Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Luterachar Schollesteachar

„Den Fasching muss man mögen“

Vor 35 Jahren wurden die Luterachar Schollesteachar gegründet. Der ehemalige Präsident Hans Peter Germann erzählt unter anderem, wie es zum Namen kam und warum es Vereinsmeier braucht.

Brigitte Kompatscher

Der Fasching hat in Lauterach eine lange Tradition. „Den Kinderfasching hat man immer schon gemacht“, erzählt Hans Peter Germann, und um das Ganze dann auch in geordnete Bahnen zu bringen, wurde am 11. November 1980 um 11.11 Uhr eine Zunft mit dem Namen Luterachar Schollesteachar offiziell aus der Taufe gehoben. Germann ist über die Feuerwehr, deren Mitglied er war, im Jahr 1988 gemeinsam mit seiner Frau zur Zunft gekommen, war dann 24 Jahre lang Schriftführer und von 2002 bis 2012 Präsident.

Der Zunftnamen habe sich fast aufgedrängt, erzählt er weiter. Hat Lauterach doch eine jahrhundertealte Tradition des Schollenstechens im Ried, bei dem früher kostengünstiges Brennmaterial hergestellt wurde. Und Schollen gestochen werden auch heute noch. An jedem 11. November, zum Faschingsauftakt, hält die Zunft ihre Festsitzung ab. Bei der werden zunächst das Programm der Saison vorgestellt und Mitglieder geehrt und dann geht es ins Ried – zum Schollenstechen. „Um die Tradition und Geschichte aufrecht zu erhalten“, sagt Germann. Und die soll auch beim Nachwuchs nicht in Vergessenheit geraten. Daher werden jährlich im Frühjahr und Herbst Kindergartenkinder und Volksschüler eingeladen, zum „meines Wissens nach noch einzigem Schollenloch in Vorarlberg“, das von der Zunft gepachtet wurde. Um auch den Kindern zu zeigen, wie der Torf aus dem Boden gestochen wurde, um ihn dann zu trocknen und zu verheizen.

„Türbolar“

Auch der Faschingsruf der Lauteracher hängt mit dem Torf zusammen: Die Torfschollen nannte man „Turben“. Für die Bevölkerung von Lauterach ist der Name „Türbolar“ geblieben – woraus dann der Ruf „Ore Ore Türbolar“ wurde.

Im Mittelpunkt der Zunft steht aber natürlich die fünfte Jahreszeit und die wird von den rund 120 Mitgliedern jährlich ausgiebig zelebriert. Die Luterachar Schollesteachar, bei denen im Laufe der Jahre Schalmeienzug, Kinder-, Teenie- und Mädchengarde dazugekommen sind, nehmen pro Saison an rund acht Umzügen teil – in der Umgebung aber auch bei befreundeten Vereinen in der nahen Schweiz und Deutschland.

Den eigenen Umzug veranstalten sie jährlich abwechselnd mit Wolfurt. Dazu kommen der eigene Zunftball oder die ­Wibr Fasnat (siehe Factbox) und Besuche von Abordnungen bei Bällen anderer Zünfte. Dreimal haben die Schollesteachar auch schon den Landesnarrentag ausgerichtet. Eine Aktion, die ohne eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde nicht funktionieren würde, wie Germann sagt. „Da sind dann zehntausend Leute im Dorf. Das ist für einen Verein wie wir es sind schon ein Riesenaufwand.“

Während sich für den Großteil der Mitglieder die Vereins­tätigkeit vor allem auf den Fasching konzentriert – da dafür umso intensiver – ist der Vorstand, der sogenannte Elferrat, das ganze Jahr über immer wieder mal aktiv, berichtet der frühere Präsident aus dem Vereinsleben. „Ein bisschen was ist immer los.“ Ursprünglich gehörte auch der Funken zum Aufgabengebiet des Faschingsvereins, bis dann vor rund 20 Jahren in der Marktgemeinde eine eigene Funkenzunft gegründet wurde.

Thema Sicherheit

Ein großes Thema bei den Faschingszünften sei mittlerweile die Sicherheit bei den Wägen, informiert Germann. „Früher ist man ja zu Fuß gegangen. Da ist es zunächst einfach nur darum gegangen, dass alle dieselbe Jacke anhaben.“ Aber nachdem es mit Wägen auch Unfälle gegeben habe, sei diesbezüglich viel investiert worden. Er selbst habe in den letzten Jahren auch immer wieder mit den Jugendlichen, die da manchmal gern über die Stränge schlagen, darüber geredet und versucht, ihnen die Problematik bewusst zu machen. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass man früher selbst oft nicht anders war und insofern Verständnis für das jugendliche Treiben gefragt sei.

Neben dem Wagen sind es vor allem die Gewänder und Instrumente des Schalmeienzuges, die vom Verein auch einiges an finanziellen Investitionen verlangen, erzählt Germann. „Vor fünf Jahren haben wir den Schalmeienzug und die Garden mit neuem Gewand ausgestattet.“ Rund 40.000 Euro hat das Ganze gekostet. Gel­der, die mit den Veranstaltungen erwirtschaftet werden müssen. Dazu kommen Subventionen der Gemeinde.

Und warum macht man das Ganze? „Weil es Spaß macht“, kommt die Antwort. Und: „Man muss schon ein bisschen ein Vereinsmeier sein und es gern tun, sonst macht es keinen Sinn. Jeder Verein braucht eine Handvoll Vereinsmeier, dann funktioniert es.“ Nachwuchssorgen haben die Luterachar Schollesteachar aufgrund der eigenen „Nachwuchsarbeit“ mit den Garden nicht und auch den Schalmeienzug beschreibt er als „besonderes Erlebnis für junge Burschen“. Die Faszination des Faschings sieht er zudem auch darin, dass er auf eine bestimmte Zeit begrenzt ist. Alles, was man dauernd haben kann, verliert ja bekanntlich seinen Reiz.

Wen Germann allerdings nicht mehr für den Fasching begeistern kann, sind seine eigenen drei Kinder. Während er und seine Frau 24 Jahre lang im Elferrat tätig waren, war es beim Nachwuchs mit 15, 16 Jahren vorbei. „Den Fasching muss man mögen“, sagt der Faschingsfan, „entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht.“ Und da hat er wohl Recht.

■ Ihr Verein soll im Rahmen der Serie vorgestellt werden? Dann schicken Sie eine E-Mail an dunja.gachowetz@neue.at

Veranstaltungen

Zunftball der Luterachar Schollesteachar: Samstag, 31. Jänner, 20 Uhr, Hofsteigsaal, Lauterach.

Wibr Fasnat: Donnerstag, 12. Februar, 15 Uhr, Pässler & Schlachter, Bahnhofstr., Lauterach.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.