792 auf Abbruch versteigert) auch wieder ins Jetzt. Hinab schlängelt sich der Schlosssteig nah am Felsen in Richtung Hohenems-Zentrum. Über Buchenau-Emsreute und wieder rechts abzweigend kommt man am Freilichtmuseum Stoffels Säge-Mühle vorbei. Dies ist eine historisch, wasserrad-angetriebende Säge und Mühle in Originalgröße und in ihrer ursprünglichen Umgebung. Das Museum dokumentiert kulturgeschichtlich über 2000 Jahre Mühlentechnik. Ab hier ist der Ausgangspunkt wieder leicht zu finden. Am Bach entlang auf der Straße, durch den Häuserbogen hindurch und schon betritt der Wanderer einen schattigen Park, mit Brunnen und Bänken, unweit von der Stadtpfarrkirche St. Karl gelegen.

Kurzbeschreibung

Besonderes: interessante Kulturwanderung mit fantastischer Aussicht, ein Highlight für Burgenfreunde und Mühlenbegeisterte.

Anforderung und Gehzeit: In gemütlichen zwei Stunden werden 399 Höhenmeter im Aufstieg und Abstieg überwunden. Trittsicherheit ist erforderlich.

Charakter der Wege: Zu gehen sind schmale und breite Wald- und Wiesenwege, auch ein wenig Straßen-Strecke ist dabei.

Wichtig: Bei Sturm oder wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, ist die Tour nicht zu empfehlen.

Natur und Kultur: Jüdisches Museum, Nibelungenbrunnen, Stadtteile Jüdisches und Christliches Viertel, Jüdischer Friedhof, Jüdisches Museum, Stoffels Säge-Mühle, Renaissance-Palast – Fundort des Nibelungenliedes, Schloss Glopper oder Burg Neu-Ems, Altes Rathaus, Schubertiade, Stadtpfarrkirche St. Karl, Salomon-Sulzer-Saal, Markus-Sittikus-Saal, Kaiserin- Elisabeth-Krankenhaus, Naherholungsgebiet Rheinauen.

Anziehen und mitnehmen: Knöchelhohe, griffige Wanderschuhe sowie wetterfeste Kleidung sollten angelegt sein. Wanderstöcke sind empfohlen, Fernglas mitzunehmen – das ist auch eine gute Idee.

Einkehrmöglichkeiten: Verschiedene Gast- und Raststätten in Hohenems.

Start und Ende: Stadtpfarrkirche St. Karl.

Der Konradsbrunnen

Als im 10. Jahrhundert die wilden Ungarn bis weit nach Schwaben verheerend vorgedrungen waren, mussten viele hohe Herren und Dynasten vor diesem Feind die Flucht ergreifen und südwärts in die rätischen Gebirge flüchten. So erging es auch dem Graf Heinrich von Altdorf und Ravensburg, der mit seiner Familie in unser Land kam und nach der Sage die Veste Alt-Ems als sogenannte Fluchtburg erbaut hat. So weilte damals auch des Grafen Sohn Konrad, der nachmalige hl. Bischof von Konstanz, als Knabe auf dieser Burg. Der dortige St. Konrads-Brunnen erinnert noch an dessen einstige Anwesenheit daselbst. Auf wunderbare Weise hätte der fromme Knabe diesen Brunnen geschaffen. Als nämlich die Arbeiter beim Bau sehr vom Durste gequält worden seien und auf dem einsamen Fels kein Wasser für Mensch und Tier zu finden gewesen ist, stieg Konrad in die Buggenau hinab. Hier nahm er aus der Quelle, die noch gezeigt wird, Wasser in sein Tüchlein und trug es auf den Berg hinauf, ohne dass es ausrann, goß er es dort in ein Grüblein, das er gegraben, und von Stund an floss der Konrads-Brunnen.

Weil aber der Heilige ihn so mit göttlicher Hilfe zustande gebracht, hatte der Brunnen fortab die Eigenschaft, sogleich zu versiegen, sobald dieser durch schmutzige Wäsche oder ähnliche Dinge verunreinigt ward.

Wie die ganze Ruine Alt-Ems alle Jahre schneller verfällt, so liegt auch der Konradsbrunnen seit bald drei Jahrzehnten verfallen, aber noch zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde sein Wasser benutzt.

Quellen: Andres Ulmer (nach Vonbun-Sander), in: Rund um Vorarlberger Gotteshäuser, Heimatbilder aus Geschichte, Legende, Kunst und Brauchtum, Bregenz 1936, S. 33, www.hohenems.at, Steinerne Zeugen, Dieth Kulturverlag

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