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Fristende für das neue Pensionskonto

Ab 1. Juni geht das neue Pensionskonto online. Erich de Gaspari, Landesvorsitzender des Pensionistenverbandes, über die Vorteile des neuen Systems.

Ab 1. Juni geht das neue Pensionskonto online. Im Vorfeld wurden Fragebögen verschickt. Die Rücklaufquote scheint aber nicht zufriedenstellend zu sein?

Erich de GaSpari: Es ist so, dass rund 35.000 von 100.000 Vorarlbergern das Schreiben noch nicht beantwortet haben. Diese werden demnächst nochmal per RSB-Brief angeschrieben.

Was passiert, wenn der Brief nicht beantwortet wird?

De Gaspari: Die Kontoerstgutschrift, die ja als Grundlage für die Pensionsberechnung dient, wird dann mit den vorhandenen Daten erstellt. Das neue System gilt für alle, die nach dem 1. Jänner 1955 geboren sind. Ansprüche können noch bis 31. Dezember 2016 geltend gemacht werden.

Wie sieht es mit Änderungen nach diesem Stichtag aus?

De Gaspari: Die werden berücksichtigt, allerdings ist die Übergangsfrist dann vorbei. Das bedeutet, dass für die Berechnung andere Regelungen gelten, was wiederum zu geringeren Pensionen führen kann.

Die Anzahl derjenigen, die das PVA-Schreiben unbeantwortet lassen, ist relativ hoch. Warum?

De Gaspari: Es ist so, dass es vor allem unter den Jüngeren eine größere Verunsicherung gibt. Viele sind der Meinung, dass sie in 30 oder 40 Jahren ohnehin keine staatliche Pension mehr erhalten werden.

Glauben Sie denn, dass die heute 20- oder 30-Jährigen noch eine staatliche Pension bekommen werden?

De Gaspari: Ich bin überzeugt davon, dass das Pensionskonto so aufgebaut ist, dass es eine staatliche Pension geben wird. Die durchschnittliche Rente beträgt derzeit 1100 Euro. Das wird auch – angeglichen an die Inflation – in Zukunft so bleiben. Die Pension ist kein Geschenk des Staates, sondern eine Abgeltung für die Lebensleis­tung. Die Faustregel besagt, dass Dienstgeber, Dienstnehmer und Staat zu je einem Drittel beteiligt sind. Das Problem ist nur, dass die Beiträge vom Staat sinken.

Worin bestehen die Unterschiede zwischen altem und neuem System?

De Gaspari: Früher war es so, dass die angehenden Pensionisten rund zwei Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand ein grünes Formular ausfüllen mussten. Etwa vier bis acht Wochen nachdem sie ihre Versicherungszeiten bekannt gegeben hatten, haben sie eine Mitteilung erhalten, was sie voraussichtlich bekommen würden. Die Angaben waren aber nur fiktiv.

Worin bestehen die Vorteile des neuen Pensionskontos?

De Gaspari: Das ganze System wird transparenter. Die Versicherungszeiten werden jährlich erfasst. Jeder Versicherte kann eine Art Vorausberechnung einsehen und schauen, wie hoch seine Pension ausfallen wird. Ein weiterer Vorteil ist eine Vereinfachung der Verwaltung.

Sie haben in den vergangenen Monaten vielen Vorarlbergern bei der Beantwortung der Fragen geholfen.

De Gaspari: Ja, die Verantwortlichen des Pensionistenverbands bieten den Service kostenlos an. Es waren auch einige junge Leute bei uns, die verschiedene Fragen zum Thema Pension hatten.

Welche Probleme sind bei der Beantwortung des Fragebogens aufgetreten?

De Gaspari: Es gab Personen, die gar keine Unterlagen über ihre Angestelltenverhältnisse hatten. Die haben wir dann zu den Gebietskrankenkassen geschickt. Ab 1. Jänner 1972 können die GKK-Mitarbeiter digital auf alle Daten zugreifen. Davor wurde alles händisch geführt und ist in den Archiven.

Bis wann reichen diese Archive zurück?

De Gaspari: Nach dem Weltkrieg war man darauf bedacht, all diese Daten sicher zu verwahren und hat die Filme in verschiedenen Bunkern gelagert. Die Versicherungszeiten aus den 50er-, 60er-Jahren sind auf Mikrofilmen festgehalten. In einem Bunker bei der Dornbirner VGKK liegen immer noch Daten aus Ostösterreich. Das Problem ist, dass die Unterlagen immer mehr verblassen und zum Teil nicht mehr lesbar sind. Dann werden die fehlenden Jahre anhand der noch vorhandenen Lohnzettel oder der damals geltenden Kollektivverträge rekonstruiert.

Das dürfte dann aber nur mehr auf diejenigen im alten System zutreffen.

De Gaspari: Das stimmt. Da haben wir uns ebenfalls schwer getan mit den angehenden Pensionisten, die mehrere Dienstverhältnisse hatten oder eben in unterschiedlichen Bundesländern beschäftigt waren. Kompliziert wird es beispielsweise auch bei Köchen, die auf Kreuzfahrtschiffen beschäftigt sind. Die sind dann in Norwegen oder Südafrika angestellt – je nachdem unter welche Flagge das Schiff fährt. Und einmal hatten wir einen Burgenländer, der 144 Dienstverhältnisse in acht verschiedenen Ländern hatte…

Das klingt fast nach einer Lebensaufgabe. Wie sieht es im neuen System mit Arbeitszeiten im Ausland aus?

De Gaspari: Alle Anträge sind in dem Bundesland einzureichen, wo die betreffende Person im Moment wohnt. Arbeitszeiten im Ausland sind auf einem separaten Formular aufzuführen.

Müssen Schul- und Universitätszeiten überhaupt bekannt gegeben werden?

De Gaspari: Nein und es bringt auch keine finanziellen Einbußen mit sich. Nur wer Schulzeiten nachkaufen will, sollte dies tun. Inzwischen ist dies allerdings recht teuer geworden und wird nur mehr wenig in Anspruch genommen. Ob das rentabel ist, muss man von Fall zu Fall anschauen.

Sind Sie zufrieden mit dem neuen System?

De Gaspari: Im Großen und Ganzen schon. Einiges, was von der Expertenkommission vorgesehen war, wurde verhindert. Etwa eine Verlängerung des Arbeitsalters, die sich am Durchschnitt der Arbeitsjahre in einer Branche orientiert. Wir haben ein leistungsorientiertes und transparentes System.

Welche Wünsche hätten Sie in Sachen Pensionen?

De Gaspari: Wichtig wäre, die Frauengehälter an die der Männer anzupassen. Begrüßen würde ich auch die Einführung eines Mindestlohns in Höhe von 1500 Euro. Und ganz wichtig wäre eine Bildungsoffensive bei den Jugendlichen. Die wenig Begüterten und Einwandererkinder müssen gefördert werden, damit sie nicht die Arbeitslosen der Zukunft werden.

Sonja Schlingensiepen

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