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Sicher im Haifischbecken unterwegs

Als Sechsjähriger verkaufte er auf der Seepromenade Ansichtskarten an Touristen. Heute verkauft er Konzertkarten an hunderttausende Menschen österreichweit: Der Bregenzer Walter Egle (Show Factory) wird am Abend im Festspielhaus mit dem Veranstalterpreis 2014 ausgezeichnet.

Brigitte Kompatscher

Sein erstes Geschäft hat er als Sechsjähriger aufgezogen – und mit einem Misserfolg beendet. Gemeinsam mit einem Freund hat der seit wenigen Tagen 44-jährige Walter Egle damals um je zwanzig Schilling Ansichtskarten gekauft und an der Seepromenade teurer an Touristen verkauft. 660 Schilling Gewinn hätten sie gemacht, erinnert sich Egle, und damit wieder Ansichtskarten erstanden. „Allerdings hatten wir übersehen, dass die Festpielsaison vorbei und die Touristen weg waren, wodurch wir auf unseren Karten sitzengeblieben sind.“ Der Weitblick habe damals ein wenig gefehlt.

Frühes Merchandising

Geboren und aufgewachsen in Bregenz, mit einem zehn Jahre älteren Bruder und einer ein Jahr jüngeren Schwester, hat Walter Egle nach der Schulzeit eine Lehre als Einzelhandelskaufmann gemacht und später auch als Kosmetikvertreter für Unilever gearbeitet. Schon als Elfjähriger ist er aber mit dem Peter Kaufmann Quintett, ehemaligen Nachbarn, als CD- und Plattenverkäufer im Bierzelt von Tisch zu Tisch durch die Lande getingelt. Und er war 17, als er bei einem „Musikantenstadl“ von den Zillertaler Schürzenjägern angesprochen wurde, ob er jemanden kenne, der ein Konzert der Tiroler Band auf der Seebühne organisieren könne. „Ich hab’ gesagt, das mach’ ich.“ Als zwei Tage später allerdings wirklich der Bandmanager anrief, musste Egle gestehen, dass er kein Geld für die Organisation habe. Worauf die Antwort kam, „dass sie das Geld hätten und ich für jedes verkaufte Ticket 20 Schilling bekomme“.

„Ich war damals naiv und dumm“, sagt Egle heute, „die Tragweite eines solchen Konzertes habe ich natürlich nicht begriffen“ – alllerdings seien zu der Zeit viele naiv gewesen, im Gegensatz zu heute, wo jeder wisse, wie es geht. Der damals 17-Jährige setzte sich 1987 also auf sein Fahrrad und begann zu plakatieren: „Dass es dafür eine Genehmigung von der Stadt braucht, wusste ich nicht.“ Innerhalb von einer Woche waren alle Tickets verkauft und der Jugendliche hatte 100.000 Schilling verdient. „Da bin ich dann fast größenwahnsinnig geworden.“ Er kaufte sich ein Auto um 70.000 Schilling und veranstaltete ein Konzert der deutschen Band Truck Stop – mit einem Verlust von 35.000 Schilling. Unterm Strich also ein Minus von 5000 Schilling, das ihm seine „Freunde aus Tirol“, die Schürzenjäger, mit einigen Konzerten im Land wieder ausbügeln halfen.

„So hat es angefangen“, erzählt Egle, der dann 1991, mit 21 Jahren, selbstständig wurde und die Show Factory gründete. Es folgten unter anderem 1994 das erste Schlagerfestival auf der Seebühne – „das war für Vorarlberg eine Veranstaltung wie in Hollywood“ – und 1995 und 1996 Hauptabendsendungen im ORF. Im Jahr 2000 verkaufte er dann die Hälfte seines Unternehmens an den großen deutschen Konzertveranstalter Semmel Concerts und da sei es dann richtig losgegangen. „Mir hat am Anfang die Vision gefehlt“, zieht Egle heute Resümee, „mein Ziel war es, der größte Konzertveranstalter Vorarlbergs zu werden.“ Dass da noch viel mehr drin gewesen wäre, war ihm damals nicht bewusst. Wodurch er zehn Jahre verschlafen hätte.

