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Prominenz im Kampf gegen die Gesamtschule

„Pro Gymnasium“ lud zur Pressekonferenz. Inhaltlich Neues gab es nichts, dafür eine ganze Reihe prominenter Unterstützer.

Im vergangenen Dezember hatte die ÖVP-nahe Schüler­union in Zusammenarbeit mit der Initiative „Pro Gymnasium“ ihre Kampagne für die Beibehaltung der Gymnasium-Langform und gegen eine Gesamtschule präsentiert. Gestern nun wurde das Personenkomitee von „Pro Gymnasium Vorarl­berg“ vorgestellt: eine ganze Reihe prominenter Vorarlberger, die in ihren Statements zur Verteidigung des Status quo antraten. Fast 30 Personen umfasse das Komitee derzeit, erläuterte Wolfgang Türtscher, Landessprecher der Initiative, deren Anliegen es ist, „diesen Strukturstreit Gymnasium versus Gesamtschule zu beenden“ – zumal Türtscher auf nationaler Ebene keine Mehrheit dafür sieht und es auch keine Gründe dafür gebe, wie er sagte. Neben dem Ende der Debatte und dem Erhalt des achtjährigen Gymnasiums fordert „Pro Gymnasium“ eine Weiterentwicklung im Bildungsbereich. So stehen diesbezüglich unter anderem eine Änderung der Aufnahmekriterien am Gymnasium, eine Errichtung zusätzlicher Oberstufen-Standorte, eine höhere Wertschätzung der beruflichen Ausbildung und „als stärkste Herausforderung“, so Türtscher, die Frühförderung auf dem Plan.

Einer der Unterstützer des Komitees ist ÖVP-Alt-Landesrat Rainer Gögele, seit 35 Jahren als Lehrer tätig, „immer noch sehr gerne und phasenweise mit großer Begeisterung“. Er bezeichnete die Gymnasium-Langform als etablierte und bewährte Bildungseinrichtung, deren Vorteile in der breiten Allgemeinbildung und der Vermittlung der Studierfähigkeit bestünden. Klaus Ender vom Elternverein am BG Blumenstraße Bregenz wies unter anderem auf die Kosteneffizienz von Gymnasien hin, die weit billiger seien als die Mittelschulen. Und „unsere Kinder sind zu schade, dass wir sie in einem Gesamtschulprojekt verheizen“, meinte er. Der Künstler Gottfried Bechtold, ebenfalls im Komitee, plädierte für eine Aufwertung der Schule und der Lehrer, deren Image viel zu schlecht sei. Und eine Analogie zu seinem Beruf fand er auch: „Die Schule arbeitet mit lebendigem Material. Sie modelliert Menschen.“

Mit 19 auch überfordert

Wenig abgewinnen kann der ehemalige ÖVP-Landtagsabgeordnete und Brigadier Gottfried Schröckenfuchs dem Argument der Gesamtschulbefürworter, dass eine Entscheidung mit neun Jahren noch zu früh sei. „Sie sind auch mit 14 und mit 19 überfordert.“ Letzteres habe er bei seinen Rekruten erlebt. Schröckenfuchs sprach von einem seit Jahrzehnten erfolgreichen österreichischen Bildungsweg. Wenngleich er der Überzeugung ist, dass es Reformen geben muss – und das als „in meinem Beruf Reformgeschädigter“, sagte der ehemalige Militärkommandant.

Und VLV-Vorstandsdirektor Robert Sturn meinte, dass es an der Zeit sei, durch derartige Initiativen auch Politik zu machen. Er plädierte dafür, den Verantwortlichen in den Schulen mehr Kompetenz zu geben. Primar und Universitätsprofessor Etienne Wenzl, ebenfalls bei der Initiative, erzählte, dass er bei seinen Studierenden sehr gut erkennen könne, welche Vorbildung sie hätten. Und der Großteil derer, die ein Gymnasium besucht hätten, wickelten das Medizinstudium sehr gut ab. Eine Gesamtschule würde zwangsläufig zu einer Nivellierung nach unten führen, so seine Meinung.

Lehrlingsexperte Egon Blum sprach sich für das Gymnasium als einen Teil des Ausbildungs­angebots aus. Zudem brauche man die Gymnasium-Unterstufe, denn „wir dürfen nicht den Wettbewerb ausschalten“. Allerdings müsste man seiner Ansicht nach die Berufsinformation in der Unterstufe verbessern – was von der anwesenden Landesschulinspektorin Christine Schreiber damit gekontert wurde, dass das schon passiert sei. Einig wurden sich die beiden nicht.

Dass gestern nur Männer als Mitglieder des Aktionskomitees auftraten, ist kein Zufall: Auf der 27 Personen umfassenden Liste finden sich gerade einmal vier Frauen. Angesichts dessen, dass Frauen im Regelfall größtenteils mit Kindern zu tun haben, mutet das dann doch irgendwie eigenartig an.

Brigitte Kompatscher

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