Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Umfrage: Internationaler Wettbewerb wird härter

Der Export der Vorarl­berger Industrie ist weiterhin top, doch die Verkaufspreise stehen massiv unter Druck. Das zeigt die aktuelle Umfrage zur Industriekonjunktur. Der Beschäftigungsstand kann gehalten werden.

Aaron Brüstle

International schwierige Bedingungen für die Vorarlberger Industrieunternehmen sieht Christoph Hinteregger, Industrie-Spartenobmann der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Im Besonderen steige der Druck, die Produkte billiger anzubieten, analysierte er die Ergebnisse der Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2014, die er gestern im Wifi Dornbirn gemeinsam mit dem Spartengeschäftsführer Michael Amann und Mathias Burtscher von der Industriellenvereinigung Vorarl­berg präsentierte. An der Umfrage hatten sich 42 Unternehmen mit insgesamt 19.368 Beschäftigten beteiligt.

Zuversichtliche Textiler

Derzeit rechnet nur die Vorarlberger Textilindustrie, die sich auf Nischen spezialisiert hat, mit steigenden Verkaufspreisen. Die Geschäftslage für die kommenden sechs Monate schätzen die Textilunternehmer so ein: stabil, aber nach wie vor auf niedrigem Niveau. In Vorarl­bergs größter Branche, der Maschinen- und Metallindustrie, sprechen die Geschäftsführer von einer aktuell mäßigen Geschäftslage. Nur 23 Prozent befinden sie aktuell für gut. Besser fällt die Zukunftseinschätzung der Metaller aus. In sechs Monaten sehen beinahe zwei Drittel eine günstigere Geschäftslage. Und obwohl gut die Hälfte der befragten Unternehmer sinkende Verkaufspreise befürchtet, könne der Mitarbeiterstand in der Metallbranche gehalten werden. „Facharbeiter sind stets gefragt“, dazu Hinteregger.

Ein düsteres Bild zeichnen die Rückmeldungen aus der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Für ein Drittel ist die derzeitige Lage schlecht, nur für elf Prozent gut. Sehr pessimistisch sind die Erwartungen hinsichtlich der Verkaufspreise: Drei Viertel rechnen mit sinkenden Preisen, kein Unternehmer erwartet eine günstigere Preissituation. Spartengeschäftsführer Amann erklärte: „Vor allem die hohe Konzentration im Lebensmittelhandel wirkt sich negativ auf die Ertragssituation aus.“ So gebe es europaweit einige große Player, welche die Bezugspreise diktieren.

„Keine Insel der Seligen“

Die verhältnismäßig beste Geschäftslage zeigt sich in der Branche Elektro- und Elektronikindustrie. 96 Prozent bezeichnen sie als aktuell gut, kein Unternehmer spricht von einer schlechten Geschäftslage. Auftragsbestand und Auslandsaufträge werden von allen als gut bezeichnet. Als einzige Branche können sich Elektro- und Elektronikunternehmer eine Erhöhung ihres Beschäftigtenstandes vorstellen. Fast vierzig Prozent überlegen, neue Mitarbeiter anzustellen.

Die aktuellen Ergebnisse der Umfrage zeigten eines ganz deutlich, betonte der Spartenobmann: „Die Vorarl­berger Industrie ist von den internationalen Entwicklungen geprägt“. Und: „Wir sind keine Insel der Seligen. Als starkes Exportland spüren wir die Auswirkungen der internationalen Krisenherde massiv.“ Nun gelte es, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunkene Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Vorarlberg wieder zu steigern und von weiteren Belastungen für die Betriebe abzusehen.

Deshalb sprechen sich Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gegen das aktuell diskutierte Quotensystem mit Strafzahlungen für Betriebe hinsichtlich der Beschäftigung älterer Mitarbeiter aus. „Die Industrieunternehmen benachteiligen keine älteren Mitarbeiter, sondern zählen auf deren Know-how und hohe Einsatzbereitschaft“, meinte Hinteregger. Dies belegte er damit, dass in Vorarl­berg der Anteil der unselbstständig Beschäftigten im Alter von 45+ zwischen 2009 und 2014 um ein Viertel zugenommen hat, nämlich von 44.444 auf 55.871 Personen.

Ein Quotensystem würde keine neuen Arbeitsplätze bringen, sondern nur noch mehr Lasten für vielfach am Limit arbeitende Unternehmen. Und er fügte hinzu, dass der beliebteste Sport in Österreich nicht das Skifahren sei, sondern so früh wie möglich in Pension zu kommen. Statt Strafzahlungen forderte Hinteregger daher spürbare Entlastungen für Mitarbeiter und Unternehmen, eine Senkung der Lohnzusatzkosten wie auch ein Angehen überfälliger Strukturreformen.

Anreiz-Modell

In der Wirtschaftskammer will man indes nicht nur auf die Steuerreform der Regierung warten. Hinteregger präsentierte ein Modell der Wirtschaftskammer Österreich mit dem Namen „25-25-50“. Dieses sieht vor, das wer über das beginnende Pensionsantrittsalter hinaus arbeitet, 25 Prozent seines Pensionsanspruchs zusätzlich zum Lohn ausbezahlt bekommt. 25 Prozent der Ansprüche werden dem Arbeitgeber als Lohnzuschuss überwiesen, um die Weiterbeschäftigung attraktiver zu gestalten. Die restlichen 50 Prozent verbleiben im Pensionstopf und entlasten damit das System, erläuterte Hinteregger. „Damit wäre es auch möglich, Wettbewerbsvorteile, die sich aus dem besonderen Handlungs- und Erfahrungswissen älterer Arbeitskräfte ergeben, als Win-win-Situation für unsere Betriebe zu nutzen und gleichzeitig das Pensionssystem zu entlasten.“

Damit den Menschen bei ihrem Einkommen mehr Netto vom Brutto bleibt, brauche es insgesamt eine sinnvolle Steuerstrukturreform, die die kalte Progression der letzten Jahre beseitigt, meinte der Spartenobmann weiter. Nicht die Betriebe zahlten zu geringe Löhne, sondern der Staat nehme durch Steuern, Sozialbeiträge und Gebühren unverhältnismäßig viel weg. Etwaige Vermögens- oder Erbschaftssteuern seien hingegen ein Totalschaden für die heimische Wirtschaft. Diese kämen einer „eiskalten Enteignungswelle“ gleich. Die Lösung sei ein sparsamerer und effizienterer Staat, meinte Hinteregger abschließend.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.