Internationale Liga

Bereits 2002 holte man sich mit Marek Lieberberg einen dritten dazu und gründete die LS Konzertagentur in Wien. „Den Krieg in Österreich kann man nur gewinnen, wenn man ein Büro in Wien hat.“ Und ab da wurde dann in einer internationalen Liga mitgespielt. Vom ursprünglichen Schlager- und volkstümlichen Bereich, wo man Marktführer in Österreich und der Schweiz sei, wurde das Repertoire um „Familyentertainment“ (unter anderem André Rieu oder Michael Flatley) und in den letzten Jahren Zirkus (unter anderem „Afrika! Afrika!“), aber auch Rock und Pop erweitert. „Ich habe im Adeg meine Lehre gemacht und damals gelernt, wenn man wirklich erfolgreich sein will, braucht man ein breites Angebot. Und als Veranstalter haben wir eine Bandbreite wie sonst keiner in Österreich.“

Die bisher größte und erfolgreichste Veranstaltung waren AC/DC 2010 in Wels mit 100.000 Besuchern. „Das größte Live-Konzert, das es je in Österreich gegeben hat“, stellt Egle fest. Für U2 wurden innerhalb von ein paar Stunden 75.000 Tickets verkauft, aber auch einige Bruce-Springsteen-Konzerte stehen auf der Veranstaltungsliste des Bregenzers, oder Anna Netrebko, Rolando Villazon und Placido Domingo.

„Es ist sicher ein Traumberuf“, sagt der 44-Jährige, „meinem Sohn würde ich ihn aber nicht empfehlen. Es ist ein Haifischbecken“ – und mit überaus großem Risiko behaftet. Was auch Egle erfahren musste. Mit dem Linzer Weihnachtscircus hat er 2011 einen Tagesverlust von 370.000 Euro erlitten – „das tut richtig weh“. Andererseits ist der Bregenzer einer der wenigen seiner Branche, der noch nie einen Ausgleich oder einen Konkurs hinter sich bringen musste. „Das Wichtigste ist, dass wenn man ein Risko eingeht, man das am Ende des Tages auch zahlen kann“, so sein Credo. Menschen glücklich machen und damit Geld verdienen, zieht sich als roter Faden durch sein Tun.

Mit rund 400 Veranstaltungen im Jahr ist Egle mittlerweile im Dauerstress. Angefangen hat er in einer Zeit, als es noch kaum Events gab, Vereine beim Aufbauen halfen und Security noch kein Thema war. Damals wären auch tausend Leute an die Abenfkassa gekommen – im Gegensatz zu heute: „Was nicht im Vorverkauf geht, geht nicht mehr.“ Und nachdem mit Musikträgern mittlerweile kein Geschäft mehr zu machen sei, wären so viele Bands wie noch nie auf Tour.

Neben seinem Job ist Egle Präsident der Pfändervögel, einer Gruppe von Freunden, die unter anderem regelmäßig auf den Bregenzer Hausberg wandert. „Aber ich bin der Faulste.“ Und als ehemaliger Faschingsprinz ist er auch im Bregenzer Fasching aktiv. „Aber das war’s auch schon.“ Mehr Zeit bleibt neben der Arbeit nicht – beziehunsgweise gibt es da noch Sohn Maximilian, der kommende Woche ein Jahr alt wird. „Das ist das Größte im Leben, das hätte ich nicht gedacht. Das ist größer als AC/DC.“

Geschäftsmann

Privat hört Egle eigentlich nie Musik. „Mir geht es da wie einem Schokoladefabrikanten, der sein Produkt in der Freizeit wahrscheinlich auch nicht mehr sehen kann.“ Und eine CD hat er sich in seinem ganzen Leben noch nie gekauft. „Ich bin nicht der Musikfan, ich bin eher der Geschäftsmann. Ich mache Musik, um damit Geld zu verdienen.“ Womit er bisher sehr erfolgreich gefahren ist, nachdem er auch den kompletten Einkauf selber macht. „Ich will, dass das Publikum besser rausgeht, als es reingekommen ist“, beschreibt er seine Vorstellungen, um abschließend festzustellen: „Uns gibt es jetzt 23 Jahre. Ich hoffe, dass es uns noch zwanzig Jahre gibt.“

Vom Veranstalterverband Österreich mit seinen 55.000 Mitgliedern wird Walter Egle heute Abend im Bregenzer Festspielhaus mit dem Veranstalterpreis 2014 ausgezeichnet.

„Mir hat am Anfang die Vision gefehlt.“

Walter Egle, Showfactory-Gründer und -Chef
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