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„Schulden sind noch immer männlich“

Über 3100 Menschen haben 2014 Unterstützung bei der ifs Schuldenberatung gesucht. Fast 61 Prozent der Ratsuchenden waren Männer.

Dunja Gachowetz

Eine Verschlechterung des Einkommens sowie Arbeitslosigkeit. Das sind die häufigsten Gründe, warum Frauen und Männer in die Schuldenfalle tappen können. Ebenso können das Konsumverhalten, eine frühere Selbstständigkeit, Scheidung sowie ein Haus- oder Wohnungskauf dazu beitragen, dass Menschen nicht mehr genügend Geld zur Verfügung haben. Darüber informierte am Freitagvormittag Peter Kopf. Er ist Geschäftsführer der ifs Schuldenberatung und präsentierte deren Jahresbericht 2014 gemeinsam mit Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne). Letztere verwies darauf, dass Klienten bei einer Beratung immer wieder Themen wie hohe Wohnungskosten, geringe Einkommen oder teure Kinderbetreuungseinrichtungen thematisieren würden. „Hier muss gegengesteuert werden. Und die zu diesen Bereichen im Regierungsprogramm vereinbarten Punkte müssen angegangen und umgesetzt werden“, betonte die Landesrätin.

Der Jahresbericht hat den Titel „Endlich schwarze Zahlen“, weil es darum in der Beratung gehen würde. Kopf führte aus: „Die Klienten sollen wieder ein Leben führen können, ohne ständig in Angst vor dem Gerichtsvollzieher oder einer Mahnung zu leben. Sie sollen die rote Spur auf dem Konto wegbringen. Und einen finanziellen Polster aufbauen, damit beispielsweise eine defekte Waschmaschine nicht zu einer Katastrophe führt.“

Anstieg bei Senioren

Insgesamt haben im vergangenen Jahr 3140 Menschen Hilfe bei den Schuldenberatern gesucht. Davon waren 1912 Männer und 1228 Frauen. „Schulden sind immer noch männlich. Nur bei den unter 25-Jährigen gibt es beinahe eine Parität der Geschlechter“, berichtet Kopf. Nach seinen Worten hätten die meisten Schuldner ihren 45. Geburtstag noch vor sich. Dennoch sei auch 2014, wie schon die anderen vier Jahre zuvor, ein Anstieg der Klientenzahlen bei Frauen und Männern über 60 Jahren registriert worden.

Als Peter Kopf vor 25 Jahren bei der ifs Schuldenberatung zu arbeiten begonnen hat, gehörten nach seinen Worten Senioren in den Wartezimmern noch zu einem seltenen Anblick. Dieser sei nun ganz normal. Der Geschäftsführer weiß, wieso dies so ist: „Oft gibt es eine späte Familienplanung oder es wird zum zweiten Mal eine Familie gegründet. Das hat zur Folge, dass Kredite aufgenommen werden, die bis zur Pensionierung nicht abgezahlt werden können. Und mittlerweile gibt es Scheidungen und Trennungen in jeder Altersgruppe.“ Weiters hätten Frauen meistens eine niedrigere Pension als Männer und wenn die Partnerinnen auch noch für den Gatten gebürgt hätten, dann sei die Schuldenkrise perfekt. Ebenso sei es ein Irrglaube, dass Senioren weniger Geld als junge Menschen benötigen. In diesem Zusammenhang verweist Kopf auf steigende Ausgaben bezüglich Gesundheit.

Sowohl der Schuldenberater als auch die Soziallandesrätin fordern vonseiten des Bundes eine Reform des Privatkonkurses und eine Streichung der Zehn-Prozent-Hürde. Eine solche Grenze würde es derzeit nur mehr in Tschechien und Österreich geben. An dieser würden jedoch viele Überschuldete scheitern und es nicht schaffen, mindestens zehn Prozent ihrer Schulden zurückzuzahlen – unabhängig von ihrem Einkommen. „Zehn Prozent zahlbar innerhalb von sieben Jahren klingt anfänglich wie ein Schnäppchen. Aber ohne Einkommen ist diese Hürde für viele Menschen unerreichbar. Es soll aber nicht von vornherein einen Schuldenschnitt geben. Aber wenn sich jemand bemüht, dann soll es nach einer gewissen Zeit einen geben. Denn irgendwann muss Schluss sein“, bringt es Kopf auf den Punkt. Er verwies in diesem Zusammenhang auf Deutschland. Dort sei seit 2014 nach sechs Jahren ein Schuldenschnitt möglich.

Tipps zum Umgang mit Schuldenproblemen

1. Schluss mit der „Vogel-Strauß-Taktik“: Nur Handeln hilft. Wer weiterhin wegschaut, verschlimmert die Probleme.

2. Bei Fragen und Problemen: Schuldenberatung fragen: Seriöse Schuldenberatungen arbeiten kostenlos. Wichtig ist es hier auf das Gütezeichen „Staatlich anerkannte Schuldenberatung“ zu achten.

3. Überblick verschaffen: Alle Schulden auflisten und einen Haushaltsplan erstellen.

4. Fristen beachten: Fristen, die von Gläubigern oder Gerichten gesetzt worden sind, sollten unbedingt ernst genommen werden.

5. Grundbedürfnisse absichern: Die Sicherung der elementaren Bedürfnisse wie Wohnen, Gesundheit und Ernährung hat absoluten Vorrang vor anderen Ausgaben.

6. Einnahmen sichern/Ausgaben senken: Möglichkeiten suchen, wie das Haushaltseinkommen erhöht werden kann. Genauso sollten „Geldfresser“ aufgespürt und ausgeschaltet werden.

7. Plan für Schuldenregulierung (mit allen Gläubigern): Ein ehrlicher Haushaltsplan zeigt, wie viel Geld in jedem Monat zum Bezahlen von Schulden bleibt. Anhand dieser Berechnung und einer vollständigen Schuldenliste können zukünftige Zahlungen zweckmäßig geplant werden.

8. Schulden regulieren und keine neuen Schulden machen: Ein außergerichtlicher Regulierungsvorschlag muss von allen Gläubigern angenommen werden, ein realistisches Angebot hat bei einsichtigen Gläubigern gute Chancen. Bei Scheitern oder Aussichtslosigkeit der außergerichtlichen Regelungsversuche ist für viele Schuldner ein Privakonkurs beim Bezirksgericht möglich.

Quelle: ifs Schuldenberatung

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